Ralf Wohlleben | Bildquelle: dpa

NSU-Prozess Keine Rückkehr zur Beweisaufnahme

Stand: 30.01.2018 12:46 Uhr

Im NSU-Prozess werden keine neuen Zeugen gehört. Das Gericht lehnte einen Beweisantrag der Verteidiger von Ralf Wohlleben ab. Diese prüfen nun weitere Schritte gegen die Entscheidung.

Von Ina Krauß, BR

Mit Spannung war erwartet worden, wie der 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts mit einem Beweisantrag der Verteidigung des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben umgeht. Denn das Risiko ist hoch, dass sich das Verfahren in seiner Schlussphase weiter verzögert.

Beweisantrag nach Ende der Beweisaufnahme

Das Gericht lehnte den Antrag der Verteidigung am Vormittag ab. In dem Beweisantrag, der gut ein halbes Jahr nach Ende der Beweisaufnahme gestellt worden ist, geht es um die Lieferung der Ceska 83. Mit dieser Waffe erschoss der NSU neun Geschäftsleute mit türkischen beziehungsweise griechischen Wurzeln. Die Bundesanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass die Pistole von den Angeklagten Carsten S. und Ralf Wohlleben an den NSU geliefert wurde.

Das wollte die Verteidigung des ehemaligen NPD-Funktionärs Wohlleben durch die Ladung zweier Zeugen aus der Neonaziszene widerlegen. Der eine habe eine Ceska 83 in der Schweiz besorgt und der andere habe sie an den NSU weitergegeben. Das ergebe sich aus einem derzeit beim LKA Baden-Württemberg geführten Ermittlungsverfahren.

Das Gericht will zum Schluss kommen

Das Gericht sieht aber wenig Anhaltspunkte dafür, dass es sich bei der Waffe um die relevante Tatwaffe handelt. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl machte auch klar, dass das Gericht es nicht als seine Aufgabe ansieht, die Herkunft sämtlicher Waffen, die sich im Besitz des NSU befanden, aufzuklären.

Verhandlung unterbrochen

Mit der Ablehnung des Beweisantrags könnten nun die Nebenkläger ihre Plädoyers fortsetzen. Doch die Verteidigung von Ralf Wohlleben berät derzeit weitere rechtliche Schritte. Deshalb wurde die Verhandlung bis morgen unterbrochen.

Über dieses Thema berichtete radioeins rbb am 30. Januar 2018 um 18:10 Uhr.

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