NSU-Prozess: Nachbar schildert Alltag des Trios

Zeugenaussage im NSU-Prozess

Pizza, Prosecco und die "Diddl-Maus"

Im NSU-Prozess hat ein weiterer Zeuge den Alltag als Nachbar des Trios um Zschäpe geschildert. Doch auch er steht im Verdacht, zur rechten Szene zu gehören. Unterdessen belastet die Aussage eines Brandermittlers die Angeklagte schwer.

Von Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte

Der Alltag des Trios in Zwickau und der Brand ihrer Wohnung in der Frühlingsstraße 26 haben den 27. Verhandlungstag im NSU-Prozess in München geprägt. Am Vormittag sagte ein Zeuge aus, der bis zur Explosion auch im Haus in der Frühlingsstraße gewohnt hatte. Der 47-jährige Hausmeister schilderte Beate Zschäpe als eine Frau, die er nur flüchtig als Nachbarin gekannt haben will. Manchmal sei man auf einen kleinen Schwatz stehengeblieben oder habe am Wochenende hinter dem Haus gemeinsam etwas getrunken.

Beate Zschäpe habe dabei Prosecco und Schaumwein bevorzugt, während er und seine Freunde lieber Bier getrunken hätten. Zur Fußball-WM oder -EM habe man den Fernseher nach draußen gestellt und geschaut - einmal habe Zschäpe ihm und seinen Freunden eine Pizza spendiert. Für ihn sei sie aber immer Susann Dienelt gewesen - unter diesem Namen hatte sie sich vorgestellt und gesagt, sie lebe mit ihrem Freund und dessen Bruder zusammen.

Beate Zschäpe am 23. Juli im Verhandlungssaal (Bildquelle: dpa)
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Beate Zschäpe gab sich im Alltag unter dem Namen Susann Dienelt aus.

Für Nebenklägeranwältin Angelika Lex aus München, die die Witwe des Mordopfers Theodoros Boulgarides vertritt, war diese Normalität erschreckend: "Hier wurde vorgespiegelt, welche Berufstätigkeit die drei ausüben, hier wurden den Nachbarn Erklärungen geliefert für die Fahrzeuge und die Wohnmobile, die vor dem Haus standen. Da ist den Nachbarn ein Bild präsentiert worden, das ausschließlich von Beate Zschäpe vermittelt worden ist."

Zeuge besaß Auto mit Eisernem Kreuz

Doch auch der Zeuge selbst sorgte für einigen Gesprächsstoff: Er nannte Beate Zschäpe in Anlehnung an ihren angeblichen Namen Dienelt "Diddl-Maus" - und hatte zumindest auf der persönlichen Ebene offenkundige Sympathien. Bei der Befragung stellte sich heraus, dass er selbst einen Kübelwagen mit aufgemalten Eisernen Kreuzen besitzt, früher einen Jutesack mit Hakenkreuzaufdruck in seiner Wohnungen hängen hatte und seinen Fernseher mit einem Bild von Adolf Hitler dekorierte. Doch das habe nichts zu bedeuten, erklärte der Zeuge. Er sei politisch uninteressiert und kein Neonazi.

Zschäpes Nachbar als Zeuge vor Gericht
H. Schmidt, SWR
24.07.2013 19:32 Uhr

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Nebenklägeranwältin Seda Bassay, die ein Familienmitglied des wohl ersten Mordopfers Enver Simsek vertritt, war schockiert: "Es ist erschreckend, dass das so selbstverständlich ist, dass man im Keller ein Hitlerbild hat. Er hat das jetzt runtergespielt und gesagt, das hat keine Bedeutung, es sei ein Andenken an den verstorbenen Nachbarn. Aber es gibt natürlich von anderen Nachbarn Aussagen, die sagen, natürlich sei da eine rechte Gesinnung gewesen."

Ausgerechnet bei diesem Zeugen waren heute Morgen mehrere Zuschauer im Verhandlungssaal, die dem äußeren Anschein nach zur rechten Szene gehören: Sie trugen auffällige Tätowierungen und Szene-Kleidung, grüßten in Richtung der Angeklagten und unterhielten sich angeregt mit den Verteidigern von Ralf Wohlleben.

Brandermittler belasten Zschäpe schwer

Am Nachmittag ging es um die Nutzung eines Computers aus der Wohnung und insgesamt um die Brandermittlungen. Nur Minuten, bevor das ganze Haus in Flammen stand, wurde auf dem Computer im Internet nach einem Tierheim gesucht - eine interessante Erkenntnis, soll Beate Zschäpe doch ihre Katzen nur Minuten später in die Obhut einer Nachbarin gegeben haben.

Ein Brandermittler des sächsischen LKA sagte, die Folgen des Brandes seien für den Verursacher nicht beherrschbar gewesen, für Nachbarn im Haus habe akute Gefahr bestanden. Die Verteidigung von Beate Zschäpe dürfte das nicht gerne gehört haben: Allein im Fall einer Verurteilung wegen besonders schwerer Brandstiftung drohen 15 Jahre Haft.

Aussage des Brandermittlers belastet Zschäpe
tagesschau 20:00 Uhr, 25.07.2013

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Stand: 24.07.2013 19:10 Uhr

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