Der mutmaßliche NSU-Unterstützer André E. (l.) im Amtsgericht Zwickau, wo er sich im Mai wegen Körperverletzung verantworten musste | Bildquelle: dpa

NSU-Prozess Haftbefehl für André E.

Stand: 13.09.2017 21:58 Uhr

Auf der Zielgerade des NSU-Prozesses muss neben Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben nun auch ein dritter Angeklagter in Untersuchungshaft - André E., ein mutmaßlicher NSU-Unterstützer. Erst am Dienstag hatte der Bundesanwalt zwölf Jahre Haft für E. gefordert.

Der mutmaßliche NSU-Unterstützer André E. muss in Untersuchungshaft. Das Münchner Oberlandesgericht erließ Haftbefehl gegen den 38-Jährigen, dem die Bundesanwaltschaft im NSU-Prozess Beihilfe zum versuchten Mord vorwirft. Damit gab das Gericht nach mehrstündigen nicht-öffentlichen Beratungen einem Antrag der Bundesanwaltschaft statt. Die Richter sahen unter anderem Fluchtgefahr beim Angeklagten.

E. galt bis zuletzt als einer der engsten Vertrauten des NSU und der mutmaßlichen Rechtsterroristin Zschäpe. Die Bundesanwaltschaft bezeichnete ihn in ihrem Plädoyer als loyalsten Helfer des NSU. E. soll im Dezember 2000 Beihilfe zum Bombenanschlag des NSU auf ein Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln geleistet haben. Er habe laut Anklage das Wohnmobil gemietet, mit dem die Täter - Zschäpes Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt - nach Köln gefahren seien.

Lebenslänglich für Zschäpe gefordert

In ihrem Plädoyer weiteten die Ankläger ihre Vorwürfe gegen E. allerdings deutlich aus. Am Dienstag forderte Bundesanwalt Herbert Diemer eine überraschend hohe Haftstrafe von zwölf Jahren für E. und beantragte die sofortige Untersuchungshaft. Nach dem Plädoyer wurde E. noch im Gerichtssaal in Gewahrsam genommen, bis zur Entscheidung über den Haftbefehl. Nach der Eröffnung des Haftbefehls muss E. nun bis auf Weiteres in Untersuchungshaft bleiben.

Die Bundesanwaltschaft hatte zudem ihre Strafmaßforderungen für Zschäpe und die insgesamt vier Mitangeklagten verkündet. Für Zschäpe will sie die Höchststrafe: lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung. Die Anklage wirft ihr Mittäterschaft an allen NSU-Verbrechen vor, darunter zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde sowie zwei Bombenanschläge in Köln, einer davon mit Dutzenden Verletzten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. September 2017 um 22:00 Uhr.

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