Ein Teelöffel mit einer Kosmetik, die Mikroplastik (blaue Perlen) enthält.  | Bildquelle: dpa

Studien zu Mikroplastik Mini-Müll schwimmt überall

Stand: 15.03.2018 17:31 Uhr

Umweltämter aus fünf Bundesländern haben in praktisch allen west- und süddeutschen Flüssen Mikroplastik nachgewiesen. Eine US-Studie fand zudem auch in Trinkwasserflaschen große Mengen von Plastikpartikeln.

Mikroplastik ist praktisch in allen west- und süddeutschen Flüssen zu finden. Zu diesem Ergebnis kommt eine länderübergreifende Pilotstudie, die neben Baden-Württemberg die Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen einbezieht. In allen 52 Proben aus 25 Flüssen waren demnach kleine Kunststofffragmente nachweisbar.

Hauptsächlich handelte es sich der Untersuchung zufolge um unregelmäßig geformte Partikel mit Durchmessern zwischen 0,3 und 0,002 Millimetern, die von größeren Plastikobjekten stammen könnten. Zu fast 90 Prozent bestanden sie aus den Kunststoffsorten Polyethylen und Polypropylen.

Ämter fordern Maßnahmen gegen weitere Belastung

"Es kann von einer zivilisatorischen Grundlast von Kunststoffpartikeln in den Gewässern ausgegangen werden", erklärten die Umweltämter. Ihre Ergebnisse deckten sich mit denen anderer vergleichbarer Untersuchungen von Flüssen in Europa und Nordamerika.

"Im Sinne des Vorsorgeprinzips" sollten daher "frühzeitig Maßnahmen zur Reduktion weiterer Einträge eingeleitet werden", betonten die Ämter. Wissenschaftliche Erkenntnisse der ökologischen Folgen fehlten bislang aber noch weitgehend. Es seien weitere großangelegte Forschungsvorhaben notwendig.

Ein Teelöffel mit einer Kosmetik, die Mikroplastik (blaue Perlen) enthält. | Bildquelle: dpa
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In vielen Kosmetika befinden sich Plastikpartikel, die über das Abwasser in die Flüsse gelangen.

Partikel gelangen über Abwasser oder Müll in die Flüsse

Die Untersuchung war nach Angaben der Beteiligten die erste ihrer Art. Ziel war, einen umfassenden Datensatz zur Mikroplastikbelastung über ein größeres Gebiet zu erhalten. Analysiert wurden daher zahlreiche Flüsse im Einzugsbereich von Rhein und Donau. Die Proben wurden an der Universität Bayreuth mit einem Infrarotspektrometer untersucht.

Die Kunststoffpartikel befinden sich in Reinigungsmitteln wie Waschpulver, Shampoo sowie in Kosmetik und gelangen über das Abwasser in die Umwelt. Außerdem entstehen sie, wenn sich weggeworfene Plastiktüten oder -flaschen zersetzen oder wenn sie beim Waschen aus Synthetik-Kleidung gelöst werden. Der Minimüll findet sich nicht nur in Flüssen und Meeren, sondern wurde auch bereits in arktischem Eis, fernab von menschlicher Besiedelung, nachgewiesen.

Müll am Strand | Bildquelle: dpa
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Auch weggeworfene Plastikflaschen zersetzen sich mit der Zeit und gelangen als Mikropartikel in die Gewässer.

Große Partikelmengen auch in Trinkwasserflaschen

Mikroplastik ist nicht nur in Gewässern ein Problem: US-Forscher wiesen auch in Trinkwasserflaschen eine zum Teil erhebliche Konzentration von Mikro-Plastikpartikeln nach. Die Plastikteilchen gelangen offenbar beim Abfüllprozess ins Wasser, schreiben die Forscher der State University of New York.

Die Wissenschaftler testeten 250 Flaschen in den USA, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Kenia, Mexiko, Thailand und dem Libanon. Darunter waren auch Produkte namhafter Marken. Demnach wurden in 93 Prozent der Proben Plastikrückstände wie Polypropylen, Nylon und Polyethylenterephthalat (PET) gefunden.

Die Konzentration reichte von null bis über 10.000 Partikel in einer einzigen Flasche. Durchschnittlich wurden 10,4 Mikro-Plastikteilchen (0,10 Millimeter) pro Liter nachgewiesen. Die Studie wurde von Orb Media, einem gemeinnützigen Medienverbund, veröffentlicht. 65 Prozent der gefundenen Partikel seien "Fragmente und keine Fasern" gewesen, sagte Mikroplastik-Experte Sherri Mason von der State University of New York. Das lasse den Schluss zu, dass sie offenbar aus dem industriellen Abfüllprozess stammten - von den Flaschen selbst oder deren Verschlüssen.

Eine Frau trinkt aus einer Plastik-Wasserflasche | Bildquelle: imago/Westend61
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US-Forscher haben in Trinkwasserflaschen aus Plastik erhebliche Mengen an Mikropartikeln gefunden.

Über dieses Thema berichtete WDR Lokalzeit Münsterland am 13. Februar 2018 um 19:30 Uhr.

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