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29.05.2012

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Nanopartikel: Kleine Teilchen, großes Risiko?
Gefahr von Nanopartikeln oft unklar

Kleine Teilchen, großes Risiko?

Mit dem Auge sind sie nicht zu sehen, die Industrie schreibt ihnen aber fast heilsbringende Wirkung zu: Nanopartikel. Angeblich können diese Chemikalien Ketchup besser fließen lassen, machen Medikamente verträglicher und schützen Textilien vor Bakterien.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) sieht aber Risiken. Die Experten forderten die Bundesregierung in einem Gutachten auf, die Gefahren besser untersuchen zu lassen und notfalls Gesetze und Auflagen nachzubessern.

Risiken unzureichend erforscht

Die Folgen der Mini-Chemikalien für Mensch und Umwelt seien bisher unzureichend untersucht worden, argumentiert das Beratergremium der Bundesregierung in Umweltfragen. Behörden und Verbraucher wüssten oft nicht, was für Nanomaterialien überhaupt verwendet werden. "Das Vorsorgeprinzip muss konsequent auf Nanomaterialien angewendet werden", betonte Christian Calliess, Rechtsexperte des SRU. Stoff- und Produktrecht seien teilweise noch so ausgestaltet, dass erst der Gefahrnachweis staatliche Eingriffe rechtfertige.

Risiken dürften nicht pauschal bewertet werden, betonte die Toxikologin Heidi Foth. "Manche Materialien sind nach heutigem Kenntnisstand unbedenklich, bei anderen besteht ein Risikopotenzial." Bedenken sieht das Beratergremium etwa bei der Nano-Verwendung in Sprays und bei der Herstellung und Weiterverarbeitung von Kohlenstoff-Nanoröhren, die im Verdacht stünden, krebserregend zu sein.

"Abstrakte Besorgnis"

Von einer "abstrakten Besorgnis" gegenüber Nanomaterialien sprach der Verband der chemischen Industrie. Die SRU-Vorschläge zur Anpassung und Verschärfung gesetzlicher Vorschriften, etwa im Chemikalien- und Umweltrecht, halte man für überzogen.

Widerspruch kam vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND): Er warnte vor allem vor "Nano-Silber und forderte von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) ein Verbot in "verbrauchernahen Anwendungen". Das Material könne die Umwelt schädigen und sei gesundheitsgefährdend. Nano-Silber werde als keimtötende Substanz in immer mehr Produkten verwendet, etwa in Lebensmittelverpackungen und Küchenutensilien, in Sportbekleidung, Waschmaschinen, Wandanstrichen und Kosmetika. Der BUND forderte zudem eine "Nano-Datenbank", in der Produkte mit entsprechenden Inhaltsstoffen aufgelistet werden.

"Großes Potenzial"

Umweltminister Röttgen (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Umweltminister Röttgen sieht Deutschland ganz vorne bei der Nanotechnologie (Archivbild) ]
Umweltminister Norbert Röttgen betonte insbesondere das große Potenzial der Mini-Chemikalie. "Wir sind in Deutschland ganz vorne bei der Entwicklung der Nanotechnologie - mit mehr als 900 Betrieben und mehr als 60 000 Arbeitsplätzen." Aber diese Technologie würde nur akzeptiert, "wenn ihre Risiken bekannt und auf ein vertretbares Maß reduziert sind".

Die Nanotechnologie arbeitet mit kleinsten Strukturen. Ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die möglichen Anwendungen reichen von der Energie- und Umwelttechnik über die Informationstechnik bis zur Medizin.

Stand: 01.09.2011 20:55 Uhr
 

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