Niersbach | Bildquelle: dpa

Nach Rücktritt von DFB-Präsident Niersbach Ein Abgang und viele offene Fragen

Stand: 10.11.2015 07:28 Uhr

Mit seinem Rücktritt hat DFB-Präsident Niersbach für einen weiteren Paukenschlag im deutschen Fußball gesorgt. Doch zentrale Fragen in der Affäre um die WM-Vergabe sind weiter nicht geklärt. Ein neues Dokument gibt möglicherweise wichtige Hinweise. Die soll nun auch Franz Beckenbauer liefern.

"Ich habe mir persönlich nichts vorzuwerfen" - mit diesen Worten hat Wolfgang Niersbach seinen Rücktritt als DFB-Präsident flankiert - und damit ziemlich deutlich gemacht: Weitere Aufklärung ist von ihm nicht zu erwarten. Um die sollen sich jetzt Niersbachs vorläufige Nachfolger - Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball - kümmern.

Dabei rückt immer mehr auch Franz Beckenbauer als Organisationschef der WM 2006 ins Blickfeld. "Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte Interims-Präsident Koch, der gemeinsam mit Ligapräsident Rauball vorläufig die DFB-Geschäfte führen wird. "Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?". Das hatte Koch kurz nach dem Rücktritt Niersbachs gesagt - und die Hoffnung auf eine intensive Aufarbeitung der Affäre geweckt - auch aber die Spekulationen über einen möglichen Stimmenkauf bei der Vergabe der WM 2006 wieder angeheizt.

Spielte Jack Warner eine Rolle?

Weiteres Feuer bekommen diese offenbar durch ein brisantes Schriftstück, dass laut "Süddeutscher Zeitung" bei den internen DFB-Ermittlungen gefunden worden sein sollen. Durch das Dokument gerät der ehemalige Fußball-Spitzenfunktionär Jack Warner nach Informationen der "SZ" in Verdacht, in die Affäre um die WM 2006 verstrickt zu sein.

Warner war ehemals Präsident des nord- und zentralamerikanischen und karibischen Fußballverbandes (CONCACAF) sowie bis 2011 auch Vizepräsident des Weltverbandes FIFA. Warner ist Bürger von Trinidad und Tobago und war im September lebenslang durch die FIFA wegen Korruption gesperrt worden. Die "SZ" berichtet nun, es soll sich bei dem Dokument um einen Vertragsentwurf handeln, der im Jahr der WM-Vergabe 2000 abgeschlossen werden sollte. Die Zeitung beruft sich auf Insider, von denen einer Warner und den CONCACAF als mögliche Begünstigte nennt.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch | Bildquelle: REUTERS
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Die DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch und ...

DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball | Bildquelle: AFP
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... Reinhard Rauball sollen für Aufklärung sorgen.

"Umfangreiche Leistungen des DFB"

Wie das Blatt schreibt, sollen dem Verband "umfangreiche Leistungen des DFB" zugesagt worden sein. Das Exekutivkomitee des Fußballweltverbandes FIFA hatte sich damals mit 12:11 Stimmen für Deutschland und gegen Südafrika entschieden. Wie es in dem Bericht weiter heißt, soll Niersbach mit dem Vorgang im Jahr 2000 nichts zu tun gehabt haben. Er habe erst jetzt davon erfahren. Um den Vertragsentwurf habe sich vor der WM-Vergabe ein anderes Mitglied des Bewerberkomitees gekümmert. Unsicher ist, ob der Vertrag je geschlossen wurde. Angeblich habe der DFB dafür kein Geld gehabt oder ausgeben wollen.

Niersbach hatte gestern nach einer Sitzung des DFB-Präsidiums seinen Rücktritt erklärt. Er zog damit die Konsequenz aus einer dubiosen Millionenzahlung im Zusammenhang mit der WM 2006. In einer Erklärung wies Niersbach, der damals DFB-Generalsekretär und Mitglied des WM-Organisationskomitees war, ein Fehlverhalten seinerseits zurück.

DFB-Präsident Niersbach erklärt Rücktritt
nachtmagazin 00:28 Uhr, 10.11.2015, Jan-Peter Bartels, HR

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Niersbach stand wegen dubioser Geldflüsse im Zusammenhang mit der WM 2006 unter Druck. Dabei geht es um 6,7 Millionen Euro, die das deutsche WM-Organisationskomitee 2005 über den Umweg über den Fußball-Weltverband (FIFA) an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen, aber bewusst falsch deklariert hatte.

Verwendung des Millionentransfers noch unklar

Es handelte sich um eine Rückzahlung an Louis-Dreyfus - wofür die von ihm offenbar geliehenen Millionen verwendet wurden, ist noch unklar. Niersbach hatte erklärt, er habe erst in diesem Sommer von den Millionentransfers erfahren. Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt inzwischen die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Sie hatte in der vergangenen Woche die Geschäftsräume des DFB und unter anderem auch Niersbachs Privatwohnsitz durchsuchen lassen.

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