Bewaffnete Polizisten gehen in Potsdam über den Weihnachtsmarkt in der Brandenburger Straße. | Bildquelle: dpa

Nach Berlin-Anschlag Polizei dementiert Gewalt-Vorwürfe

Stand: 30.12.2016 20:07 Uhr

Die Berliner Polizei hat Vorwürfe zurückgewiesen, den vorübergehend Verdächtigen nach seiner Festnahme misshandelt zu haben. Inzwischen hat der Mann bestätigt, dass ihm nichts getan wurde. "The Guardian" hatte von Schlägen gegen ihn berichtet.

Die Berliner Polizei hat Vorwürfe zurückgewiesen, dem nach dem Berlin-Attentat festgenommenen Pakistaner Gewalt angetan zu haben. Dies sei "falsch und ohne Substanz", sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel im Gespräch mit tagesschau.de. "Dieser Person ist an keiner Stelle bei der Polizei Berlin Schaden zugefügt worden."

"Weder geschlagen noch schlecht behandelt"

Nach den Vorwürfen in der britischen Zeitung "The Guardian" habe die Polizei Berlin erneut Kontakt mit dem Mann aufgenommen, um die Sache aufzuklären. Der Mann habe der Polizei inzwischen "persönlich" gesagt, er sei von Beamten "weder geschlagen noch schlecht behandelt worden. Das schrieb die Polizei Berlin auf Twitter.

Polizei Berlin @polizeiberlin
Nach Interview des @guardian sagte uns Herr B. persönlich: "Ich wurde bei der @polizeiberlin weder geschlagen noch schlecht behandelt." ^yt

Vielmehr habe sich der Mann dankbar für die Unterstützung gezeigt. Die Berliner Polizei habe sich nach der Entlassung um eine neue Unterkunft für den Mann gekümmert, ihm Kleidung organisiert und ihm alle seine Sachen ausgehändigt.

Es habe keine Probleme gegeben. Zudem sei vereinbart worden, er könne jederzeit anrufen, wenn er sich bedroht sehen sollte. Auch der Vorwurf, dass es bei der Vernehmung sprachliche Schwierigkeiten durch die Übersetzung gegeben habe, seien falsch.

"Guardian"-Journalistin bleibt bei Darstellung

Die "Guardian"-Journalistin Kate Connolly, die das Interview geführt hatte, blieb bei ihrer Darstellung. Sie habe am Freitag über einen Übersetzer erneut mit dem Pakistaner gesprochen, schrieb sie bei Twitter. Dabei habe der Pakistaner gesagt, die Polizei sei zu ihm gekommen, er habe ihnen aber "nicht die Worte gesagt, die in seinen Mund gelegt" worden seien.

Der "Guardian" stehe zu dem Bericht. "Es war ein Interview, das drei Stunden dauerte und von dem ich eine Aufnahme habe", fügte Connolly hinzu. Ihr Bericht war mit einem Foto des Pakistaners und seinem vollen Namen erschienen.

Der "Guardian" hatte den Pakistaner zitiert, er sei von Polizisten misshandelt worden. "Er erinnert sich daran, dass zwei Polizisten die Hacken ihrer Schuhe in seine Füße gruben, und dass einer mit einer Hand großen Druck auf seinen Nacken ausgeübt hat", heißt es in dem Artikel. Als er sich später gegen Fotos und Entkleidung gewehrt habe, hätten sie ihn geschlagen.

"Berichterstattung tut uns weh"

Für Polizeisprecher Wenzel sind diese Darstellungen nicht nachvollziehbar: "Diese Berichterstattung tut uns weh." Das Interview, dass der Mann nach eigenen Angaben dem "Guardian" gegeben habe, sei hingegen von einem Dolmetscher übersetzt worden, der weder gut Englisch noch die Muttersprache des Mannes aus Pakistan spreche, so Wenzel.

Er gehe davon aus, dass es so zu Übersetzungsproblemen gekommen sei.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Dezember 2016 um 15:22 Uhr

Darstellung: