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NSU-Untersuchungsausschuß

Nachrichtendienst wusste vom rechtsextremen Hintergrund

MAD wollte Mundlos als Informanten anwerben

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat nach ARD-Informationen versucht, 1995 den späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos als Informanten anzuwerben. In der neu aufgetauchten MAD-Akte steht wörtlich zur Vernehmung des damals Wehrdienstleistenden: "Zu diesem Zeitpunkt wurde Mundlos, Uwe gefragt, ob er sich vorstellen könne, ihm bekanntgewordene Termine für Anschläge auf Asylantenheime der Polizei oder den Verfassungsschutzbehörden zu melden. Diese Frage wurde durch Mundlos, Uwe verneint. Er [...] könne sich jedoch nicht vorstellen, mit den zuständigen Behörden zu kooperieren."

Auszug aus der MAD-Akte der Vernehmung von Uwe Mundlos im März 1995
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Auszug aus der MAD-Akte der Vernehmung von Uwe Mundlos im März 1995

Mundlos leistete vom 1. April 1994 bis zum 31. März 1995 in Thüringen seinen Grundwehrdienst ab. Während seiner Dienstzeit war er gemeinsam mit anderen wegen des Singens von rechtsextremen Liedern aufgefallen. In der Vernehmung im März 1995 durch den MAD gestand er ein, dass er rechtem Gedankengut nahestehe. Laut der Akte distanzierte Mundlos sich zwar indirekt von dem Mord an Millionen Juden in der Nazi-Zeit und erklärte, das sei eine "schlimme Sache" gewesen. Ihm missfalle jedoch, dass die deutschen Soldaten, die für ihr Land gekämpft hätten, "immer noch an den Pranger gestellt" würden.

Erste Kontakte zu einer Skin-Gruppe hatte Mundlos nach eigenen Angaben im Alter von 15 Jahren. Er habe sich zu diesem Zeitpunkt "aus Trotz gegenüber dem SED-Regime" ein entsprechendes Outfit zugelegt, wird der 1973 Geborene in der Akte zitiert. Er gehöre jedoch keiner politischen Partei oder Organisation an. Zwar hätten sich während Konzerten und in Gasthäusern "zufällig" mit NPD-Mitglieder ergeben, er sei aber nicht an der Zugehörigkeit interessiert gewesen. Laut der MAD-Akte bezeichnete Mundlos die NPD als "Aso-Partei".

Chef des Militärischen Abschirmdienstes soll sich zur Mundlos-Akte äußern
Tagesschau 17:00 Uhr, 11.09.2012, Jochen Graebert, ARD Berlin

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Dementi aus dem Verteidigungsministerium

Aus dem Bundesverteidigungsministerium kam zunächst ein klares Dementi. "Der Militärische Abschirmdienst hatte zu keinen Zeitpunkt die Absicht, Mundlos anzuwerben", sagte ein Sprecher des Ministeriums der Nachrichtenagentur dapd.

Einige Stunden später hieß es am Rande der Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses allerdings nur noch, dass der MAD nicht versucht habe, Mundlos als "bezahlten V-Mann" anzuheuern. Ein Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, ob Mundlos "informell" um Informationen gebeten worden sei.

MAD-Akte wurde nach Ströbele-Anfrage öffentlich

Hans-Christian Ströbele
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Die Anfrage des Grünen-Politikers Ströbele bei der Bundesregierung bestätigte den Hinweis auf die Mundlos-Akte.

Mundlos tauchte 1998 unter und wird als Mitglied der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" für zehn Morde mitverantwortlich gemacht. Im vergangenen Jahr tötete er sich zusammen mit Uwe Böhnhardt selbst, als die Polizei die beiden ihn ihrem Wohnmobil eingekreist hatte.

Zuvor war bekannt geworden, dass der MAD eine Akte über den NSU-Terroristen Uwe Mundlos führte, die zunächst nicht mehr auffindbar war. Der MAD hatte die Existenz der Akte dem Ausschuss verschwiegen und sogar offen deren Existenz abgestritten. Erst durch eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Christian Ströbele wurde der Vorgang bekannt. Die Obleute aller Fraktionen im Untersuchungsausschuss des Bundestages zeigten sich empört über diesen Vorgang.

Thüringen verlangt Akteneinsicht

Inzwischen kündigte auch der Thüringer Untersuchungsausschuss zu den NSU-Ermittlungen an, sich mit der Verbindung des MAD zu Mundlos befassen zu wollen. Nach dem Bekanntwerden der Existenz einer Akte sei ein Beweisantrag auf Vorlage dieser Akte beziehungsweise zur Angabe der Fundstelle in den beim Ausschuss bereits eingegangenen Akten gestellt worden, teilte die SPD-Fraktion mit.

Zugleich monierte SPD-Obmann Peter Metz, dass zum wiederholten Mal "ein Hinweis auf hochbrisantes Material erst etliche Monate nach Auffliegen der NSU-Morde" auftauche. Die Behörden müssten sich fragen lassen, weshalb sie die Ausschüsse nicht umfassend informieren.

Stand: 11.09.2012 18:43 Uhr

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