Beate Zschäpe | Bildquelle: dpa

Neues Zschäpe-Gutachten Voll schuldfähig oder psychisch gestört?

Stand: 03.05.2017 18:12 Uhr

Seit Wochen geht es im NSU-Prozess fast nur noch um die Psyche der Hauptangeklagten. Nun legte der Freiburger Psychiater Bauer sein Gutachten vor. Ergebnis: Zschäpe ist psychisch gestört. Ein früheres Gutachten hatte ihr hingegen "volle Schuldfähigkeit" bescheinigt.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist nach Einschätzung eines von ihren Vertrauensanwälten benannten Gutachters vermindert schuldfähig. Der Psychiater Joachim Bauer attestierte der Hauptangeklagten im Münchner NSU-Prozess eine schwere dependente (abhängige) Persönlichkeitsstörung.

Zschäpe sei hochgradig abhängig von ihrem Freund und Komplizen Uwe Böhnhardt gewesen, sagte Bauer vor dem Oberlandesgericht. Er bescheinigte ihr deshalb eine "erheblich beeinträchtigte Steuerungsfähigkeit". Zschäpe habe es daher nicht geschafft, das Trio mit Böhnhardt und Uwe Mundlos zu verlassen - trotz der Verbrechen, die ihre Freunde verübt haben sollen, und trotz körperlicher Misshandlungen durch Böhnhardt.

Julian von Löwis, BR, zum neuen Gutachten im NSU-Prozess
tagesschau 15:00 Uhr, 03.05.2017

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Gegensätzliches Gutachten vorhanden

Zu einem völlig anderen Schluss war der vom Gericht bestellte Sachverständige, der Psychiater Henning Saß, gekommen. Dieser hatte der 42-Jährigen volle Schuldfähigkeit attestiert. Saß hatte unter anderem Zeugen zitiert, laut denen Zschäpe über ein "gesundes Selbstbewusstsein" verfüge und ihre Freunde "im Griff gehabt" habe. Das spreche für "Stärke und Selbstbewusstsein nach außen und gegenüber männlichen Partnern". Der Psychiater Pedro Faustmann, den Zschäpes Alt-Verteidiger benannt hatten, hatte Saß zuletzt Mängel bei der Begutachtung Zschäpes vorgehalten.

Zschäpe berichtet von massiver Gewalt

Joachim Bauer im Gerichtssaal | Bildquelle: AFP
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Zschäpe sei abhängig von Böhnhardt gewesen, sagte Bauer vor Gericht.

Im Gegensatz zu Saß, dem Zschäpe jedes Gespräch verweigerte, durfte Bauer die Angeklagte ausführlich befragen - bei insgesamt sieben Besuchen in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Dabei habe Zschäpe eine geradezu kindlich anmutende Offenheit an den Tag gelegt, so Bauer. Seelisch belastende Themen habe sie dagegen nur ungern mit dem Psychiater besprochen und sich vieles nur aus der Nase ziehen lassen - unter anderem deshalb gehe er davon aus, dass ihre Angaben durchaus glaubwürdig seien.

"Ich denke, dass Frau Zschäpe ihn manipuliert hat"

Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin bezweifelt das. "Ich denke eher, dass Frau Zschäpe ihn ganz gezielt manipuliert hat, zumal der Zeuge Bauer erwähnt, er habe zahlreiche Zeugen weggelassen aus seinem Gutachten."

Tatsächlich hat Gutachter Bauer keinen einzigen Verhandlungstag im NSU-Prozess verfolgt, er stützt sich bei seiner Untersuchung lediglich auf eine kleine Auswahl an Zeugenaussagen, auf Zschäpes schriftliche Einlassungen vor Gericht und unter anderem auch auf die polizeiliche Vernehmung von Zschäpes Mutter - und das obwohl diese jeglicher gerichtlichen Verwertung ihrer Aussagen widersprochen hat.

Vor allem aber stützt Bauer sich auf seine Gespräche mit Zschäpe, die er insgesamt 14 Stunden lang befragte. Sie habe davon berichtet, dass sie häufiger und massiver von Böhnhardt verprügelt wurde als bisher bekannt. Teils habe Böhnhardt, dessen Hang zu Waffen und Gewalt im Prozess mehrfach von Zeugen bestätigt worden ist, sie so schwer geschlagen, dass sie Hämatome davon trug. Einmal habe er auf sie eingetreten, bis sie sich übergeben habe. Dennoch habe sie ständig Angst davor gehabt, von Böhnhardt verlassen zu werden.

Gutachter sagen Mitte Mai erneut aus

Sowohl Bauer als auch Faustmann werden nun Mitte Mai noch einmal vom Gericht befragt. Die bis dahin geplanten Prozesstage entfallen.

Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an den Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) angeklagt. Insgesamt sollen Böhnhardt und Mundlos innerhalb von 14 Jahren zehn Menschen getötet haben. Neun der Opfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende.

Mit Informationen von Thies Marsen, BR

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Mai 2017 um 15:00 Uhr.

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