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Die Behörden gehen dem Verdacht nach, dass die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) an Brandanschlägen im Saarland beteiligt gewesen sein könnte. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Bundeskriminalamt ermittle noch, ob es Zusammenhänge zwischen der Neonazi-Gruppe und den Anschlägen im Saarland gebe. Der eigentliche Tatvorwurf gegen das Zwickauer Trio sei noch nicht erweitert worden.
Laut Medienberichten wurden zwischen dem 3. September 2006 und 3. September 2011 in Völklingen Häuser, in denen Italiener, Afrikaner, vor allem aber Türken lebten, angezündet. Bei den elf Bränden habe es mindestens 20 Verletzte gegeben, darunter Kinder.
Die Brände wurden laut "Saarbrücker Zeitung" oft ähnlich entfacht: indem leicht entzündbares Material im Eingangsbereich angesteckt wurde. Bislang seien die Behörden nicht von einem rechtsradikalen Hintergrund ausgegangen - obwohl die 40.000 -Einwohner-Stadt eine Hochburg der rechtsextremistischen NPD ist. Nun werde aber eine Verbindung zur NSU geprüft, weil eine Bekenner-DVD der Rechtsterroristen auch an eine türkische Einrichtung in Völklingen verschickt worden sei, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".
[Bildunterschrift: In Saarbrücken war am 9. März 1999 in den Räumen der Wehrmachts-Ausstellung ein Sprengsatz explodiert. ]
Darüber hinaus soll es laut FAZ weitere Indizien für im Saarland begangene Taten der NSU geben: In einem Drohschreiben, das nach dem Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken am 9. März 1999 verschickt wurde, taucht ein Begriff auf, der den Verdacht nahelegt, der Verfasser sei in Ostdeutschland aufgewachsen.
Die drei NSU-Hauptverdächtigen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe stammen aus Thüringen. Auch solle ein Zeuge erneut gehört werden, weil er 1999 zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen 20 und 25 Jahren kurz nach dem Bombenanschlag beobachtet habe, die sich der Tat gebrüstet hätten. Die NSU-Hauptverdächtigen waren damals zwischen 21 und 25 Jahren alt.
Unterdessen berichtet das Magazin "Focus", dass Zschäpe, die in Untersuchungshaft sitzt, bislang keine Aussage gemacht habe. Rechtsanwalt Wolfgang Stahl, Verteidiger der inhaftierten 36-Jährigen, sagte demnach: "Es steht noch nicht fest, ob Frau Zschäpe zu irgendeinem Zeitpunkt überhaupt Angaben zur Sache machen wird." Dies hänge auch damit zusammen, dass nur unzureichend Akteneinsicht gewährt worden sei.
Sein Mitverteidiger Wolfgang Heer erklärte, aus den Akten lasse sich nicht hinreichend erschließen, worauf die Ermittlungsbehörden den dringenden Tatverdacht hinsichtlich der Bildung einer terroristischen Vereinigung stützten. Mit Unverständnis reagierten die Verteidiger auf die Bekanntgabe von Ermittlungsdetails durch die Bundesanwaltschaft, die der Verteidigung bislang nicht zugänglich seien.
Die beiden anderen Terrorverdächtigen, Mundlos und Böhnhardt, waren am 4. November erschossen in einem Wohnmobil in Eisenach aufgefunden worden. Drei mutmaßlich Unterstützer der Terrorbande sitzen in Untersuchungshaft. Doch die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen weitere Verdächtige.
Eventuell will die Staatsanwaltschaft Gera auch ein Verfahren an die Bundesanwaltschaft, die die Untersuchungen gegen die NSU-Terroristen an sich gezogen hat, übergeben. In Gera wird gegen sechs Neonazis aus Thüringen wegen der Beschaffung von Plastiksprengstoff ermittelt.
Eine mögliche Verbindung zu den NSU-Ermittlungen ergibt sich laut "Tagesspiegel" über einen der sechs Beschuldigten in dem Geraer Verfahren, den aus Jena stammenden Neonazi André K. Er gelte als Weggefährte des am Dienstag in Jena festgenommenen Ex-NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben, dem die Bundesanwaltschaft die Unterstützung der Terrorbande vorwirft.
Im Fall der Beschaffung von Plastiksprengstoff ermittele die Staatsanwaltschaft Gera bereits seit 2010 gegen André K. und fünf weitere Rechtsextremisten. Zu den Beschuldigten zählt auch der ehemalige Anführer der Wehrsportgruppe Hoffmann, die in den 1970er-Jahren in Bayern aktiv war.
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