Der nordkoreanische Botschafter Pak Nam Yong (r.) und sein Dolmetscher

Devisen für Nordkorea Das Interview des Herrn Pak

Stand: 25.05.2017 18:01 Uhr

Skurrile Vermietungsgeschäfte und Steuerschulden in Millionenhöhe - bislang schwieg die nordkoreanische Botschaft dazu. Jetzt hat Botschafter Pak NDR, WDR und SZ ein - in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes - Interview gegeben.

Von Gabor Halasz, Georg Mascolo und Kersten Mügge, NDR

Der Einstand für Botschafter Pak Nam Yong in Berlin hätte besser sein können. Ende April war er der erste Diplomat überhaupt, dem der neu gewählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Beglaubigungsschreiben überreichte. Aber das deutsche Staatsoberhaupt gab ihm gleich auch ein paar kritische Worte mit. Er forderte Nordkorea auf, alles zu unterlassen, was die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter anheizen könnte. Wenige Tage später machte die Botschaft selbst mit Vermietungsgeschäften Schlagzeilen, die dem Regime von Kim Jong Un Devisen beschaffen sollen.

Das erste Interview überhaupt

Botschafter Pak Nam Yong entschied sich, die mächtigen grauen Stahltore der Botschaft für Reporter von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zu öffnen. Das Interview sei das erste überhaupt im Leben des Botschafters, erklärt einer seiner Mitarbeiter. Pak Nam Yong gilt als Karrierediplomat  - angeblich mit Zugang zu höchsten Parteikreisen in Pjöngjang. Die Journalisten begrüßt er im dunklen Anzug, mit dunkler Krawatte und einem roten Abzeichen am Revers. Zunächst, so lässt er sich übersetzen, wolle er den Standpunkt des Landes zur Lage auf der koreanischen Halbinsel darlegen.

Pak Nam Yong nimmt seine Brille ab, tauscht sie gegen eine Lesebrille und beginnt, einen Text zu verlesen. Nordkorea, so Pak, sei nur Atommacht geworden, um sich zu verteidigen. Die Sanktionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen bezeichnet er als nicht rechtmäßig. "Trotz der Sanktionen sind wir zu einer Atommacht im Osten geworden und auch in der Wirtschaft und im Leben der Bevölkerung werden große Erfolge erzielt. Die Zeit, in der die USA einseitig Druck ausüben konnten, ist für immer vorbei."

Antworten zum City Hostel?

Die Erklärung dauert eine Viertelstunde. Der Mitarbeiter will das Interview, in dem noch nicht eine Frage gestellt wurde, schon beenden. Dabei sind so viele Fragen noch offen, vor allem zu den Vermietungsgeschäften der Botschaft. Seit dem Jahr 2004 soll die diplomatische Vertretung Nordkoreas Räume an Unternehmer vermietet haben. Diese richteten dort etwa ein Konferenzzentrum und ein Hostel ein. Dessen Betreiber zahlt angeblich monatlich 38.000 Euro an die Botschaft. Experten zufolge sind dies wichtige Einnahmen. Vermutlich fließe ein Teil des Geldes nach Pjöngjang.

Die Geschäfte stehen im Widerspruch zu einer UN-Resolution aus dem November 2016. Vor gut zwei Wochen hatte die Bundesregierung angekündigt, diese Resolution nun durchzusetzen. Auf die naheliegende Frage, ob die Botschaft der Forderung der deutschen Regierung nachkommt, versucht Pak keine Miene zu verziehen. Er antwortet ausweichend: Die Sanktionen seien ungerecht und ungesetzmäßig. Das sei dem Auswärtigen Amt verbal mitgeteilt worden, erklärt der Botschafter. Eine klare Aussage, dass die Botschaft die Geschäfte tatsächlich beendet, ist das nicht.

Hohe Steuerschulden

Außerdem hat die diplomatische Vertretung derzeit Ärger mit dem deutschen Fiskus. Auf die Einnahmen aus den Vermietungsgeschäften zahlte sie jahrelang keine Steuern. Die Schuld bei den Berliner Finanzbehörden soll sich auf zehn Millionen Euro belaufen, heißt es aus Regierungskreisen. Eine Zahl, die der Botschafter mit finsterer Miene zurückweist. Die Reporter sollten doch bei den Finanzämtern nachfragen, wie hoch die Summe wirklich sei.

Den Hinweis auf das deutsche Steuergeheimnis lässt er nicht gelten: "Die Journalisten kann man nicht aufhalten. In einer Hinsicht kann man sogar sagen, dass sie mehr Befugnisse als ein Präsident haben", sagt er. Während sein Dolmetscher übersetzt, lächelt der Botschafter. Dem verleiht er mit dem einzigen englischen Wort des Interviews Nachdruck: "Yes", sagt Pak Nam Yong.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2017 um 08:50 Uhr.

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