Polizisten stehen in München im Hauptbahnhof. Nach den akuten Terrorwarnungen der Silvesternacht in München ist die Gefahr nach Angaben der Polizei noch nicht komplett gebannt.  | Bildquelle: dpa

Nach Terrorwarnung in München "Gefährdung wie vor dem Alarm"

Stand: 01.01.2016 12:58 Uhr

Münchens Polizei hat die nächtliche Sperrung von zwei Bahnhöfen verteidigt - dies sei wegen der Warnungen notwendig gewesen. Heute sieht sie für die Stadt aber eine verringerte Bedrohung. Rätselhaft bleiben die angeblichen potenziellen Attentäter aus den Reihen des IS.

Nach den akuten Terrorwarnungen der Silvesternacht sieht Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä die Gefährdungslage laut eigenen Worten jetzt auf dem Stand von vor dem Alarm. Er verteidigte diesen am späten Vormittag auf einer Pressekonferenz - auch wenn sich die Hinweise auf mögliche Attentäter bislang nicht verdichtet hätten. Es sei kein Fehlalarm gewesen, betonte Andrä. Man habe bei der kurzfristigen eingetroffenen sehr konkreten und detaillierten Warnung nicht anders handeln können.

"Keinerlei Erkenntnisse" zu möglichen Verdächtigen

Vor der Terrorwarnung habe die Polizei aus dem Ausland geheimdienstliche Hinweise auf fünf bis sieben Verdächtige erhalten. Zu etwa der Hälfte dieser Gruppe seien der Polizei auch Personalien übermittelt worden. Es solle sich um Iraker und Syrer handeln.

Die Ermittlungen hätten allerdings bislang "keinerlei Erkenntnisse" zu den Personen gebracht: "Ob es die Personen tatsächlich gibt, wissen wir nicht." Die Namen habe man weder in München noch sonst irgendwo lokalisieren können. Die Abklärungen liefen noch.

Entwarnung in München
tagesschau 18:20 Uhr, 01.01.2016, Anna Tillack, BR

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Laut Bayerischem Rundfunk hielten sich die Verdächtigen zu Silvester in der Stadt auf. Geplant war demnach, dass sie sich zu zweit an die Anschlagsorte begeben, um sich kurz hintereinander in die Luft zu sprengen. Andrä sagte, er habe dazu keine Erkenntnisse.

Laut Andrä zeigt die Polizei weiterhin verstärkte Präsenz auf den Straßen. Etwa 100 zusätzliche Polizisten seien im Einsatz. Dies geschehe auch, um dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger gerecht zu werden. In der Nacht seien etwa 550 Beamte im Einsatz gewesen. Andrä lobte deren "geniale" Einsatzbereitschaft.

Herrmann sprach von IS-Verbindungen

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte, die Lage habe sich "etwas entspannt": "Wir haben in etwa wieder die Lage wie zuvor."

Herrmann hatte in der Nacht gesagt, laut den Hinweisen habe die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Anschläge in München geplant. Darüber habe das Bundeskriminalamt am Silvesterabend die Bundespolizei informiert. Der Hinweis habe sich "ganz konkret auf eine Tatausführung um Mitternacht" bezogen, und zwar "am Münchner Hauptbahnhof und/oder am Bahnhof Pasing".

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Warnung sei ursprünglich vom französischen Geheimdienst gekommen. Laut Informationen des Bayerischen Rundfunk hatte es zuvor schon eine Warnung eines US-Geheimdienstes gegeben.

"Umsichtig, besonnen und entschlossen gehandelt"

Wegen der Terrorwarnung war die Bevölkerung in der Nacht aufgerufen worden, größere Gruppen zu meiden. Der Hauptbahnhof und der Bahnhof Pasing wurden stundenlang gesperrt. S- und U-Bahnen fuhren ohne Halt durch. Am frühen Morgen wurden die Bahnhöfe wieder freigegeben.

Herrmann verteidigte die nächtlichen Maßnahmen: "Ich habe diese Entscheidung für richtig gehalten, weil ich der Meinung bin, dass wir hier angesichts solcher konkreter Drohungen, konkreter Orte, konkreter Zeit nicht unnötige Risiken eingehen können." Die Einschätzung der Gefährdung sei vergleichbar gewesen mit der in Hannover, wo vor wenigen Wochen ein Fußball-Länderspiel abgesagt worden war.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière lobte, die bayerischen Behörden hätten mit Unterstützung der Bundespolizei "umsichtig, besonnen und entschlossen gehandelt". Gestern beim Bund eingegangene Hinweise seien von den bayerischen Behörden und dem Bundeskriminalamt bewertet worden. Der CDU-Politiker Maizière betonte: "Die Lage in Europa und auch in Deutschland bleibt im neuen Jahr ernst." Die Sicherheitsbehörden gingen weiterhin von einer hohen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus aus.

Alf Meier, BR, zur Sicherheitslage in München
tagesschau24 17:00 Uhr, 01.01.2016

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