Zentralmoschee in Köln | Bildquelle: dpa

Daten des Innenministeriums Hunderte islamfeindliche Angriffe

Stand: 03.03.2018 10:54 Uhr

Drohbriefe, Nazi-Schmierereien und Angriffe auf Frauen mit Kopftuch: Erstmals haben Behörden islamfeindliche Straftaten ausgewertet. Mindestens 950 Straftaten wurden im vergangenen Jahr registriert.

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland mindestens 950 Angriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen. Dies geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor. Die "Neue Osnabrücker Zeitung" hat daraus zitiert.

Bei den Angriffen wurden demnach 33 Menschen verletzt. Die Behörden registrierten allein knapp 60 Anschläge, Schmierereien und Schändungen, die Moscheen oder sonstigen islamischen Einrichtungen galten. In fast allen Fällen seien die Täter Rechtsextreme gewesen.

Rückgang im vierten Quartal

Zum Jahresende entspannte sich die Lage etwas. Im vierten Quartal wurden 167 Vorfälle registriert. Dies war deutlich weniger als noch im dritten Quartal mit 288 Vorfällen. Vergleichszahlen zu Vorjahren gibt es nicht: Die Behörden werten Daten islamfeindlicher Straftaten erst seit Jahresbeginn 2017 aus.

Die Innenexpertin der Linken im Bundestag, Ulla Jelpke, befürchtet mit Blick auf die AfD, dass sich eine muslimfeindliche Stimmung in Deutschland verfestige: "Die Islamhasser haben inzwischen den Sprung von der Straße in den Bundestag geschafft und tragen von der Parlamentstribüne zur Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas gegenüber muslimischem Leben in Deutschland bei."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek | Bildquelle: dpa
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Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, geht davon aus, dass nicht alle Delikte erfasst werden.

Mazyek sieht "großes Dunkelfeld"

Zu den erfassten Straftaten zählen Hetze gegen Muslime im Netz, Drohbriefe, Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen oder auf muslimische Männer auf der Straße, aber auch Sachbeschädigung und Nazi-Schmierereien an Häusern und Moscheen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, geht davon aus, dass die Statistik nicht alle Delikte erfasst und so die Wirklichkeit nur in Teilen abgebildet wird. Mazyek sprach gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von einem "großen Dunkelfeld". Polizei und Staatsanwaltschaften seien oft "noch nicht dafür sensibilisiert", weswegen viele Fälle in der Statistik nicht auftauchten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. März 2018 um 10:45 Uhr.

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