NSU-Prozess: Einblicke in die Welt der Beate Z.

Beate Zschäpe am 17. Juli im Verhandlungssaal (Bildquelle: dpa)

Nachlese zum NSU-Prozess

Einblicke in die Welt der Beate Z.

25 Verhandlungstage NSU-Prozess: Im Zentrum diese Woche stand unter anderem der Vorwurf der Brandstiftung. Die Fotos aus der ausgebrannten Zwickauer Wohnung erlauben einen Einblick in den Alltag von Zschäpe, Mundlos und Böhnhard.

Von Frank Bräutigam, SWR, ARD-Rechtsexperte

Es ist der 4. November 2011, früher Nachmittag. Beate Zschäpe verlässt das Haus in der Zwickauer Frühlingsstraße. Eine Explosion zerreißt die Stille, und die Außenwand im ersten Stock. Die Wohnung brennt nieder, Zschäpes Flucht beginnt. Ihre Vergangenheit mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, ihrer "Familie", wie sie einmal gesagt haben soll, lässt sie zurück. Doch nicht nur das. Denn was die Polizei wenig später im Brandschutt findet, elektrisiert die Ermittler. Trotz des massiven Brandes ist erstaunlich viel erhalten geblieben.

Brandermittler Frank L. aus Zwickau hat die zerstörte Wohnung samt Fundstücken fotografiert. An den Verhandlungstagen dieser Woche wirft er die Bilder an die Wand im Saal des Münchener Oberlandesgerichts. Für Beate Zschäpe dokumentieren sie, was übrig blieb von ihrem alten Leben. Zuschauern und Prozessbeteiligten erlauben sie einen Einblick in den Alltag von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt. Es ist eine bizarre Kombination aus banalen und hochbrisanten Funden.

Polizisten untersuchen in Zwickau die Trümmer eines explodierten Hauses. (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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In Zwickau soll Beate Zschäpe die Wohnung, in der die drei Neonazis gewohnt hatten, in die Luft gejagt haben, um Spuren zu vernichten. Auf dem Bild untersuchen Polizisten am 8. November 2011 die Trümmer des Hauses, in denen die Ermittler noch zahlreiche Hinweise finden.

Ein rotes Sofa und ein Katzenimpfpass in der Wohnung ...

In der massiv zerstörten Wohnung finden sich zum Beispiel: Reste eines roten Sofas, verkohlte Fitnessgeräte, Hochbetten, ein Buch "Die Rache der Zwerge", ein Katzenzimmer mit Kratzbaum. Brandermittler L. wirft das Bild eines perfekt erhaltenen Impfpasses für Kater Lilly an die Wand, ausgestellt auf Mandy S., einen Namen, den Zschäpe häufig verwendete. Sie schaut sich alles interessiert an, scheint ihren Anwälten ab und zu etwas zu erklären. Was wohl in ihr vorgeht, als fein aufgereiht die gefundenen Klamotten und Schuhe auf Bildern präsentiert werden? Manchmal muss sie leicht schmunzeln. Immer wieder aber schaut sie auch angestrengt auf ihren Laptop.

Brandermittler L. hat einen offenen Wandtresor abgelichtet. Sein Inhalt: eine entsicherte Waffe und Polizeihandschellen, vermutlich die der in Heilbronn getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter. Einen Schlüssel des Tresors habe man nicht gefunden, sagt er. Es folgen Fotos von zwei weiteren Waffen. Ein Bündel mit Geldscheinen ist nur an der Seite leicht angekokelt. Gleich reihenweise hat L. gut erhaltene Zeitungsartikel und Kartenmaterial fotografiert. Bestimmte Orte sind auf den Karten erkennbar markiert.

... Wasserflaschen und ein Kinderfahrrad im Keller

Es geht runter in den Keller mit den gut gesicherten Türen. Zu sehen ist wieder eine eigenartige Mischung: ein riesiger Vorrat an Wasserflaschen und Milchtüten in den Regalen, ein buntes Kinderfahrrad, mehrere Fahrräder für Erwachsene, Schläuche, Werkzeug. Im zweiten Raum dann eine Werkbank und viel Holzmaterial.

Brandermittler L. hat eine wohl selbst konstruierte Holzkiste mit zwei größeren Löchern fotografiert. Als eine Art Schießvorrichtung hatte die Bundesanwaltschaft diesen Fund bereits kurz nach Übernahme der Ermittlungen bezeichnet. Besonderes Augenmerk lenkt L. auf eine dicke Holzplatte. Die Löcher darin, das seien wohl Einschusslöcher, sagt er. Im Mülleimer liegt eine Hülse.

Welche Antworten geben die Bilder?

Es sind Einblicke in die Welt, in der Beate Z. gelebt hat. Im Prozess ist noch nicht die Zeit für die genauen Antworten auf die Frage, welche Schlüsse man aus all dem ziehen kann. Wusste sie, was die beiden Uwes auf ihren Reisen taten, und was genau war ihre Rolle? Gleichberechtigtes Mitglied einer Mördertruppe oder unwissende Partnerin zu Hause? Oder irgendetwas dazwischen?

Ein erstes persönliches Bild der Fundstücke konnten sich alle Beteiligten nun machen. Brandermittler L. wird im September noch einmal nach München kommen und weiter berichten. Das Haus in der Frühlingsstraße ist inzwischen abgerissen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. September 2013 um 12:00 Uhr.

Stand: 19.07.2013 11:42 Uhr

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