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Studie der Bertelsmann-Stiftung

Nachhilfe ist ein Milliardengeschäft

Schon im Grundschulalter bekommen viele Schüler Nachhilfeunterricht.
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Schon im Grundschulalter bekommen viele Schüler Nachhilfeunterricht.

Private Nachhilfe für Schüler - das ist in Deutschland inzwischen ein boomender Markt. Die Autoren einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung schätzen, dass Eltern jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro für den Nachhilfe-Unterricht ihrer Kinder ausgeben. Mehr als eine Million Schüler nehmen demnach regelmäßig Nachhilfestunden - fast jeder achte Schüler. Die Bildungsforscher greifen in ihrer Studie auf Daten der PISA- und IGLU-Vergleiche sowie auf Umfragen deutscher Nachhilfeorganisationen zurück. Weil Nachhilfe Privatsache sei, lägen nur wenige Daten vor - daher seien nur Schätzungen möglich.

Dabei ist die Nachhilfe regional unterschiedlich verbreitet. In Baden-Württemberg nehmen mehr Schüler Nachhilfe-Unterricht als in Mecklenburg-Vorpommern. Bereits in der Grundschule werden die Extrastunden in Anspruch genommen, vor allem am Ende, wenn es um die Empfehlung für die weiterführende Schule geht.

"Eltern sind mit Schulsystem unzufrieden"

Nachhilfe sei im deutschen Bildungssystem längst keine Ausnahme mehr, um kurzfristige schulische Schwächen auszugleichen, so die Bildungsforscher. Sie sei vielmehr zu einer festen, privat finanzierten Größe geworden. Die starke Nachfrage sei ein deutlicher Ausdruck dafür, dass die Eltern mit dem Schulsystem unzufrieden seien. Da sich aber vor allem wohlhabende und höhergebildete Familien den Zusatzunterricht leisten könnten, nehme die Chancenungerechtigkeit im Bildungssystem tendenziell zu.

Im Ausland brauchen Kinder weniger Nachhilfe

Grundschülerin mit ihrem Zeugnis
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Ein gutes Zeugnis, so glauben viele Eltern, erreicht ihr Sprössling nur mit zusätzlichen Privatstunden.

Der Bildungsexperte im Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger, sagte, Ziel eines chancengerechten und guten Schulsystems müsse es sein, Nachhilfe weitestgehend überflüssig zu machen. Dass das möglich sei, zeigten internationale Beispiele wie Finnland, die Niederlande oder Kanada. Dort kämen die Schüler weitgehend ohne Nachhilfe aus.

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mahnte, dass individuelle Förderung eigentlich Aufgabe der Schule sei und nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen dürfe. Die Schulen müssten besser ausgestattet und der Nachhilfesektor unter Schulaufsicht gestellt werden.

Stand: 28.01.2010 16:38 Uhr

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