Rechtsextremist André K. sagt im NSU-Prozess aus Welche Rolle spielte V-Mann Brandt?

Stand: 21.11.2013 19:13 Uhr

Ein V-Mann des Verfassungsschutzes soll nach Aussage eines Zeugen versucht haben, den mutmaßlichen NSU-Terroristen bei ihrem Weg in den Untergrund zu helfen. Dabei habe sich der später als V-Mann enttarnte Tino Brandt an ihn gewandt, sagte der Thüringer Rechtsextremist André K. im NSU-Prozess.

Von Matthias Reiche, MDR

Hinweisschild zum NSU-Prozess | Bildquelle: dpa
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Im NSU-Prozess sagte der Zeuge Andre K. aus.

André K. war von Anfang an eine der Hauptfiguren in der Thüringer Naziszene. Der 38-Jährige war Mitbegründer Kameradschaft Jena und des rechtsextremen Thüringer Heimatschutzes, zu dessen hartem Kern auch die mutmaßlichen Rechtsterroristen Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe gehörten.

Ein sehr wichtiger Zeuge, glaubt Nebenklagevertreter Jens Rabe, vor allem um sich ein Bild zu machen, wie alles begann: "Wie hat sich das Terror-Trio formiert, wie war es mit dem Thüringer Heimatschutz? All diese Dinge sind ja Fragen, die für die Strukturen von großer Bedeutung sind. Wir wissen bis heute aus dem Prozess auch noch sehr wenig über Beate Zschäpes politische Einstellung. Wie hat sie sich damals gegeben, wie war die Entwicklung? Da kann André K. sicher viel zu sagen."

Erinnerungslücken in entscheidenden Fragen

Allerdings - immer, wenn es ins Detail ging, verlor sich der Zeuge gezielt ins Vage oder konnte sich überhaupt nicht erinnern. Sein neben ihm sitzender Anwalt hatte bereits zu Beginn der heutigen Vernehmung darauf verwiesen, dass sein Mandant wegen einer Verletzung Erinnerungslücken habe.

Für Rechtsanwalt Adnan Erdan ist die Sache klar: "Er ist ein Schaumschläger. Und er hat eine Schulung und Übung hinter sich. Bei solchen Zeugen kommt man nicht weiter, es sei denn, wir haben Informationen, wo wir ihn noch festnageln können, aber es wird sich erst im Laufe des Verfahrens herausstellen."

Wie half der V-Mann?

Klar wurde heute zumindest, dass nach dem Abtauchen der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Andre K. in der ersten Zeit zu deren Unterstützern zählte. Auch war ein sehr enger Vertrauter des Mitangeklagten Ralf Wohlleben, mit dem er jahrelang den Szenetreff das braune Haus in Jena bewohnt und betrieben hatte. Wohlleben soll dem untergetauchten Trio auch die Pistole besorgt haben, mit der die meisten der zehn Morde begangen wurden, die dem NSU angelastet werden.

Angedeutet wurden in der heutigen Vernehmung auch, dass Tino Brandt, ein V-Mann des Verfassungsschutzes den mutmaßlichen NSU-Terroristen im Untergrund half. Darüber hinaus gab es Pläne für deren Flucht ins Ausland - möglicherweise nach Südafrika.

Was machte Andre K. am 4. November 2011?

Nicht thematisiert wurde ein Ereignis vom 4. November 2011. An dem Tag hatten die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in einem Wohnmobil in Eisenach Selbstmord begangen. Etwa zur gleichen Zeit an diesem Tag war das Handy von Andre K. für zwölf Minuten in der Funkzelle von Eisenach eingeloggt - ein mysteriöser Zufall,  auch für Bundesanwalt Norbert Diemer: "Zur laufenden Beweiserhebung möchte ich mich nicht äußern, da bitte ich um Verständnis. Die Beweiserhebung ist noch nicht abgeschlossen. Der Zeuge wird noch vernommen, und es ist fraglich, ob heute die Vernehmung beendet wird."

Wenig später war dann offiziell, dass noch zu viele Fragen offen sind. Kommenden Dienstag geht die Vernehmung deshalb weiter. Der vorsitzende Richter gab dem Zeugen mit auf den Weg, bis dahin sein Aussageverhalten noch einmal überdenken.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. November 2013 um 23:15 Uhr.

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