Beate Zschäpe im NSU-Prozess | Bildquelle: REUTERS

Sommerpause im NSU-Prozess Auf der langen Zielgeraden

Stand: 01.08.2017 18:51 Uhr

Der NSU-Prozess neigt sich langsam dem Ende: In kleinen Häppchen präsentiert die Bundesanwaltschaft ihr langes Schlussplädoyer, das nun von der Sommerpause unterbrochen wird. Es bilanziert fast 400 Verhandlungstage.

Von Kolja Schwartz, ARD-Rechtsredaktion

Es ist Sommerpause im NSU-Prozess und so viel steht fest: Es dürfte die letzte vor dem Urteil sein. Denn mit dem Beginn des Plädoyers der Bundesanwaltschaft ist dieser Mammutprozess auf die Zielgerade eingebogen. Doch auch die Zielgerade ist lang - das zeigten die letzten Tage.

22 Stunden, so hatten es die Ankläger vorher geschätzt, bräuchten sie für Ihre Zusammenfassung des Prozesses: zur Würdigung von Zeugenaussagen, Einlassungen der Angeklagten und anderer Beweise und Indizien. 22 Stunden, um das Tatgeschehen des NSU und die Tatbeteiligung von Beate Zschäpe und der vier Mitangeklagten aus ihrer Sicht darzulegen. 22 Stunden, um fast 400 Prozesstage zu bilanzieren.

Bilanz von 400 Verhandlungstagen vor der Sommerpause
tagesschau 20:00 Uhr, 01.08.2017, Christoph Arnowski, BR

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Die Mittäterschaft von Zschäpe

In kleinen 45-Minuten-Einheiten hatte das Team der Bundesanwaltschaft sein Plädoyer vorgetragen, dann gab es immer kurze Pausen. Die Beteiligten im Gerichtssaal - auch und vor allem die Angeklagten - sollten die Möglichkeit haben, den Schlussvorträgen zu folgen, sich Notizen zu machen. Das ist gut und richtig und daher nahm es das Oberlandesgericht in München auch in Kauf, mit dem Plädoyer der Bundesanwaltshaft vor der Sommerpause nicht fertig zu werden. Am 31. August geht es in München weiter. Zwei bis drei Tage werden die Ausführungen der Ankläger dann wohl noch dauern. Und erst ganz am Ende werden sie ihre Anträge zu den Strafen stellen. So ist das üblich.

Dass sie für Zschäpe eine lebenslange Haftstrafe fordern werden, steht nach den Ausführungen der letzten Prozesstage schon jetzt fest. Denn: Aus Sicht der Bundesanwaltschaft hat sich durch die Beweisaufnahme bestätigt, dass Zschäpe an den zehn Morden, den Sprengstoffanschlägen und den Raubüberfällen Mittäterin ist. Und das, obwohl sie an keinem der Tatorte war. Rechtlich ist das möglich, wenn eine Tat arbeitsteilig ausgeführt wird, wenn die Person im Hintergrund wichtige Tatbeiträge geleistet hat.

Und so sehen es die Ankläger bei Zschäpe. Nur durch sie habe das Trio so lange unentdeckt im Untergrund leben können. Sie sei der entscheidende Stabilitätsfaktor gewesen und nur durch ihre Hilfe hätten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Taten vor Ort ausführen können. Die Einlassungen von Zschäpe während des Prozesses seien durch die Beweisaufnahme widerlegt - es sei klar, dass sie von den Taten gewusst und diese auch gewollt habe.

Die Beihilfe von Wohlleben und Carsten S.

Zwei Tage ihres Plädoyers widmete die Bundesanwaltschaft den Mitangeklagten Ralf Wohlleben und Carsten S.. Beide zusammen, hätten dem NSU-Trio die Waffe besorgt, mit der die zehn Morde begangen wurden - das sei bewiesen. Und: Sie hätten auch gewusst, dass mit dieser Waffe Menschen getötet werden sollten. Wegen Beihilfe an den Morden seien sie deshalb zu verurteilen. Wohlleben habe bei der Beschaffung der Waffe die Fäden in der Hand gehalten und auch wesentlich mehr Wissen als Carsten S. gehabt. Seine Schuld wiege also schwerer, als die von Carsten S., zumal dieser mit glaubhaften Aussagen auch zur Aufklärung beigetragen hat.

Nach der Sommerpause wird die Bundesanwaltschaft die Plädoyers fortsetzen. Es fehlen noch die Ausführungen zu den beiden anderen Mitangeklagten und die Würdigung der Raubüberfälle, bevor es zu den Strafanträgen kommt. Und dann sind die Anwälte der mehr als 80 Nebenkläger an der Reihe, um ihre Sicht der Dinge darzulegen.

Urteil wohl nicht vor November

Vermutlich wird nicht jeder Anwalt plädieren, insgesamt werde das aber schon 55 bis 57 Stunden dauern, kündigte bereits ein Vertreter an. Also etwa doppelt so lang, wie das Plädoyer der Bundesanwaltschaft.

Bis in den November könne sich das hinziehen, sagte der Sprecher des Gerichts. Erst dann sind die Verteidiger der fünf Angeklagten an der Reihe. Im Anschluss haben die Angeklagten selbst - wenn sie wollen - das letzte Wort, bevor sich das Gericht zur Urteilsberatung zurückzieht.

Gut möglich, dass das Urteil im NSU-Prozess sogar erst Anfang 2018 gesprochen wird. Es ist also wirklich eine lange Zielgerade, auf die der Prozess jetzt eingebogen ist. Bei den Taten, die es aufzuklären gilt, und bei mehr als vier Jahren Beweisaufnahme im Münchener Gerichtssaal ist das aber alles andere als verwunderlich.

Über dieses Thema berichtete am 01. August 2017 Deutschlandfunk um 06:25 Uhr und berichtet die tagesschau um 20:00 Uhr.

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