Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles | Bildquelle: dpa

Nahles führt SPD-Fraktion Zu Höherem berufen?

Stand: 27.09.2017 13:55 Uhr

Für ihre neue Aufgabe als SPD-Fraktionschefin hatte sich Andrea Nahles geschickt in Stellung gebracht. Für die Partei ist sie eine Zukunftsoption - auch weil sie manchmal auf den Tisch haut.

Von Mathias Zahn, ARD-Hauptstadtstudio

Andrea Nahles kann kämpfen. Als vergangene Woche die Fusionspläne für den  Stahlkonzern thyssenkrupp hochkochten, schaltete sie ruckzuck um. Aus der staatstragenden Arbeitsministerin wurde die streitbare Arbeiterführerin. Nahles schrie sich vor wütenden Beschäftigten heiser: "Es geht, verdammte Kacke nochmal, um alles!" - ein klassischer Nahles Satz. Sie kann Volksnähe auf Knopfdruck. Obwohl sie selbst nie am Fließband gestanden hat, sondern immer "nur" Politik gemacht hat, gibt sie überzeugend die Schutzpatronin des kleinen Mannes.

Sie kennt die Sprache der Malocher und kann eben auch Mal so richtig auf den Tisch hauen, wenn es sein muss. Sie kann aber auf Menschen zugehen, Nähe erzeugen, mit einem der typischen, lauten Nahles-Lacher das Eis brechen. Diese Volksnähe und die Kämpferqualitäten a la Gerhard Schröder werden für den Neustart in der SPD gebraucht. Die Partei muss zu ihren Wurzeln und Wählern zurück. Dass sie da liefern kann, ist ein großer Pluspunkt für Nahles.

Bewerbungsrede für Höheres

Kaum jemand kennt die Partei so gut - ist so gut vernetzt. Seit mehr als 30 Jahren lebt sie für die SPD und hat sich in der sozialdemokratischen Männerwelt nach oben gekämpft, hat keinen Respekt vor Alphatieren wie Gerhard Schröder oder Franz Müntefering gezeigt.

Dass Nahles Fraktionsvorsitzende kann, hat sie bereits Anfang September in der letzten Bundestagssitzung vor der Wahl gezeigt. Sie ist zwar nicht die stärkste Rednerin, legte aber dennoch einen starken Auftritt hin. Ohne Manuskript und frei von jeder Koalitionsdisziplin zerriss sie die Sozialpolitik der Union und drückte der Kanzlerin den Stempel "Bremserin" auf. Es war als Bewerbungsrede für Höheres gemeint und wurde in der begeisterten SPD-Fraktion auch genau so empfunden.

So hat sich die bekennende Katholikin aus dem Eifel-Dorf Weiler über die Parteigrenzen Respekt erarbeitet. Nahles schaltete vor vier Jahren schnell um von der lauten Oppositionspolitikerin, die am Rednerpult das Pippi-Langstrumpf-Lied nachkrächzte, hin zur pragmatischen Arbeitsministerin. Dass sie diesen Rollenwechsel so selbstverständlich hinbekam, hatten ihr längst nicht alle in der SPD zugetraut.

Als Ministerin machte sie Gesetze am laufenden Band und das relativ geräuschlos. Sie stimmte sich frühzeitig ab, ging auch auf die Union zu, was ihr dort großen Respekt einbrachte bis hoch zu Fraktionschef Volker Kauder. Nahles war tief drin in allen Themen, überzeugte mit ihrer Sachkenntnis auch die politische Konkurrenz.  

Mutter, Königsmörderin, Taktikerin

Als Mutter einer kleinen Tochter muss sie den Vollzeit-Job Ministerin und ihr Familienleben unter einen Hut bekommen. Für sie ist das mit viel Pendelei zwischen Berlin und der Eifel verbunden. Damit steht Nahles für ein moderneres Frauenbild, das auch die SPD vertritt.

Doch gleichzeitig ist sie ein Beispiel dafür, wie sehr ein Negativ-Image an einem Politiker hängen bleiben kann. Für viele Deutsche ist sie immer noch die radikale, schrill keifende Juso-Vorsitzende, obwohl das schon lange her ist. Wenn Nahles mit Macht etwas will, ist schnell das Bild von der Königsmörderin da, die SPD-Chef Müntefering vom Thron stürzte. Zwölf Jahre ist das mit Müntefering inzwischen her. Nahles hat seitdem viel dazu gelernt, bedauert nach eigenen Worten, was damals passiert ist.

Inhaltlich gilt sie noch immer als Parteilinke, wird aber auch vom konservativen Parteiflügel geschätzt. Denn sie ist eine geschickte Taktikerin. Über Karriereambitionen hat sie in den letzten Monaten nie geredet, weil sie weiß: Wer im Machtspiel zu früh zuckt, hat schon verloren. Nahles hat da etwas mit Angela Merkel gemeinsam. Ein großer Vorteil ist ihr Alter. Sie ist 47 Jahre. Martin Schulz und der bisherige Fraktionschef Thomas Oppermann sind beide Anfang 60. Nahles soll nun als Fraktionschefin den Generationenwechsel glaubwürdig verkörpern.

Absturz einer Volkspartei
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.09.2017, Marion von Haaren, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. September 2017 in einer Sondersendung zur Wahl ab 12:00 Uhr ebenso wie tagesschau24 um 15:30 Uhr in den "Hundert Sekunden".

Darstellung: