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21.11.2009

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Akten von NPD-Vize Rieger verschwunden
Nach dem Tod des NPD-Vize

Riegers Immobilienakten verschwunden

Die rechte Szene hat offenbar schnell und geplant auf den Tod des Vize-NPD-Chefs Rieger reagiert. Laut NDR Info sind wichtige Akten aus Riegers Nachlass verschwunden. Die Papiere könnten Auskunft über zahlreiche Immobilien der Rechtsextremisten geben.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Jürgen Rieger (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Erlag Ende Oktober den Folgen eines Schlaganfalls: Jürgen Rieger. ]
Die rechte Szene handelte schnell: Nur wenige Stunden, nachdem Ärzte in Berlin den Hirntod des Hamburger Rechtsextremisten Jürgen Rieger festgestellt hatten, erschienen nach Informationen von NDR Info Szeneaktivisten im Hamburger Nobel-Stadtteil Blankenese, wo der Neonazi wohnte und seine Rechtsanwaltskanzlei hatte.

Die Rechtextremen erhielten offensichtlich Zugang zu Unterlagen in Riegers Haus. Seitdem sind vor allem die Akten der berüchtigten Rieger-Firma namens "Wilhelm Tietjen-Stiftung für Fertilisation" spurlos verschwunden. Nach Informationen von NDR Info befinden sie sich jetzt im Einflussbereich der rechtsextremen Szene. Der Vorgang stellt die Behörden vor überraschende Probleme, denn die in London registrierte Firma war als formale Eigentümerin diverser Rieger- Immobilien in den Grundbüchern eingetragen. Dazu gehören der berüchtigte "Heisenhof" im Landkreis Verden und der "Schützenhof" im thüringischen Pößneck. Außerdem wollte Rieger am 16. Dezember im Namen dieser Firma ein 80-Betten-Hotel in Faßberg im Landkreis Celle ersteigern.

Behörden wollen Kontrolle über Immobilien 

Seit dem Tod des Neonazis versuchen die Behörden, diese Immobilien dem Einfluss der rechten Szene dauerhaft zu entziehen. Die Türen des "Schützenhofes" in Pößneck wurden deshalb am Freitag vergangener Woche versiegelt. Dem "Heisenhof" im Landkreis Verden droht der Abrissbagger, nachdem das Verwaltungsgericht in Stade eine entsprechende Verfügung des Landkreises abgesegnet hatte. Gegen dieses Urteil hatte Rieger Rechtsmittel eingelegt.  

Rechte Demonstranten mit NPD-Flaggen (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Aktivisten der rechtsextremen Szene hatten Zugang zu Riegers Haus. ]
Die Akten gelten als Schlüsseldokument für alle weiteren juristischen Auseinandersetzungen um die Firma. Ohne die Akten der Firma "Tietjen-Stiftung" dürfte es den Behörden außerdem schwer fallen, die verworrenen Eigentumsverhältnisse des verstorbenen Neonazis aufzuklären. Fraglich bleibt vor allem, ob Rieger in diesen Akten zu Lebzeiten einen Bevollmächtigten ernannt hatte, der seine Geschäfte fortführen könnte. Fraglich ist außerdem, ob am Ende Riegers Familie das Vermögen der Firma erben wird oder ob es der britischen Krone zufällt. Die Familie hat keine Bezüge zur rechtsextremen Szene.

Kapital der "Tietjen-Stiftung" ist Altnazi-Erbe

Rieger hatte die Firma "Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd." Im Jahre 2001 in London gegründet. Das Firmenkapital war die Hinterlassenschaft eines Bremer Altnazis, der Rieger als Erben und Testamentsvollstrecker eingesetzt hatte. Unter anderem mit diesem Geld hatte Rieger bundesweit immer wieder seine berüchtigten Immobiliengeschäfte betrieben. Rieger hatte die Firma bewusst im Namen als "Stiftung" bezeichnet, um ihr den Anstrich der gemeinnützigen Tätigkeit zu geben. Tatsächlich handelt es sich um eine konventionelle Firma, die einer deutschen GmbH ähnlich ist.

Stand: 08.11.2009 20:00 Uhr
 

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