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Parallelen zu Anschlägen in Schweden
Ließ sich der NSU vom "Lasermannen" inspirieren?
Fast ein Jahrzehnt zog der NSU mordend durch Deutschland - die Verbrechen waren beispiellos in der Bundesrepublik. Doch eine Reihe von Mordanschlägen Anfang der 90er-Jahre in Schweden weist Parallelen zum Vorgehen des NSU auf. Hatte die Zwickauer Zelle ein Vorbild?
Von Christoph Heinzle und John Goetz, NDR
Neun Morde an Kleinunternehmern mit griechischen oder türkischen Wurzeln, ein Mord an einer Polizistin: In der Bundesrepublik Deutschland war die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) beispiellos. Noch nie waren Terroristen aus dem rechtsextremen Spektrum so organisiert, planvoll und kaltblütig vorgegangen, um ihre Opfer zu töten. Doch das Zwickauer Terrortrio könnte dabei ein Vorbild gehabt haben: einen fremdenfeindlichen Serientäter aus Schweden. Das zumindest legt eine Analyse des Bundesverfassungsschutzes nahe, die dem NDR vorliegt.
Jagd auf den "Lasermannen"
John Ausonius heißt der inzwischen 59-jährige Schwede mit deutschen und schweizerischen Wurzeln, der Anfang der 1990er-Jahre Ziel einer der größten Polizeiaktionen in der Geschichte Schwedens wurde. Mordanschläge auf insgesamt elf Personen gehen nach Ermittlungen der Polizei auf sein Konto. Dabei gab es einen Toten und mehrere Schwerverletzte. Alle Opfer von Ausonius waren Migranten verschiedener Herkunftsländer. Die Taten ereigneten sich innerhalb weniger Monate zwischen Ende 1991 und Anfang 1992.
Die Tatwaffe war zunächst ein Gewehr mit einer Laser-Zielvorrichtung - deshalb war in den schwedischen Medien rasch vom "Lasermannen" die Rede. Lange suchte die Polizei ergebnislos nach dem Täter. Über einen Mietwagen kam man ihm schließlich auf die Spur. 1994 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Jahre später gab er die Taten dann auch zu.
Viele Parallelen zum NSU
Die nach Meinung des Bundesamtes für Verfassungsschutz auffälligste Parallele: Wie später beim NSU richteten sich auch die Taten des Schweden gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Wie beim Zwickauer Terrortrio kannte auch der Schwede seine Opfer nicht persönlich.
Eine weitere wichtige Parallele: Auch Ausonius hatte zur Finanzierung seiner Taten Banken überfallen. Außerdem nutzte er wie die deutsche Terrorgruppe nach einzelnen Taten ein Fahrrad zur Flucht und besorgte sich falsche Identitäten. Auch Ausonius mietete ein Auto an. Im Gegensatz zu den deutschen Tätern allerdings konnten dem Schweden nie Verbindungen zur rechtsextremen Szene nachgewiesen werden. Dennoch wurde er in der Szene bald zu einer Art Held stilisiert.
Welche Rolle spielte ein rechtsextremes Handbuch?
So könnte auch der NSU von der schwedischen Anschlagsserie erfahren haben. Auf einer Festplatte des Terrortrios fanden sich Bezüge zu Schweden. Vor allem aber gehen die Ermittler davon aus, dass die drei aus Zwickau das Handbuch eines rechtsextremistischen Norwegers kannten, das im Jahr 2000 veröffentlicht wurde. Darin wird ein "führerloser Widerstand" und die Bildung militanter Zellen empfohlen. Und es wird ausdrücklich auf den berühmten Fall des "Lasermannen" verwiesen.
Der Autor dieses Handbuchs kam aus der rechtsextremen Blood&Honour-Musikszene, zu der auch das NSU-Trio Verbindungen hatte. Fazit der Verfassungsschützer: Die Taten in Schweden könnten eine Art "Blaupause" für die Terrorserie in Deutschland gewesen sein.
Stand: 10.10.2012 07:25 Uhr
