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Analyse der Daten von Infratest dimap
Wer wählte was warum?
Fast zehn Prozent für die FDP - auf ein solches Ergebnis hätte vor dem Wahlabend sicher kaum jemand gewettet. Hat die FDP damit die Trendwende geschafft? Worauf beruht der Erfolg der Grünen? Und warum können die Piraten den Abwärtstrend nicht stoppen? Eine Analyse auf der Basis der Zahlen von Infratest dimap.
Von Sabine Klein, tagesschau.de, zzt. Hannover
Der Ausgang der Wahl in Niedersachsen ist eine faustdicke Überraschung, und am meisten überrascht das Ergebnis der FDP. Die hat ihren Erfolg vor allem der Tatsache zu verdanken, dass sehr viele Unionswähler taktisch wählten. Das heißt, sie gaben ihre Zweitstimme der FDP, um zu erreichen, dass Schwarz-Gelb mit dem Ministerpräsidenten David McAllister weiter regieren kann. So sagen laut Infratest dimap nur 16 Prozent der Wähler, die ihre Zweitstimme der FDP gaben, dass sie auch mit der Erststimme die Liberalen gewählt haben. 79 Prozent der liberalen Zweistimmen-Wähler gaben dagegen ihre Erststimme der CDU. Ein so massives Stimmensplitting haben die Wahlforscher von Infratest dimap selten zuvor beobachtet.
So kann man mit Fug und Recht sagen, dass die FDP zwar in Niedersachsen dem Schicksal der politischen Bedeutungslosigkeit entkommen ist, insgesamt jedoch ist das Ergebnis für die FDP kein Grund zum Aufatmen. Das wird deutlich, wenn man sich die Kompetenzwerte ansieht, die die Wähler der FDP zumessen: In allen Bereichen verliert sie massiv im Vergleich zur Landtagswahl 2008 und selbst in ihrem Paradebereich Wirtschaft trauen die Wähler der Partei nicht mehr viel zu. Der Erfolg der FDP in Niedersachsen war also eher ein Strohfeuer, denn ein Zeichen für eine Trendwende.
Die CDU ist nicht so stark geworden, wie es im Vorfeld der Landtagswahl erwartet wurde. Ein Grund dafür ist sicherlich das Stimmensplitting ihrer Anhänger zugunsten der FDP.
Überdurchschnittlich viele CDU-Wähler machten ihr Kreuz bei den Christdemokraten wegen des Spitzenkandidaten. Er war für sie bei dieser Wahl wichtiger als die Themen, für die die CDU im Wahlkampf eintrat. McAllister zog 2013 stärker als es 2008 der Spitzenkandidat Christian Wulff getan hatte. Der Spitzenkandidat der SPD, Stephan Weil, war ebenfalls erfolgreicher als vor fünf Jahren Wolfgang Jüttner. Dennoch standen bei den SPD-Wählern die Sachfragen deutlich im Vordergrund. Noch wichtiger waren die Sachthemen für die Wähler der Grünen und der Piraten.
Wie schon bei den Landtagswahlen im vergangenen Jahr ist auch in Niedersachsen zu beobachten, dass Wirtschafts- und Arbeitsmarktfragen den Wählern nicht mehr so wichtig sind wie noch vor fünf oder sechs Jahren. Das liegt daran, dass die Menschen die wirtschaftliche Lage und auch ihre persönliche wirtschaftliche Situation sehr viel positiver bewerten als noch zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts. So befinden fast 70 Prozent der Niedersachsen die wirtschaftliche Lage in ihrem Land für gut. Wichtiger für die Menschen war bei dieser Wahl das Thema Bildungspolitik. Und auch umweltpolitische Fragen halten viele für relevant. Interessant ist, dass die Grünen in einem urkonservativen Politikfeld - der Landwirtschaftspolitik - mit der CDU gleichgezogen haben. Auf die Frage, welche Partei am ehesten in der Lage sei, eine gute Landwirtschaftspolitik zu betreiben, antworteten 34 Prozent mit CDU, für 35 Prozent sind es die Grünen.
Der SPD gelingt es in Niedersachsen in ihrem Paradefeld, der sozialen Gerechtigkeit, zuzulegen, 51 Prozent der Wähler beurteilen die SPD in diesem Bereich als kompetent. Das sind fünf Prozent mehr als im Jahr 2008. Und auch beim wichtigen Bereich Bildungspolitik kann die SPD punkten.
Die SPD gewinnt auch bei jüngeren Wählern und bei den Selbstständigen hinzu. Mit einem Anteil von 42 Prozent bei den niedrig gebildeten Wählern ist die SPD in Niedersachsen die Partei der einfachen Leute. Vor fünf Jahren war die CDU hier noch stärkste Partei. Die Christdemokraten verloren am stärksten bei den Selbstständigen, bei den Jungwählern bis 24 Jahren und bei den über 60-Jährigen. Gleichwohl ist die Gruppe der älteren Wahlberechtigten weiterhin die mit dem höchsten Stimmenanteil für die CDU und die einzige Altersgruppe, in der sie mehr als 40 Prozent erreicht. Die FDP gewinnt überdurchschnittlich bei den über 60-Jährigen, was mit dem bereits erwähnten Stimmensplitting zu tun haben mag. Sie kann aber die Verluste der CDU in dieser Wählergruppe nur zur Hälfte wettmachen. Die Grünen gewinnen in allen Altersgruppen, besonders stark bei jungen Frauen und Akademikern. Die Piraten haben es nicht vermocht, den Abwärtstrend zu stoppen. Viele Wähler haben den Eindruck, dass die Partei keine klaren Positionen vertritt.
Stand: 20.01.2013 22:21 Uhr
