Finger tippen auf einem Handy. | Bildquelle: picture alliance / Hauke-Christi

Mobiles Surfen Fast überall billiger als in Deutschland

Stand: 01.12.2017 05:02 Uhr

Eine neue Vergleichsstudie zeigt: In vielen EU-Ländern ist mobiles Datenvolumen deutlich günstiger als in Deutschland. Nach Ansicht von Experten gibt es hierzulande zu wenige Anbieter. Immerhin: Die Preise sinken.

Von David Zajonz, WDR-Wirtschaftsredaktion

Unterwegs surfen ist für die meisten Smartphone-Nutzer inzwischen so selbstverständlich wie das heimische WLAN. Unbeschwert können Kunden in Deutschland ihr Handy dabei aber nicht nutzen: Denn die meisten Tarife bieten nur wenige Gigabyte im Monat. Ist das Datenvolumen aufgebraucht, wird die Geschwindigkeit gedrosselt.

Zehn EU-Länder mit unbegrenztem Datenvolumen

In vielen anderen europäischen Ländern ist das anders. Das zeigt eine neue Studie des finnischen Beratungsunternehmens Rewheel. In zehn EU-Ländern gibt es demnach Smartphone-Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen für 30 Euro oder weniger. In drei weiteren Ländern (Großbritannien, Schweden und Frankreich) bekommt man für diesen Preis 100 Gigabyte (GB) Datenvolumen pro Monat. Zum Vergleich: Das einzige deutsche Angebot mit unbegrenzter Flatrate kostet bei der Telekom 199,95 Euro.

Wenig Wettbewerb in Deutschland

Warum sind die Preise in Deutschland so hoch? Torsten Gerpott, Telekommunikationsexperte an der Universität Duisburg-Essen, hat eine Erklärung: zu wenig Wettbewerb. Mit Telekom, Vodafone und O2 gibt es in Deutschland nur drei Netzbetreiber. Dazu kommen einige wenige Anbieter ohne eigenes Netz, so Gerpott: "Wenn ich eine kleine Anbieterzahl habe, dann tun sich die Firmen nicht so sehr gegenseitig weh. Es gibt keine Newcomer, die wie wild Marktanteile gewinnen wollen."

Die Netzbetreiber haben andere Erklärungen: Ein Telekom-Sprecher teilt mit, die Preise seien unter anderem "abhängig von der Landesgröße und topografischen Gegebenheiten". Außerdem hätten die deutschen Netzbetreiber besonders viel für die Mobilfunkfrequenzen (zum Beispiel UMTS) bezahlen müssen.

Das will Gerpott nicht gelten lassen: "Diese Besiedlungsunterschiede können sicherlich nicht als Ausrede für die hohen Preise in Deutschland dienen. Und die Ausgaben für die UMTS-Frequenzen sind längst abgeschrieben". Diese Argumente seien nur Versuche zu vernebeln, wie profitabel das Mobilfunkgeschäft für die Netzbetreiber sei, sagt Gerpott.

Flatrate nur für Partnerdienste

Statt unbegrenzte Flatrates anzubieten, setzen Telekom und Vodafone auf Dienste wie "Stream On" oder "Vodafone-Pass". Diese Angebote erlauben unbegrenztes Surfen bei Partnerdiensten, beispielsweise bei bestimmten Streaming-Plattformen.

Kritiker befürchten, dass Handynutzer dadurch überwiegend die Seiten großer Partnerdienste nutzen - eine Gefahr für das freie Internet und schlecht für alternative Dienste. Denn auf allen anderen Seiten dürfen Smartphone-Nutzer weiter nur wenige Gigabyte pro Monat verbrauchen. O2 bezeichnet sein neues "O2 Free"-Angebot zwar als Flatrate, drosselt aber nach Verbrauch des Datenvolumens auf eine Surfgeschwindigkeit von 1 Mbit/s.

Preisbrecher Drillisch

Tatsächlich ist in den deutschen Markt zuletzt Bewegung gekommen. Noch vor einem Jahr lag das beste Angebot für unter 30 Euro bei 6 Gigabyte. Inzwischen sind es 15 Gigabyte - fast dreimal so viel. Dass es solche Angebote gibt, liegt an Drillisch. Das Unternehmen mischt mit Marken wie Simply, Smartmobil oder WinSim den Markt auf.

Möglich ist das durch eine Vorgabe der EU-Kommission. Als O2 vor einigen Jahren den Wettbewerber E-Plus kaufen wollte, erlaubte die Kommission die Übernahme nur unter einer Bedingung: O2 sollte Teile seiner Netzkapazitäten relativ günstig an einen Wettbewerber ohne eigenes Netz abgeben. Drillisch bekam den Zuschlag und gibt seitdem den Preisbrecher, zumindest bei den relativ kleinen Datenpaketen.

Kunden sind träge

Der Haken für Smartphone-Nutzer: Die Drillisch-Marken nutzen vor allem das Netz von O2. Dieses schneidet bei Vergleichstests regelmäßig am schlechtesten ab.

Hinzu komme die Trägheit der Kunden, argumentiert Telekommunikationsexperte Gerpott: "Die Masse der Kunden ist bei den drei Netzbetreibern. Und die Kunden sind nicht geneigt, permanent ihre SIM-Karten zu wechseln." Für Kunden, die günstig einige Gigabyte mehr im Monat haben wollen, kann sich ein Wechsel lohnen. Wer wirklich unbegrenzt surfen will, muss in Deutschland aber weiter tief in die Tasche greifen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 01. Dezember 2017 um 16:30 Uhr.

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