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Grippeimpfung

Nach Ärger um Novartis-Produkte

Grünes Licht für Grippeimpfungen

Patienten können sich dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zufolge nach dem Rückruf von zwei Impfstoffen des Pharmaunternehmens Novartis bedenkenlos gegen Grippe impfen lassen. Die von Ausflockungen betroffenen Chargen der Impfstoffe Begripal und Fluad seien von dem Unternehmen aus dem Verkehr gezogen worden, betonte Institutspräsident Klaus Cichutek im ARD-Morgenmagazin. Es bestehe keine Gefahr, dass Patienten mit den betroffenen Seren geimpft würden, die erhebliche Nebenwirkungen auslösen könnten.

Woher die Ausflockungen in den Impfstoffen stammten, sei noch nicht geklärt. Es gebe jedoch die Vermutung, dass diese von dem Antigen eines kursierenden Grippe-Virus herrührten, erläuterte Cichutek, dessen Institut für Medikamentenzulassungen in Deutschland zuständig ist.

Klaus Cichutek (Paul-Ehrlich-Institut) zum Novartis-Auslieferungsstopp
ARD-Morgenmagazin 08:06 Uhr, 26.10.2012

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Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Am Donnerstag waren aus Sicherheitsgründen mehrere Chargen der genannten Impfstoffe wegen möglicher Nebenwirkungen zurückgerufen worden. Kurz nach der Injektion könne es zu Unverträglichkeiten kommen, hieß es zur Begründung. Dies könnten unter anderem allergische Reaktionen sein. Spätere Folgen wurden bisher nicht beschrieben, teilte das PEI mit. Bisher lägen aber keine Meldungen über solche Reaktionen in Deutschland vor.

Fluad und Begripal werden von Novartis Vaccines in Italien produziert und durch das staatliche italienische Kontrolllabor geprüft. Das italienische Gesundheitsministerium hatte am Mittwoch den Verkauf der Präparate Agrippal und Fluad des Pharmakonzerns Novartis mit sofortiger Wirkung verboten, nachdem weiße Partikel in den Spritzen nachgewiesen worden waren. Auch in der Schweiz und in Österreich wurde die Auslieferung der Präparate bereits gestoppt.

Frankreich zog nun nach und stoppte den Verkauf des Präparats Agrippal. Dies sei eine "vorsorgliche Maßnahme", teilten die Behörden mit. Das Mittel werde bis zu einer Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA vom Markt genommen. Verunreinigte Impfdosen seien in Frankreich aber bisher nicht aufgetaucht.

Der Konzern Novartis zeigte sich erneut überzeugt von der Sicherheit seiner Grippeimpfstoffe. Über keine der etwa eine Million Dosen an saisonalen Grippeimpfstoffen in Europa habe es bislang negative Berichte gegeben, teilte der Konzern mit.

Gipfel zur Impfstoffversorgung in der kommenden Woche

Vertreter des PEI, der Krankenkassen und der Pharmahersteller werden sich kommende Woche zu Gesprächen über die Impfstoffversorgung treffen. Das kündigte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums an. Das Ministerium habe das Treffen angeregt.

Ob es einen Impfstoffengpass geben könnte, ließ der Ministeriumssprecher offen. Da die Impfstoffproduktion in diesem Jahr wegen verzögerter Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO später eingesetzt habe, liege die Produktion von Impfstoffen im Moment aber unter jener der Vorjahre.

Vor einer Knappheit an Impfstoffen warnen Ärzte- und Apothekerverbände. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung ist zumindest in Teilen Deutschlands mit Engpässen zu rechnen. KBV-Vorstand Regina Edelmann macht dafür Exklusivverträge von Krankenkassen mit Herstellern verantwortlich. Mit der Bindung an bestimmte Hersteller würden sich manche Kassen Rabatte sichern.

Der Vorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, kritisierte: "Nur um Einsparungen zu erzielen, gefährden die Krankenkassen die Versorgung der Patientinnen und Patienten auf fahrlässige und gefährliche Weise." Nach Angaben des bayerischen Landesapothekenverbandes erhalten viele bayerische Apotheker keinen oder zu wenig Grippeimpfstoff. Die Krankenkassen dort erwarten nun Lieferungen aus dem Ausland, um die Lücken zu schließen. Das Paul-Ehrlich-Institut versuchte hingegen, Befürchtungen vor Engpässen zu bremsen.

Sorgen um Impfbereitschaft

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn zeigte sich besorgt, dass der Novartis-Rückruf der Impfbereitschaft schaden könnte - der Vorgang sei dafür "fatal". "Das muss schnellstens geklärt werden", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Der Vorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, sieht die Rückrufaktion als Folge einer "Rabattschlacht der Kassen um die günstigsten Impfstoffe". Der Chef des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund beklagte einen "schweren Rückschlag für die Präventionsbemühungen in Deutschland". In den vergangenen drei Jahren seien die Impfraten gegen Influenza schon um rund 30 Prozent gesunken.

Stand: 26.10.2012 16:32 Uhr

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