Der Angeklagte Carsten S. sitzt am 05.06.2013 im Gerichtssaal in München (Bayern) | Bildquelle: dpa

NSU-Prozess "Wohlleben war der Auftraggeber"

Stand: 09.03.2016 18:21 Uhr

Der wegen Beihilfe an neun Morden angeklagte Carsten S. hat den mitangeklagten ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben erneut schwer belastet. Vor dem Münchner Oberlandesgericht sagte er aus, Wohlleben habe ihm den Auftrag zur Beschaffung der Mordwaffe gegeben.

Von Alf Meier, BR

Prozesstag 269: Carsten S. ist selbst wegen Beihilfe an neun Morden im NSU-Prozess angeklagt - jetzt belastete er den Mitangeklagten Ralf Wohlleben noch einmal schwer. Carsten S. hatte bereits im Ermittlungsverfahren und auch zu Beginn des NSU-Prozesses ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gab zu, die Pistole vom Typ "Ceska" besorgt zu haben, mit dieser Waffe sollen die beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt acht türkisch- und einen griechischstämmigen Mann ermordet haben. Den Auftrag und das Geld zur Beschaffung der Pistole hat er laut eigener Aussage von Ralf Wohlleben bekommen.

Wohlleben hatte Carsten S. belastet

Wohlleben hatte im Dezember vergangenen Jahres, mehr als zweieinhalb Jahre nach Prozessbeginn, sein Schweigen gebrochen und behauptet, mit dem Erwerb und der Weitergabe der "Ceska" nichts zu tun gehabt zu haben. Der Auftrag an Carsten S. sei direkt von Mundlos oder Böhnhardt gekommen. Das Geld habe Timo Brandt geliefert, ein Neonazi und ehemaliger V-Mann des thüringischen Verfassungsschutzes.

"Ich hab das Geld von Wohlleben bekommen, da war kein Tino Brandt involviert", sagte Carsten S. jetzt im Prozess. Der Mann, der sich im Zeugenschutzprogramm befindet, wollte die Aussagen Wohllebens nicht auf sich sitzen lassen. Wohlleben sei der Auftraggeber und die steuernde Person bei der Beschaffung gewesen, bekräftige er. Grundsätzlich sei er damals immer bei Aktionen von Wohlleben oder Andre Kapke angesprochen worden, er selbst habe nie die Initiative ergriffen.

Carsten S. belastet erneut Ralf Wohlleben
tagesschau 17:00 Uhr, 09.03.2016, Eva Frisch, BR

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Aussage steht gegen Aussage

Damit steht Aussage gegen Aussage. Prozessbeobachter halten Carsten S. jedoch für weit glaubwürdiger als den ehemaligen NPD-Mann Wohlleben. Für Carsten S. spreche vor allem die frühe Aussagebereitschaft und der erkennbare Willen alles auf den Tisch zu bringen.

Für die Anklage sei er eine Art Kronzeuge in einem Prozess, der vor allem aus Indizien bestehe. Wann dieser Prozess zu Ende geht, vermag auch nach fast 270 Verhandlungstagen niemand mit Sicherheit zu sagen. Das Oberlandesgericht hat eine aktuelle Terminliste verschickt. Vorsorglich wurde schon einmal bis Januar 2017 terminiert.

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