Essen liegt in einer Mülltonne. | Bildquelle: dpa

Schmidt gegen Lebensmittel-Müll Elektro-Chips statt Mindesthaltbarkeitsdatum

Stand: 25.03.2016 12:27 Uhr

Jeder Deutsche wirft im Jahr durchschnittlich 82 Kilogramm Lebensmittel weg, obwohl das meiste davon noch genießbar wäre. Dagegen will Bundesagrarminister Schmidt nun vorgehen. Er fordert die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums und Verpackungen mit elektronischen Chips.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt fordert eine baldige Abschaffung des Haltbarkeitsdatums auf allen Lebensmittelverpackungen. "Wir werfen massenweise gute Lebensmittel weg, weil die Hersteller zu große Sicherheitspuffer eingebaut haben", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Stattdessen solle auf die Verpackungen von Milch oder Schinken ein echtes Verfallsdatum gedruckt werden, nach dem die Produkte wirklich nicht mehr genießbar wären. Der CSU-Politiker geht davon aus, dass in wenigen Monaten der Entwurf einer entsprechenden EU-Richtlinie vorliegt.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist in Deutschland seit mehr als 30 Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Es gibt an, bis zu welchem Datum mindestens das ungeöffnete und richtig gelagerte Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert behält. Es ist also kein Verfallsdatum, sondern lediglich die Garantie des Herstellers für bestimmte Qualitätseigenschaften.

Christian Schmidt | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Christian Schmidt: Will das Mindesthaltbarkeitsdatum abschaffen.

Joghurtbecher mit elektronischen Chips

Minister Schmidt schwebt auch vor, dass es in Zukunft "intelligente Verpackungen" geben soll. "In Verpackungen wie Joghurtbechern kann man elektronische Chips einbauen", sagte der Minister. Diese sollen ermitteln, wie sich das Produkt von Tag zu Tag verändert. "Eine Farbskala von Grün bis Rot zeigt an, wie es um die Verzehrbarkeit steht", erläuterte Schmidt. Jeder Verbraucher könne dann selbst entscheiden, bis zu welchem Grad er das Nahrungsmittel noch verwenden will.

Bei manchen Produkten - wie etwa abgepacktem Fleisch - arbeiten einige Unternehmen schon jetzt mit intelligenten Verpackungen. Dabei wird die Schutzfolie beispielsweise mit einem Sticker versehen, der auf Stoffwechselprodukte reagiert, die beim Verderb der Ware entstehen. Wird ein bestimmter Grenzwert überschritten, verändert sich die Farbe des Stickers - und der Verderb wird für den Verbraucher sichtbar.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert Schmidt zufolge mit zehn Millionen Euro ein Forschungsprojekt, in dem es auch um intelligente Verpackung geht. Ergebnisse sollen in etwa drei Jahren vorliegen.

Essensmüll im Gegenwert von 20 Milliarden Euro

Das Wegwerfen von Essen ist in Deutschland ein großes Problem: Einer Studie aus dem Jahr 2012 zufolge schmeißt jeder Bundesbürger jährlich im Schnitt 82 Kilogramm Lebensmittel weg, obwohl das meiste davon noch genießbar wäre. Das Essen, das im Müll landet, hat einen Gegenwert von durchschnittlich 235 Euro pro Person. Aufs ganze Land hochgerechnet, ergibt das eine Summe von etwa 20 Milliarden Euro.

Der Studie zufolge, die vom Bundesernährungsministerium gefördert wurde, ist knapp die Hälfte des weggeworfenen Essens Obst und Gemüse. Auf Platz zwei stehen Teigwaren wie Brot und Nudeln - sie machen 20 Prozent der Essensabfälle aus.

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