Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung des Migrationsberichts 2014 in Berlin. | Bildquelle: dpa

Migrationsbericht 2014 Rekordzuwanderung - nicht nur durch Flüchtlinge

Stand: 06.01.2016 17:13 Uhr

Im Jahr 2014 wanderten 1,5 Millionen Menschen nach Deutschland ein – so viele wie seit 1992 nicht. Die größte Gruppe sind dabei nicht die Asylsuchenden. Für 2015 erwartet der Bundesinnenminister den größten Zuwachs seit Gründung der Bundesrepublik.

Von Volker Schaffranke, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Wer über Zuwanderung diskutieren will, muss einige wichtige Fakten im Auge behalten, denn es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, in dieses Land zu kommen und gegebenenfalls auch zu bleiben. Es gibt Regeln zur EU-Freizügigkeit, Menschen aus Nicht-EU-Ländern suchen hier einen Job, daneben gibt es den Familiennachzug und die Asylbewerber.

Plus von 500.000 Menschen

Für das Jahr 2014 steht fest: Mit fast 1,5 Millionen Zuwanderern kamen so viele Menschen zu uns, wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Zieht man diejenigen ab, die wieder gegangen sind, bleibt ein Plus von mehr als 500.000 Menschen, stellte Innenminister Thomas de Maizière heute bei der Vorstellung des Migrationsberichts 2014 fest: "2014 waren es die höchsten Zuwanderungszahlen seit 1992. Für das Jahr 2015, also das gerade abgelaufene Jahr, rechne ich mit der höchsten Zuwanderung seit Beginn der Registrierung, die im Jahre 1950 für die westdeutsche Bundesrepublik begonnen hat."

Mehr als eine Million Flüchtlinge registriert
tagesschau 20:00 Uhr, 06.01.2016, Michael Strempfle, ARD Berlin

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Asylsuchende sind nicht die größte Einwanderergruppe

Bei den Menschen, die zu uns kommen, stehen nicht die Flüchtlinge oder die Asylsuchenden an erster Stelle. Deutschland ist seit zwei Jahren eines der Hauptzielländer in der Europäischen Union. Die meisten Menschen kommen im Rahmen der EU-Freizügigkeit: "60 Prozent dieser gesamten Zuwanderung im Jahre 2014 stammt aus EU-Staaten. Das bedeutet für Arbeitnehmer, für Auszubildende, für Studierende aus den EU-Staaten ist Deutschland ein sehr attraktiver Standort", so de Maizière.

De Maizière will gegensteuern

Viele Menschen kommen aus Südeuropa, vor allem, um hier Arbeit zu finden, aber auch aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Das habe Folgen, betonte der Innenminister. Denn nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes haben diese Menschen Anspruch auf deutsche Sozialleistungen, sollten sie nicht sofort eine Ausbildung beginnen oder eine Arbeit aufnehmen.

Hier müsse Deutschland gegensteuern, so de Maizière: "Wir wollen, dass man die EU-Freizügigkeit nutzt, um in einem anderen europäischen Land erwerbstätig zu sein. Wir wollen nicht, dass man die EU-Freizügigkeit nutzt, um in einem anderen Land, insbesondere in Deutschland, höhere Sozialleistungen zu bekommen."

Beim BAMF stapeln sich Hunderttausende Asylanträge

Heute gab es aber auch offizielle Daten zu den Flüchtlingen in Deutschland. Die Zahl liegt bei über einer Million Schutzsuchenden, Hauptherkunftsland ist Syrien. Darunter sind allerdings viele Doppelregistrierungen, daher geht de Maizière davon aus, dass die Zahl nach unten korrigiert werden muss: "Sie liegt unter einer Million, aber wie viel unter einer Million lässt sich erst im Laufe des Jahres 2016 sagen.“

Dennoch bleibt die hohe Zahl an Flüchtlingen für die Politik im neuen Jahr die zentrale Herausforderung. Denn beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stapeln sich Hunderttausende Asylanträge, die noch nicht bearbeitet sind.

Migrationsbericht 2014
V. Schaffranke, ARD Berlin
06.01.2016 13:29 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 06. Januar 2016 um 13:38 Uhr auf WDR 5.

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