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Niedersachsen
Ärztekammer-Präsident kritisiert Uniklinik
Wurde Führungspersonal an der Göttinger Uniklinik möglicherweise nicht sorgfältig ausgesucht? Nach dem Organspende-Skandal am Universitätsklinikum hat der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, diese Frage aufgeworfen. "Es muss geklärt werden, ob bei der Auswahl von Führungspersonal für die Transplantationsmedizin wirklich gewissenhaft gearbeitet wird", sagte Montgomery der "Passauer Neuen Presse" (Sonnabendausgabe). Die Klinikträger stünden dabei in besonderer Verantwortung, so der Bundesärztekammer-Präsident.
Gegen zwei Mediziner der Uniklinik ermittelt die Göttinger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und wegen möglicher Bestechung.
"Das ist ein starkes Stück"
Mit Blick darauf, dass einer der beiden Ärzte bereits 2005 in Regensburg für Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen verantwortlich gewesen sein soll, sagte Montgomery: "Dass in Göttingen von den Regensburger Vorfällen überhaupt nichts bekannt gewesen sein soll, ist schon ein starkes Stück."
Organspende-Skandal: Neue Details
ndr.de
Wusste die Klinik nichts von der Vorgeschichte des Arztes?
Der Oberarzt soll bereits an der Uniklinik Regensburg, wo der 45-Jährige vor seiner Zeit in Göttingen tätig war, jordanische Patienten verbotenerweise auf eine Warteliste für europäische Transplantations-Patienten gesetzt haben. Der Mann die in Jordanien transplantierte Leber ins Ausland gebracht haben, obwohl sie als Spenderleber für das Klinikum Regensburg gedacht war.
Abteilungsdirektor soll Akten manipuliert haben
Die Universitätsmedizin Göttingen hatte den 45 Jahre alten Abteilungsdirektor der Gastro-Enterologie am Donnerstag bis auf Weiteres freigestellt. Der Magen-Darm-Spezialist soll an den Manipulationen der Akten beteiligt gewesen sein, wodurch der sogenannte MELD-Score der Stiftung Eurotransplant zugunsten einzelner Patienten verändert worden sein soll. Die Arbeitsräume und die Wohnung des Arztes seien bereits durchsucht worden.
Landsleute bevorzugt?
Inzwischen haben sich bei der Göttinger Universitätsmedizin zahlreiche Zeugen gemeldet. Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) am Sonnabend berichtet, soll es bereits in den Neunziger Jahren Ungereimtheiten bei Transplantationen gegeben haben. Schon 1995 sollen Kollegen des zweiten Verdächtigten, des damaligen Leiters der Transplantationschirurgie, Zweifel an der Rechtmäßigkeit der großen Anzahl der Operationen gehabt haben. Der heute 60-Jahre alte Mediziner, von dem sich die Göttinger Klinik Ende 2011 getrennt hat, soll über mehrere Jahre hinweg auffällig vielen italienischen Patienten zu einem neuen Organ verholfen haben. Der Mediziner stammt selbst aus Italien.
Montgomery: Konsequent gegen Straftäter vorgehen
Montgomery forderte, konsequent gegen Straftäter in der Transplantationsmedizin vorzugehen: "Das sind wirklich schwere Delikte", sagte er der Zeitung. "Die Überwachungs- und Kontrollgremien von Deutscher Stiftung Organtransplantation und Bundesärztekammer benötigen mehr Kompetenzen." Sie müssten schon bei geringstem Verdacht aktiv werden können.
Zudem befürchtet Montgomery, dass sich angesichts des Transplantationsskandals weniger Menschen zur Organspende bereit erklären könnten. Schließlich sei der Vertrauensschaden groß. "Es bleibt ein schales Gefühl der Bereicherung und krimineller Machenschaften."
Stand: 28.07.2012 15:51 Uhr
