Deutsche und israelische Regierungsvertreter in Berlin | Bildquelle: dpa

Netanyahu in Berlin Warme Worte, viele Differenzen

Stand: 16.02.2016 18:09 Uhr

Berlin hält den Iran für deutlich weniger gefährlich als Jerusalem - das wurde bei den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen einmal mehr deutlich. Allerdings werde es nur normale Beziehungen mit dem Iran geben, wenn dieser Israels Existenzrecht anerkenne, so die Kanzlerin.

Von Dagmar Pepping, ARD-Hauptstadtstudio

Angela Merkel neigt nicht zum Pathos. Das war im Kanzleramt anders. 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel, dazu die sechste Auflage der gemeinsamen Regierungskonsultationen in Berlin: "Das gehört zu den Wundern in der Geschichte - wenn man sich an unsere Vergangenheit erinnert: An die Shoah, die Zeit des Nationalsozialismus", sagte Merkel.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete die "einzigartige Partnerschaft" beider Länder sogar als Hoffnungsschimmer für die gesamte Welt und als eine Freundschaft, die Meinungsverschiedenheiten aushält.

Einige Meinungsverschiedenheiten

Merkel drängte Netanyahu, die Friedensgespräche mit den Palästinensern - die seit Monaten still stehen - wieder aufzunehmen: "Wir kennen die Bedrohung durch den Terrorismus, die Israel auszuhalten hat. Wir glauben auf der anderen Seite, dass wir vorankommen müssen in einem Prozess des friedlichen Zusammenlebens. Der baut unserer Meinung nach am Schluss auf einer Zwei-Staaten-Lösung auf", so die Kanzlerin.

Deutsch-israelische Konsultationen in Berlin
tagesschau 20:00 Uhr, 16.02.2016, Marion von Haaren, ARD Berlin

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Netanyahu allerdings erteilte Verhandlungen mit den Palästinensern unter Vorbedingungen auch bei seinem Besuch im Kanzleramt eine klare Absage. Meinungsverschiedenheiten gibt es auch über das Atomabkommen mit dem Iran, das die Bundesregierung mit ausgehandelt hat. Seinem Land - "der Festung der westlichen Zivilisation im Nahen Osten" - drohe die Vernichtung, sagte der israelische Regierungschef. Wenn Israel nicht bestünde, wäre der ganze westliche Teil des Nahen Ostens schon vom extremen Islamismus überrollt und Millionen weitere Menschen wären auf dem Weg nach Europa, so Netanyahu.

Keine Freundschaft mit Teheran?

Ein israelischer Journalist bat Angela Merkel um eine Erklärung. Wie passe das zusammen: Deutschlands moralisches Vorangehen in der Flüchtlingskrise einerseits und die Annäherung an das Regime in Teheran, das Terror unterstütze und Menschenrechte missachte, andererseits? Deutschland bewerte das Atomabkommen anders als Israel, so die Antwort der Kanzlerin. Die Bundesregierung mache bei allen Gesprächen mit der iranischen Regierung deutlich: "Dass es normale freundschaftliche Beziehungen zum Iran nicht geben kann, solange das Existenzrecht Israels vom Iran nicht anerkannt wird."

Seit der Einigung im Atomstreit hat Deutschland die politischen und wirtschaftlichen Kontakte mit dem Iran intensiviert. Vizekanzler Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier haben das Land bereits besucht. Bundeskanzlerin Merkel versicherte, die Kooperation Deutschlands und Israels sei für die Menschen beider Länder und ganz Europa "von allergrößter Bedeutung". Ihr Gast aus Jerusalem nickte dazu.

Deutschland und Israel: Freunde mit Meinungsverschiedenheiten
D. Pepping, ARD Berlin
16.02.2016 16:16 Uhr

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