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Während die iranische Führung wegen des brutalen Vorgehens gegen Oppositionelle international in der Kritik steht, klatschen deutsche Rechte Beifall für das Mullah-Regime und Präsident Ahmadinedschad. Denn der gilt hier als Held - besonders wegen seiner Feindschaft zu Israel. Zudem sehen die Rechtsextremisten den Iran als Vorbild für ihre eigenen Konzepte.
Von Patrick Gensing, tagesschau.de
Die rechtsextremen NPD und DVU haben den Wahlsieg von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad begeistert gefeiert. Sonst halten sie sich eher von der Außenpolitik fern, doch in Sachen Naher oder Mittlerer Osten melden sich Rechtsextremisten gerne zu Wort. So auch nach der Wiederwahl Ahmadinedschads, die von Manipulationsvorwürfen und Massenprotesten begleitet wird.
"Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl, Herr Präsident!", vermeldete die DVU. Das iranische Volk habe sich für "den bescheiden und selbstlos agierenden Mann aus dem Volk" entschieden, so die Volksunion, die bei der Europawahl auf eine islamfeindliche Kampagne gesetzt hatte.
Die neonazistische NPD erklärte auf ihrer Internetseite die Proteste im Iran zu einem "medialen Angriff auf den iranischen Volksgeist". Ahmadinedschad könne als "wahrer Führer seines Volkes bezeichnet werden". Zensurmaßnahmen im Iran, beispielsweise das Vorgehen gegen "dekadente" und "volkszersetzende" Musik, begrüßte die NPD. Gleichzeitig gerieren sich die Neonazis immer wieder selbst als Opfer von angeblich willkürlicher Zensur in Deutschland, da beispielsweise Musik mit rassistischen und hetzerischen Texten indiziert wird.
Besonders beliebt ist Ahmadinedschad bei Rechtsextremisten wegen seiner Feindschaft zu Israel und seines Einsatzes für Holocaust-Leugner. So hatte der Iran im Jahr 2006 eine sogenannte "Holocaust-Konferenz" organisiert, zu der führende Revisionisten aus dem rechtsextremen Lager eingeladen wurden. Auch bei Auftritten bei den Vereinten Nationen setzte Ahmadinedschad mehrmals voll auf die antisemitische Karte. Zuletzt hatte der iranische Präsident bei einer Antirassismus-Konferenz der UNO mit einer extrem israelfeindlichen Rede für einen Eklat gesorgt.
[Bildunterschrift: Klassische faschistische Führermythen: Adolf Hitler und Benito Mussolini 1938 in Italien ]
Der Hamburger Historiker Volker Weiß, der sich schwerpunktmäßig mit der Theorie und Geschichte der deutschen Rechten beschäftigt, sieht in der rechtsextremen Beschreibung des Islamisten Ahmadinedschad zudem deutlich die klassischen faschistischen Führermythen: Als Kriegsveteran habe Ahmadinedschad stets ein einfaches Leben geführt, westlicher "Dekadenz" und "volkszersetzenden" Einflüssen getrotzt und sich dem Prinzip der "Volksgemeinschaft" verpflichtet gefühlt. Dieses Modell propagieren die Neonazis als Gegenmodell zu den westlichen Gesellschaften. Zudem sind sowohl der Islamismus als auch der Rechtsextremismus von ausgeprägt autoritären Denkmustern geprägt.
Daher gibt es auch in Europa immer wieder punktuelle Kooperationen zwischen Islamisten und Rechtsextremisten. Doch letztendlich reicht das Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" nicht als Basis für eine strukturelle und längerfristig angelegte Zusammenarbeit, wie auch Experten bestätigen. Gegenseitige Vorurteile sowie der Rassismus der Rechtsextremisten stehen im Weg.
Zudem erkennen einige rechtsextreme Strategen, dass sich antiislamische Hetze im Inland und proislamistische Positionen im Ausland nur schwer gemeinsam vermitteln lassen. Daher bemüht sich beispielsweise die DVU nun, den unübersichtlichen Nahostkonflikt und die komplexen Proteste im Iran wieder aus den internen Debatten zu entfernen. In einer Stellungnahme gibt sich ein einflussreicher DVUler auf die krude Frage "Halbmond oder Davidstern?" selbst die Antwort: "Deutschlandflagge".
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