Nahles  | Bildquelle: dpa

Nahles im Porträt Frohgemut, machtbewusst, gut vernetzt

Stand: 22.04.2018 14:26 Uhr

Andrea Nahles wurde einst als "Gottesgeschenk" für die SPD bezeichnet. Nun hat sie die Parteispitze erreicht. Aus der linken Krawall-Lady wurde mit den Jahren eine Realpolitikerin.

Von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtstudio

Von der krawalligen Jungsozialistin zur staatstragenden GroKo-Befürworterin - aus der SPD-Linken Andrea Nahles ist im Lauf der Jahre eine Realpolitikerin geworden. Die 47-Jährige ist ein politisches Urgestein. Ihre Markenzeichen sind das frohe Gemüt und die manchmal etwas derbe Wortwahl. Nach dem Abschied von den Kabinettskollegen der letzten großen Koalition fühlte sich Nahles so: "Ein bisschen wehmütig und ab morgen kriegen sie in die Fresse."

Das war natürlich lustig gemeint, denn Nahles hat als Arbeitsministerin mit ihren Kollegen von der Union gut zusammengearbeitet. "Der Herr Schäuble und ich - wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Wir sitzen zusammen und kommentieren so die Weltlage."

Nahles und Schulz beim SPD-Parteitag | Bildquelle: dpa
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Ein starker Auftritt: Beim SPD-Parteitag im Januar stellte Nahles den damaligen Vorsitzenden Schulz in den Schatten.

"Bätschi sage ich dazu nur"

Geschätzt wird Nahles für ihren Fleiß, ihre Sachkenntnis und ihre Fähigkeit zum Kompromiss. Und für ihr  Verhandlungsgeschick. In den Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU hat die SPD-Fraktionschefin viel für ihre Partei herausgeholt: "Die SPD wird gebraucht, bätschi, und das wird ganz schön teuer. Bätschi sage ich dazu nur."

Solche Sprüche sorgen dafür, dass Nahles ihr Image als kratzbürstige Linke nicht los wird. Damals bei den Jusos half ihr das auf dem Weg nach oben.

Auch die damaligen SPD-Granden Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping lobten Nahles' Talent: "Ich finde, dass das tatsächlich eine wirkliche Bereicherung für unsere Partei ist, dass diese junge Frau dieses Amt bekleidet. Sie macht das in sehr erfrischender Art und Weise", meinte Lafontaine über die Juso-Chefin. "Die Andrea Nahles ist, wie hat Oskar das mal genannt, fast ein 'Gottesgeschenk'", so Scharping. Spätestens, als sich Nahles an seinem Sturz beteiligte, dürfte Scharping sein Lob bereut haben.

Fleißig und machtbewusst

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und der frühere Parteivorsitzende Franz Müntefering im Bundestag
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Andrea Nahles und der frühere Parteivorsitzende Franz Müntefering im Bundestag

Zehn Jahre später legte sich Nahles, inzwischen Mitglied im SPD-Vorstand und im Präsidium, mit einem weiteren Parteichef an. Franz Müntefering trat zurück, als Nahles überraschend gegen seinen Generalsekretärs-Kandidaten ins Rennen zog und gewann. "Wir haben hier ein SPD-internes Problem mit einigen Leuten, die nicht begriffen haben, dass sie hier nicht mehr bei den Jusos sind, sondern bei den Erwachsenen", kritisierte Johannes Kahrs damals.

Nahles verzichtete erst einmal auf den Posten der Generalsekretärin - und griff ein paar Jahre später dann doch zu, als die SPD 2009 in der Opposition landete. Zu einem Zeitpunkt, als Nahles längst im Bundestag saß und es dort dem eigenen Kanzler Gerhard Schröder wegen der Agenda 2010 schwer machte.

Für Augenrollen sorgte ihre Gesangseinlage im Parlament 2013: "Ich mach mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt." Dass die studierte Germanistin auch seriös sein kann, zeigte sie im Ministeramt, wo sich ihre Bilanz sehen lassen kann. Nahles gilt als fleißig und machtbewusst. Sie hat ein weit verzweigtes Netzwerk, ist gut verdrahtet im linken Lager.

Liebäugeln mit dem Kanzleramt

In der neuen großen Koalition entschied sie sich bewusst gegen einen Ministerposten, um den Erneuerungsprozess der SPD voranzutreiben. Nun hat die Fraktionschefin den Parteivorsitz - und was kommt danach? "Bundeskanzlerin ist auch ein interessanter Job ... das überlege ich mir dann noch mal", sagt sie.

Als Parteivorsitzende und Fraktionschefin hätte Nahles bei der nächsten Wahl auf jeden Fall den ersten Zugriff auf die Spitzenkandidatur. Doch diese Frage stellt sich jetzt noch nicht. Die erste Frau an der Spitze der Sozialdemokraten muss erst einmal dafür sorgen, dass die SPD überhaupt irgendwann wieder vom Kanzleramt träumen kann.

Von krawallig bis staatstragend - Porträt Andrea Nahles
C. Reible, ARD Berlin
21.04.2018 13:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 22. April 2018 um 04:05 Uhr.

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