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NSU-Untersuchungsausschuß

Ermittlungen zur Terrorgruppe

NSU-Ausschuss befasst sich mit Mord in Kassel

Der Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Mordserie der Terrorgruppe NSU vernimmt heute einen ehemaligen hessischen Verfassungsschützer. Er war nach eigenen Angaben "rein zufällig" in einem Kasseler Internetcafé, als die Terroristen dort im Jahr 2006 den Besitzer erschossen.

Von Arne Meyer, ARD Berlin

April 2006: In einem Kasseler Internetcafé fallen Schüsse, die den Betreiber Halit Yozgat töten. Er ist das mutmaßlich neunte Opfer des NSU. Zehn Menschen ermordet die Terrorzelle zwischen 2000 und 2007.

Die Tat in Kassel und die sich anschließenden Ermittlungen weisen allerdings besonders viele Merkwürdigkeiten auf, zum Beispiel diese hier: Warum surft, als der Mord passiert, der damalige Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes Andreas T. an einem der Rechner? "Ich war tatsächlich, wie ich es immer wieder nur betonen kann, zur falschen Zeit am falschen Ort, und es gibt keine Verbindung von mir zu diesen Taten und auch keine Verbindung, die irgendetwas mit meiner Arbeit zu tun gehabt hätte", sagte T. dem ARD-Politmagazin Panorama.

NSU-Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit Kassel-Mord
A. Meyer, ARD Berlin
11.09.2012 01:41 Uhr

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Manches scheint "schräg", manches "mysteriös"

Und noch etwas ist zumindest schräg: Während Zeugen die Schüsse hören, will der Verfassungsschützer davon nichts mitbekommen haben: "Darüber zermartere ich mir wirklich seit sechs Jahren immer wieder das Gehirn." Er könne für sich wirklich ausschließen, auch das betont T. in dem Interview, dass er einen oder mehrere Schüsse gehört haben könnte. Ist das glaubwürdig - oder nicht?

Es gibt weiter Zweifel, wird T. doch nachgesagt, zumindest in jüngeren Jahren offen gewesen zu sein für rechtes Gedankengut. Außerdem soll er V-Leute in der Szene geführt haben. Das wirkt bis heute zumindest mysteriös.

Trotzdem sagt Clemens Binninger, CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss, es gebe zwar Merkwürdigkeiten, aber eben keinen Hinweis auf eine Tatbeteiligung von T.: "Ich glaube, dass wir keine zusätzlichen Erkenntnisse gewinnen, die über das hinausgehen, was wir aus den Akten auch entnehmen konnten oder aus den bisherigen Vernehmungen, insofern ist meine Erwartungshaltung da eher gering."

Sebastian Edathy
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Der Ausschussvorsitezende Edathy will wissen, ob die hessische Landesregierung die Ermittlungen erschwert hat.

Auch den Ausschussvorsitzenden Sebastian Edathy von der SPD interessiert heute ein anderer Zeuge - und zwar deutlich mehr: Lutz Irrgang, ehemaliger Direktor des hessischen Verfassungsschutzes. Es gibt nämlich den Vorwurf, dass die hessische Landesregierung - und auch der Verfassungsschutz des Landes - selbst die Ermittlungen nicht gerade gefördert haben. Der ehemalige Leiter einer wegen des Kassel-Mordes gegründeten Sonderkommission hat ihn bei seiner Befragung im Ausschuss erhoben.

"Das wäre ein extremer Skandal"

Das will Edathy heute vor allem überprüfen: "Ich möchte gerne wissen, ob die Schilderungen - so, wie wir sie bisher gehört haben - sich mit dem deckt." Und sollte sich der Vorwurf der Behinderung von Ermittlungen bewahrheiten, so Edathy weiter, dann "wäre das ein extremer Skandal in dieser Republik".

Fragen beantworten muss heute außerdem ein Mitarbeiter des Militärischen Abschirmdienstes (MAD). Schließlich soll der MAD von 1999 bis 2003 im sogenannten Thüringer Heimatschutz einen Spitzel geführt haben - einer rechten Gruppierung, in der auch das Terror-Trio Uwe Böhnhard, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aktiv war.

Fortsetzung des NSU-Ausschusses in Thüringen
ARD-Morgenmagazin, 11.09.2012, Gunnar Breske, MDR

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Stand: 11.09.2012 04:30 Uhr

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