Blumen sind mit einem Absperrband der Polizei an einem Baum in Freiburg befestigt (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Mordfall in Freiburg "Eklatantes Versagen" in Athen?

Stand: 15.12.2016 17:00 Uhr

Hussein K. wird verdächtigt, eine Studentin in Freiburg ermordet zu haben. Er wurde schon seit 2015 in Griechenland mit Haftbefehl gesucht. Davon wussten die deutschen Behörden aber nichts, weshalb es nun scharfe Kritik an den griechischen Behörden gibt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat Kritik an der Arbeit der griechischen Sicherheitsbehörden geübt. Hintergrund ist der Mord an einer Freiburger Studentin, der mutmaßlich von einem Flüchtling aus Afghanistan begangen wurde, der bereits in Griechenland straffällig geworden war. Von dessen Verurteilung und der Tatsache, dass er dort erneut von der Polizei gesucht wurde, wussten die deutschen Behörden aber nichts. "Das ist ein sehr ärgerlicher Vorgang", sagte de Maizière. "Wir werden das sicher auch mit der griechischen Seiten zu besprechen haben."

Frau über eine Klippe gestoßen

Der Fall wirft tatsächlich eine ganze Reihe von Fragen auf: Es geht um Hussein K. Er wird verdächtigt, im Oktober dieses Jahres eine Studentin in Freiburg vergewaltigt und ermordet zu haben. Aufgrund des Abgleichs von Fingerabdrücken ist inzwischen belegt, dass Hussein K. im Februar 2014 in Griechenland bereits wegen eines versuchten Tötungsdelikts zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt worden war. Er hatte dort eine Frau beraubt und anschließend über eine Klippe gestoßen. Die Frau überlebte schwer verletzt.

Mordfall in Freiburg zeigt schlechte Vernetzung in Europa auf
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.12.2016, Julia Krittian, ARD Berlin

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Gute Führung und umstrittenes Gesetz

Doch statt die zehn Jahre absitzen zu müssen wurde Hussein K. Ende Oktober 2015 auf Bewährung freigelassen. Hintergrund war - neben guter Führung - ein umstrittenes Gesetz, das wegen der Überbelegung griechischer Gefängnisse die Entlassung Strafgefangener ermöglichte. Hussein K erhielt die Auflage, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden. Doch zwei Monate nach der Freilassung verlor die griechische Polizei seine Spur. Ende 2015 hatte er sich dann in Deutschland als Asylbewerber registrieren lassen - als Unbegleiteter Minderjähriger Ausländer.

Fahndung nur national - nicht international

Thomas de Maizière | Bildquelle: dpa
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Innenminister de Maizière kritisierte das Vorgehen der griechischen Behörden.

Nach Angaben von de Maizière hatten die griechischen Behörden Hussein K. nach seinem Verstoß gegen die Meldeauflagen nur national zur Fahndung ausgeschrieben - nicht aber international. Hätten sie dies getan, wäre Hussein K. bei Kontrollen durch deutsche Sicherheitsbehörden "in verschiedenen Stufen" aufgefallen. Dessen Asylverfahren wäre "anders gelaufen, auf einer ganz anderen Rechtsgrundlage und hätte vermutlich zu einem anderen Rechtsergebnis geführt , so de Maizière. "Das ist das Bittere an dem Fall".

Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kritisierte die griechischen Behörden scharf. Es handle sich um ein "eklatantes Versagen", sagte BDK-Chef André Schulz der "Bild"-Zeitung. Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka sagte, sollte sich der Sachverhalt so bestätigen, "stellt sich vor allem die Frage, wieso ein verurteilter schwerer Gewalttäter bereits nach so kurzer Zeit aus der Haft entlassen wird und dann auch noch das Land verlassen kann".

"Legitim und völlig gesetzeskonform"

Den Vorwürfe Hussein K. fahrlässig aus der Haft entlassen zu haben, lässt die griechische Seite nicht gelten. "Die Freilassung war legitim und völlig gesetzeskonform", sagte der Generalsekretär des griechischen Justizministeriums, Eftyxis Fytrakis. Das Betragen des Mannes während der Haft sei exzellent gewesen. "Er besuchte die Schule in der 6. und 7. Klasse, leistete 581 Tage freiwillige Arbeit ab."

Hussein K. vermutlich gar kein Jugendlicher

Unklar ist auch, ob es sich bei Hussein K. tatsächlich - wie bislang angenommen - um einen Jugendlichen handelt. Bei seiner Registrierung in Deutschland wurde er als 17-Jähriger eingestuft. Nach Angaben aus griechischen Ermittlerkreisen wurde sein Alter aber bereits 2013 bei seiner Registrierung in Griechenland auf 16 oder 17 Jahre geschätzt. Er wäre demnach heute auf alle Fälle über 18. Das Alter kann entscheidend sein für die Strafhöhe. Als Erwachsener wäre er in Freiburg vermutlich auch nicht in einer Pflegefamilie untergebracht worden.

Diese Angaben würden nun geprüft, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg. Ein Gutachten soll das Alter des Verdächtigen klären. Eindeutige Dokumente hatte Hussein K. bei seiner Einreise nach Deutschland laut Behörden nicht vorlegen können. Seit seiner Festnahme schweige er.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2016 um 15:00 Uhr.

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