Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt am 25.07.2017 im Gerichtssaal in München (Bayern) neben ihrem Anwalt Mathias Grasel. | Bildquelle: dpa

NSU-Prozess Plädoyers haben begonnen

Stand: 25.07.2017 12:29 Uhr

Nach längeren Verzögerungen konnten die mit Spannung erwarteten Plädoyers im NSU-Prozess beginnen. Zuvor hatte das Münchner Oberlandesgericht eine Aufzeichnung des Schlussvortrags der Bundesanwaltschaft abgelehnt. Dies hatte die Verteidigung gefordert.

Die Beweisaufnahme im NSU-Prozess ist offiziell abgeschlossen und die mit Spannung erwarteten Plädoyers haben begonnen. Bundesanwalt Herbert Diemer startete am Mittag mit seinem Schlussvortrag vor dem Münchener Oberlandesgericht.

Die Richter hatten zuvor erneut den Wunsch einer Reihe von Verteidigern abgelehnt, den Schlussvortrag der Bundesanwaltschaft auf Tonband aufzuzeichnen. Zudem wies das Gericht die Forderung zurück, das Plädoyer alternativ mitzustenografieren oder das Redemanuskript der Ankläger an die Verfahrensbeteiligten aushändigen zu lassen.

Damit ließ das Gericht die Begründung der Verteidiger nicht gelten, die Angeklagten seien nicht fähig, dem angekündigten 22-stündigen Plädoyer im erforderlichen Maße geistig zu folgen. Die Verteidiger hatten daraufhin zunächst neue Befangenheitsanträge erwogen, verzichteten aber letztlich.

Keiner der Angeklagten "zu einfach strukturiert"

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl sagte, es bestehe kein Zweifel, dass die Angeklagten ihre Verfahrensrechte sachgerecht ausüben könnten. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass auch nur einer "zu einfach strukturiert" wäre, um einem längeren Vortrag in deutscher Sprache zu folgen. Alle hätten Verteidiger, die ihnen zur Seite stünden, zudem würden Pausen eingelegt, um die Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Ursprünglich hätten die Plädoyers nach dem Willen des Gerichts schon am vergangenen Mittwoch beginnen sollen - nach mehr als vier Jahren Prozessdauer. Das juristische Hickhack über eine mögliche Tonbandaufnahme verhinderte dies aber.

Julian von Löwis, BR, zum Beginn der Plädoyers
tagesschau 12:00 Uhr, 25.07.2017

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Zschäpe droht lebenslange Haft

Der Hauptangeklagten Zschäpe droht lebenslange Haft. Der 42-Jährigen wird Mittäterschaft an sämtlichen Verbrechen der rechtsextremistischen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" vorgeworfen. Zschäpe lebte fast 14 Jahre mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun von ihnen aus rassistischen Motiven. Zschäpe soll von allen Morden gewusst und diese unterstützt haben; sie selbst bestreitet das.

Neben Zschäpe und Wohlleben sitzen noch drei weitere mutmaßliche Terrorhelfer und -unterstützer auf der Anklagebank. Das Mammutverfahren hatte am 6. Mai 2013 begonnen.

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin von ARD am 25. Juli 2017 um 05:38 Uhr und die Tagesschau um 12 Uhr.

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