Feuerwehrleute stehen in der Innenstadt von Münster.  | Bildquelle: dpa

Nach Auto-Attacke in Münster Polizei entdeckt Schreiben des Täters

Stand: 08.04.2018 18:06 Uhr

Der Amokfahrer von Münster verfasste vor der Tat eine Art Lebensbeichte, die er an Bekannte versandte. Zudem hinterließ er ein 18-seitiges Schreiben, das die Ermittler als Andeutung eines Suizides werten.

Von Georg Mascolo, NDR/WDR und Katja Riedel, WDR

Nach der Amokfahrt mit drei Toten in Münster bleibt das Tatmotiv immer noch unklar. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um die Einzeltat eines womöglich psychisch labilen Mannes, der in Münster lebte und aus dem Sauerland stammte. Der 48-jährige Designer Jens R. verfolgte nach den Erkenntnissen der Ermittler kein politisches Motiv und hatte auch keinen islamistischen Hintergrund. Er lebte offenbar in stabilen finanziellen Verhältnissen.

Brief an Bekannte

Schon deutlich vor der Tat - am 29. März - hatte der Mann nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" eine Art Lebensbeichte und auch einen fünfseitigen Brief per Mail an Bekannte verschickt, in dem er aufarbeitete, was in seinem Leben schiefgelaufen sei und wer daran Schuld trage.

Am Samstag um 15.27 Uhr hatte der Mann einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum Münsters in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gesteuert. Dabei starben eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und ein 65-jähriger Mann aus dem Kreis Borken, mehr als 20 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Derzeit werden noch vier Schwerstverletzte behandelt. Der Fahrer des Campingbusses erschoss sich unmittelbar danach.

Jens R. galt als vermögend, hatte sich sein Geld durch den Verkauf eines Lampendesigns erworben. Er besitzt drei Wohnungen, zwei in Ostdeutschland, eine in Münster. Die Polizei hat alle drei durchsucht, in keiner der Wohnungen fanden sie jedoch einen Hinweis auf ein mögliches politisches Motiv.

Ermittlungen nach Todesfahrt in Münster
tagesschau 20:00 Uhr, 08.04.2018, Caroline Imlau, WDR

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Schreiben als Ankündigung des Suizids?

In einer Wohnung im sächsischen Pirna entdeckte die Polizei ein bereits älteres, 18-seitiges Schreiben, das in Ermittlerkreisen im Nachhinein als klassische Ankündigung eines Suizids gelesen wird. In dem Schreiben verarbeitet er detailliert Kindheitserlebnisse und frühe, von ihm als demütigend empfundene Erfahrungen, die er dafür verantwortlich macht, dass er schwerwiegende Probleme hatte.

So berichtet R. von gravierenden Problemen mit seinen Eltern, von Schuldkomplexen, nervlicher Zerrüttung und wiederkehrenden psychischen Zusammenbrüchen und frühen Suizidgedanken. Er beschreibt auch Aggressionsausbrüche und Verhaltensstörungen. Eine besondere Rolle spielt in dem Schreiben eine womöglich verpfuschte Operation.

Dem Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt war er schon länger bekannt. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ war R. in der Vergangenheit bei Polizeieinsätzen als psychisch krank aufgefallen. Es wurden auch Verfahren gegen ihn geführt: In Münster in den Jahren 2015 und 2016 drei, bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg ein Verfahren, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin von Münster, Elke Adomeit. Dabei sei es um eine Bedrohung, eine Sachbeschädigung, eine Unfallflucht sowie um einen Betrug gegangen. "Alle Verfahren sind eingestellt worden", betonte Adomeit.

Über dieses Thema berichtete WDR 2 am 08. April 2018 um 06:00 Uhr und die Tagesschau um 13:15 Uhr.

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