Wolfgang Niersbach | Bildquelle: dpa

Niersbach äußert sich zur WM-Vergabe "Alles mit rechten Dingen zugegangen"

Stand: 22.10.2015 14:28 Uhr

Das Sommermärchen 2006 muss nach den Worten von DFB-Präsident Niersbach nicht neu geschrieben werden. Auf einer Pressekonferenz bestritt er die Existenz schwarzer Kassen im Vorfeld der WM-Vergabe. Er räumte aber ein, dass Geld geflossen ist - und das über Umwege.

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland ist nach Aussage von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach auf legalem Weg geschehen. "Es ist alles mit rechten Dingen zugegangen", sagte Niersbach bei einer überraschend einberufenen Pressekonferenz in Frankfurt am Main.

Es habe weder schwarze Kassen gegeben noch seien Stimmen gekauft worden. "Wer für uns gestimmt hat, wissen wir nicht", sagte er. "Die Behauptung, wir hätten die WM mit unlauteren Mitteln bekommen, stimmt einfach nicht", sagte Niersbach - um dann einzuräumen, dass doch Geld geflossen ist.

Laut Niersbach kein Stimmenkauf bei WM-Vergabe
tagesschau 17:00 Uhr, 22.10.2015, Natalia Bachmayer, HR

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Zuschuss für WM

Die Wege dieses Geldstroms versuchte Niersbach dann im Anschluss zu erklären: Anfang 2002 habe es ein Treffen in der FIFA-Zentrale in Zürich gegeben, an dem unter anderem Franz Beckenbauer beteiligt gewesen sei. Bei einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Beckenbauer und FIFA-Chef Sepp Blatter sei es dabei um eine "Organisationsunterstützung" der FIFA für die WM gegangen. Blatter habe 250 Millionen Schweizer Franken zugestanden - umgerechnet rund 170 Millionen Euro. Dies sollte mit der FIFA-Finanzkommission "geklärt" werden.

Niersbach fuhr fort, im Gegenzug hätten zehn Millionen Schweizer Franken an die FIFA-Finanzkommission überwiesen werden müssen. Für diese zehn Millionen habe Beckenbauer mit seinem Privatvermögen einstehen wollen. Das habe Beckenbauers damaliger Manager Robert Schwan jedoch abgelehnt und den Kontakt zum damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus hergestellt. Dieser wiederum habe die Zusage gegeben, das Geld an die FIFA-Finanzkommission zu überweisen. Niersbach sagte, wohin das Geld schließlich überwiesen worden sei, wisse er nicht. Warum der DFB zehn Millionen Franken zahlen musste, um 250 Millionen Unterstützung zu erhalten, sagte er auch nicht.

Später habe das deutsche Organisationskomitee der WM dieses Geld über den Umweg eines FIFA-Kontos an den Franzosen zurückgezahlt. "Mir war nicht bewusst, dass hinter dem Etat-Posten Kulturprogramm die Rückzahlung dieses Geldes steckt", erklärte Niersbach.

ARD-Korrespondent: "Zweifel bleiben"

Mit seinen Aussagen bei der Pressekonferenz konnte Niersbach nicht alle Fragen beantworten. Es habe viele Erinnerungslücken gegeben, die Niersbach bei sich und anderen Beteiligten eingestehen musste, sagte ARD-Korrespondent Philipp Sohmer. "Alle Zweifel aus der Welt geschafft hat er damit nicht."

Philipp Sohmer, SWR, zu Niersbachs Ausfklärungsversuch
tagesschau24 14:15 Uhr, 22.10.2015

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"Spiegel"-Bericht sorgte für Aufregung

Niersbach reagierte auf einen "Spiegel"-Bericht, wonach die WM offenbar gekauft gewesen sei. Dem Bewerberkomitee habe eine Schwarze Kasse mit 10,3 Millionen Schweizer Franken (damals 13 Millionen Mark) zur Verfügung gestanden. Zuvor hatte Niersbach in ungeklärten Fragen um die Vergabe der WM 2006 zum ersten Mal auch Druck aus dem eigenen Verband zu spüren. Einige Landesverbände hatten sich nicht ausreichend informiert gefühlt. Dabei geht es vor allem um eine ungeklärte Zahlung in Millionenhöhe.

Am Mittwoch hatten die DFB-Landesverbände nach den Korruptionsvorwürfen um die Vergabe der WM 2006 schnelle Aufklärung von Niersbach verlangt.

Niersbach räumte in der Pressekonferenz eigene Fehler ein. Er hätte seine Kollegen im DFB-Präsidium frühzeitig informieren müssen, sagte er. "Das nehme ich auf meine Kappe." Es seien noch Fragen offen. "Restlose Aufklärung" könne er zum heutigen Zeitpunkt nicht liefern.

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