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Prüfung des Bundeskriminalamtes
NSU-Spur führt in Berliner Rocker-Szene
Zwischen den rechtsextremen Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und der Berliner Rockerszene gibt es möglicherweise eine Verbindung. Nach einer Schießerei vor dem Clubhaus der Bandidos im Stadtteil Wedding am 5. Juli waren laut Medienberichten DNA-Spuren gefunden worden, die teilweise Übereinstimmungen mit DNA-Spuren aus dem letzten Versteck des NSU in Zwickau aufweisen. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie entsprechende "Informationen" erhalten habe, die nun geprüft würden.
Ermittler sind skeptisch
Wie "Spiegel Online" berichtete, handelt es sich um DNA-Anhaftungen auf einer Patronenhülse. Sie sollen teilweise identisch sein mit DNA-Spuren, die auf einer Diskette in Zwickau gefunden worden waren.
Allerdings gibt es wegen der schlechten Qualität des Materials bei den Ermittlungsbehörden auch Zweifel an der Spur. "Nach den der Bundesanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt bislang vorliegenden Erkenntnissen sind die wenigen Merkmalsübereinstimmungen nicht als Beleg dafür geeignet, dass die Spuren von ein und derselben Person herrühren", sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Marcus Köhler. Er betonte zudem, dass sich nach den bisherigen Ermittlungen "keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Verbindungen" zwischen mutmaßlichen NSU-Mitgliedern und Gruppierungen aus dem sogenannten Rocker-Milieu ergeben hätten.
Bei der Schießerei im Juli waren zwei Männer verletzt worden, die Täter konnten entkommen. Als Hintergrund wurden Auseinandersetzungen zwischen den Rocker-Clubs Bandidos und Hells Angels vermutet.
Enge Verbindungen "seit vielen, vielen Jahren"
Sowohl beim Verfassungsschutz als auch bei der Polizei sind teilweise Überschneidungen zwischen der Rocker- und der Rechtsextremisten-Szene bekannt. Eine strukturelle Zusammenarbeit wurde bislang aber immer ausgeschlossen.
Der Gründer des Neonazi-Aussteigerprogramms "Exit", Bernd Wagner, sagte im RBB-Inforadio, es gebe schon "seit vielen, vielen Jahren" enge Verquickungen zwischen Personen, die sowohl im politischen Rechtsextremismus aktiv seien als auch im Bereich der Rocker-Kriminalität. Es gebe "Schlüsselpersonen" mit einer teilweise rechtsradikalen bis schwer gewalttätigen rechtsextremistischen Vergangenheit, die als "Klammerfiguren" auch für den NSU gearbeitet haben könnten.
DNA-Fragmente auch in Brandenburg
Eine weitere DNA-Spur in der NSU-Affäre führt nach Informationen der dpa auch nach Brandenburg. DNA-Spuren aus dem Ende 2011 in Eisenach entdeckten Wohnmobil der NSU-Terrorzelle stimmten teilweise mit Spuren von einem Fahrzeugdiebstahl in Brandenburg aus dem Jahr 2002 überein, berichtet die Agentur unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der genaue Fundort und weitere Hintergründe sind nicht bekannt. Weil der Fall längst verjährt ist, sollen die Akten bei der Staatsanwaltschaft inzwischen vernichtet worden sein. Die Ermittlungsbehörde wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen und verwies auf laufende Ermittlungen.
Der rechtsextremistische Nationalsozialistische Untergrund war im vergangenen November aufgeflogen. Den drei mutmaßlichen Mitgliedern Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt werden mindestens zehn Morde angelastet. Mundlos und Böhnhardt sind tot, Zschäpe sitzt in Haft. Bevor sie sich der Polizei stellte, hatte sie das Versteck in Zwickau in die Luft gesprengt.
Stand: 22.09.2012 18:42 Uhr
