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Bericht zur Missbrauchshotline
Erschütternde Erkenntnisse über katholische Priester
Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat sich erschüttert über den Abschlussbericht zur Telefonhotline für Opfer von sexuellem Missbrauch gezeigt.
"Vertrauen auf schändliche Weise missbraucht"
Katholische Priester hätten ihre sexuellen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche genau geplant. Das sei eines der "erschütternden Ergebnisse", die die Auswertung der Gespräche bei der Hotline für Missbrauchsopfer erbracht habe, sagte Ackermann. Jene Priester und Diakone hätten "sich das Vertrauen von Kindern erschlichen und diese dann auf schändliche Weise missbraucht" - in der Kirche, in Heimen und in Internaten.
Nach den Gesprächen mit Opfern, die meist über Vorfälle aus dem Zeitraum zwischen 1950 und 1980 berichteten, habe es keine Hinweise auf "zufalls- oder überfallartige Taten" gegeben, so der Bischof. Die Beschuldigten hätten häufig systematisch die psychische Wirkung von Riten wie der Beichte oder dem Gebet ausgenutzt. "Besonders erschüttert hat mich, dass die Täter den Minderjährigen vortäuschten, ihre Handlungen seien ein Ausdruck liebender Verbundenheit mit Gott", sagte Ackermann.
Katholische Kirche zieht Bilanz der Telefonhotline
tagesthemen 22:15 Uhr, 17.01.2013, Juri Sonnenholzner, SWR
Zwischen März 2010 und Ende 2012 wurden über die Hotline der katholischen Kirche 8465 Gespräche geführt. Mehr als 60 Prozent der Nutzer gaben an, selbst Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke nannte diese Zahl im ARD-Morgenmagazin erschreckend.
Die Hotline war zum Jahresende 2012 eingestellt worden. Zweimal war ihre Laufzeit verlängert worden, zuletzt habe es aber kaum mehr Anrufe gegeben. Die sinkende Nutzung des Angebots habe seit längerem keine Aufrechterhaltung des mehr gerechtfertigt, verteidigte Ackermann den Schritt.
Weiter um Aufklärung bemüht
Zugleich versicherte er, dass die Bischofskonferenz sich weiter um "eine gründliche und transparente Aufarbeitung" der Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche bemühen werde. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen wollte er jedoch keinen neuen Zeitplan nennen.
Die katholische Kirche hatte das Institut unter der Leitung des Wissenschaftlers Christian Pfeiffer mit der Bewertung der Missbrauchsfälle beauftragt, dann aber die Zusammenarbeit beendet. Daraufhin entbrannte eine heftige Diskussion um den Aufklärungswillen in der katholischen Kirche.
Stand: 17.01.2013 15:23 Uhr
