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Inland
Unesco-Sprachenkarte
Tag der Muttersprache soll kulturelle Vielfalt erhalten
Internationaler Tag der Muttersprache

Verstummt jede zweite Sprache?

Weltweit werden mehr als 6000 Sprachen gesprochen - doch etwa die Hälfte davon ist vom Aussterben bedroht, in Deutschland etwa das Nordfriesische. Der Internationale Tag der Muttersprache will auf die Bedeutung sprachlicher und kultureller Vielfalt aufmerksam machen.

Von Christoph Wöß, BR-Hörfunkstudio Paris

Audio: Sprechen sie friesisch?

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AudioChristoph Wöß, BR-Hörfunkstudio Paris
 21.02.2009 06:52 | 0'04
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10.000 Menschen beherrschen in Deutschland die nordfriesische Sprache - das steht im jüngsten Weltatlas der bedrohten Sprachen, den der australische Linguist Christopher Moseley im Auftrag der Unesco herausgegeben hat: "Das Nordfriesische spielt in Deutschland eine einzigartige Rolle. Es ist ein sehr gutes Beispiel für eine Sprache, die sich abgetrennt hat - nämlich vom Südfriesischen, das in Holland gesprochen wird."

Screenshot der interaktiven Unesco-Sprachenkarte Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Screenshot der interaktiven Unesco-Sprachenkarte ]
An der Nordseeküste habe sich das Nordfriesische dann innerhalb der letzten beiden Jahrhunderte zu einer eigenständigen Sprache entwickelt. "Viele Norddeutsche sprechen es bewusst und versuchen so, die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, in Kiel wird Nordfriesisch sogar an der Uni unterrichtet."

Friesisch für Akademiker

Mit ihrem renommierten Frisistik-Lehrstuhl will die Uni Kiel das Überleben des Nordfriesischen sichern. Denn weil es abgesehen von einem kleinen Streifen nördlich von Husum nur noch auf den Inseln Föhr, Amrum, Sylt, Helgoland und den Halligen gesprochen wird, stufen es die Linguisten als "ernsthaft bedroht" ein. Im Atlas hat Moseley das Nordfriesische mit einem dunklen Orange-Ton markiert - das heißt, um die Sprache steht es so schlecht wie um keine andere der insgesamt 13 Varietäten in Deutschland.

Die Sorben sorgen sich noch um ihre Sprache

Sorbische Trachtengruppe (Foto: dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Sorben bemühen sich sehr um die Erhaltung ihrer Sprache. ]
Selbst das Sorbische in Ostdeutschland beherrschen noch doppelt so viele Menschen, nämlich 20.000. Die einzige slawische Sprache in Deutschland geht zurück auf die Zeit der Völkerwanderung. Dass das Sorbische lediglich als "gefährdet" eingestuft ist und nicht als "ernsthaft bedroht", dazu haben die Menschen in der Lausitz und im Spreewald viel beigetragen. Das Sorbische erfährt viel Unterstützung - die Sorben sind gut organisiert, es gibt Bücher in sorbischer Sprache, Sorbisch wird unterrichtet, und andere Traditionen werden gepflegt.

Jede zweite Sprache vor dem Ende

Das Engagement der Sorben freut Linguisten wie Moseley, der in seinem Atlas zu einem traurigen Befund kommt: Von den 6000 Sprachen auf der Welt ist fast jede zweite vom Aussterben bedroht. Zu allen Zeiten haben Machthaber versucht, mit einer Sprache auch eine Kultur und eine Weltsicht auszumerzen, Kolonialisierung und Kriege trugen dazu bei, dass einige wenige Sprachen immer dominanter geworden sind. Im Internet sind praktisch nur zwölf Weltsprachen vertreten, tausende andere kommen im Netz gar nicht vor.

Ja, mei

Blasmusiker (Foto: dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Blasmusik gehört zu jedem Oktoberfest dazu. (21.09.03) ]
Selbst das Bairische, das - wenn man die Varietäten in Österreich, der Schweiz und Südtirol dazunimmt -, von immerhin 16 Millionen Menschen gesprochen wird, ist im Unesco-Atlas als "unsicher" eingestuft.

Doch die Bayern haben da einen ganz besonderen Schutzmechanismus entwickelt, meint der Sprachwissenschaftler - und lacht: "Deutschland ist ein bisschen wie Frankreich: Es gibt große Diversitäten, und hier wie dort treffen wir eine Art inneren Nationalismus an. So behaupten zum Beispiel viele Menschen, die bayerisch sprechen, dass ihre Sprache etwas Besonderes sei und viel näher an jener Art Deutsch, die in Österreich gesprochen wird. Deshalb ist das Bayerische auch nicht so stark gefährdet. Im Gegenteil: Dieser Stolz zeigt, dass das Bayerische bei ganz guter Gesundheit ist. Das macht uns nicht wirklich Sorgen."

Stand: 21.02.2009 05:35 Uhr
 

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