Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Jede fünfte Familie in Deutschland ist alleinerziehend - Tendenz steigend. Zum Vergleich: Vor 13 Jahren war es nur jede siebte Familie. Dies berichtete das Statistische Bundesamt auf Basis des Mikrozensus 2009. Weiter zeigte sich, dass Alleinerziehende häufiger in Großstädten wohnen. Zudem ist ihr Anteil in Ostdeutschland deutlich höher. Sind die Kinder jung, ist zudem oft das Geld knapp.
[Bildunterschrift: 90 Prozent aller Alleinerziehenden sind Frauen. ]
Wenig überraschend: Alleinerziehen ist Frauensache. In 90 Prozent der Fälle betreute 2009 die Mutter den Nachwuchs. Immerhin 40 Prozent der alleinerziehenden Mütter arbeiteten Vollzeit. 58 Prozent schafften es, sich überwiegend aus eigener Arbeit zu finanzieren. Ein Drittel hatte aber weniger als 1100 Euro monatlich zur Verfügung, zwei Drittel kamen immerhin auf 1100 bis 2600 Euro Familiennettoeinkommen.
Sind Kleinkinder im Haus, sieht es jedoch bei den Finanzen düster aus: Nicht einmal jede vierte alleinerziehende Mutter von Unter-Dreijährigen (23 Prozent) war 2009 überhaupt berufstätig. Mit Kindern zwischen 15 und 17 Jahren arbeiteten hingegen drei Viertel.
In Ostdeutschland liegt der Anteil der Alleinerziehenden an allen Familien deutlich höher: Hier beträgt er 27 Prozent, im Westen dagegen nur 17 Prozent. Auch in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind Alleinerziehende häufiger: Sie stellen hier 26 Prozent aller Familien. In den großen Städten Ostdeutschlands sind es mit knapp einem Drittel (31 Prozent) sogar noch deutlich mehr.
Knapp zwei Drittel der westdeutschen Alleinerziehenden waren 2009 geschieden oder lebten in Trennung vom Ehepartner. Anders im Osten: Hier war über die Hälfte (54 Prozent) ledig. Gründe sind, dass Kinder in den neuen Ländern öfter unehelich geboren werden und zudem die Mütter tendenziell jünger sind.
Der DGB kritisierte, dass nach wie vor viele Ein-Eltern-Familien auf Hartz IV angewiesen seien und ihr Armutsrisiko damit hoch sei. Im März hätten rund 636.000 Alleinerziehende mit etwa einer Million Kindern Arbeitslosengeld II bezogen, sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Sie forderte als Konsequenz bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Existenz sichernde Jobs.
Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte, die Zahlen belegten, dass Alleinerziehende und ihre Kinder ein weitaus höheres Armutsriskio zu tragen hätten als andere Familien. "Ich fordere die Bundesregierung auf, sich endlich auf die Seite der Familien zu stellen und sich für einen flächendeckenden Mindestlohn, für einen bedarfsgerechten Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsangebote sowie für differenzierte und bedarfsgerechte Kinderregelsätze einzusetzen", sagte sie.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erklärte, moderne Familienpolitik müsse Alleinerziehenden die Chancen geben, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. "Deswegen hat für mich der Ausbau der Kinderbetreuung auch Priorität", fügte sie und verwies auf Kindergeld und Kinderzuschlag.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW