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Nachruf auf Peter Struck
"... und dann geh' ich"
Kohls Lieblingssozi und Schröders Mann für alle Fälle. Das alles war Peter Struck, der frühere Verteidigungsminister, der gestern im Alter von 69 Jahren gestorben ist. Ein motorradfahrender und pfeiferauchender Raubauz, der seinen Charme mitunter hinter einer knorrigen Fassade verbarg.
Von Georg Schwarte, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
"Kommt mal her. Wir machen ein Foto jetzt. Mal ran." So klang er gerne mal, der Raubauz mit dem so weichen Herzen, das er gern hinter einer knorrigen Fassade verbarg.
Schröders Mann für alle Fälle
"So. Fragen, noch jemand? Vielen Dank, muss arbeiten", rief er gern den Journalisten zu, wenn der Fraktionschef seine Sicht der Dinge in die Mikrofone verkünden wollte. In Göttingen geboren, seit 1964 Sozialdemokrat, 29 Jahre im Bundestag. Vollprofi haben sie ihn genannt und er war Schröders Mann für alle Fälle. 'Peter, du musst das machen', sagte Kanzler Schröder einst und machte den damaligen Fraktionschef der SPD zum Verteidigungsminister. Auch da hinterließ er Spuren. Und diesen Satz: "Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt." Oft zitiert und bei der Truppe schwer geachtet, der gelernte Jurist, den Herzinfarkte und Schlaganfälle nicht aus der Bahn warfen, der mal stellvertretender Stadtdirektor in Uelzen war.
Nachruf Peter Struck
G. Schwarte, ARD Berlin
19.12.2012 15:31 Uhr
Kohl nannte ihn einst seinen Lieblingssozi. Auf ihn war Verlass, so wie auf seine bisweilen pointierten Kommentare: "Ja, die kann mich mal." Die, da meinte Struck damals die Unionsfraktion. Er war ein Typ, ein Politiker mit Charakter und Charme, den der Motorradfahrer und Pfeifenraucher gelegentlich gekonnt hinter Wortkargheit verbarg: "Ja, nee, hab ich jetzt keinen Bock zu."
"Das Strucksche Gesetz gilt immer"
So klang das, wenn der Vater dreier Kinder, Opa von sechs Enkeln mal nicht reden wollte. Minister, Fraktionschef, Orientierungspunkt für viele Abgeordnete war er, Ratgeber wohl auch: "Hinten anstellen, ordentlich arbeiten, dann kann man auch was werden. Nicht nach vorne gehen und sagen, ich will Minister werden oder Fraktionsvorsitzender. Hinten anstellen, in aller Ruhe arbeiten, das ist der richtige Weg."
Aus ihm ist viel geworden, sogar der Schöpfer eines ungeschriebenen Parlamentsgesetzes: Kein Gesetzentwurf verlässt das Plenum so, wie er von der Regierung hereingereicht wurde. Wer hat's erfunden? Peter Struck! "Das Strucksche Gesetz gilt immer!"
Selbst nach der Wahlniederlage lakonisch, wie immer
Als er 2009 nicht mehr für den Bundestag kandidierte, nach der desaströsen Wahlniederlage den Fraktionsvorsitz abgab, da war ihm anzumerken, dass ein großer Lebensabschnitt zu Ende ging: "Ich hab' den Plenarsaal um 17.05 Uhr verlassen, auf die Uhr geguckt, mich noch einmal umgesehen und gesagt, 'das war's nun, hier kommst du nie wieder rein. Da ist schon ein bisschen Wehmut dabei." Er hat gekämpft, regiert, sogar gesungen als Bluesbrother in einer Band. Und war selbst 2009 nach der Wahlniederlage lakonisch, wie immer: "Da räum' ich mein Büro aus und dann geh' ich."
Heute ist der am 24. Januar 1943 in Göttingen geborene Peter Struck, der zuletzt als Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitete, gestorben.
Peter Struck im Alter von 69 Jahren gestorben
tagesschau 20:00 , 19.12.2012, Norber Carius, ARD Berlin
Stand: 19.12.2012 16:31 Uhr
