Thomas Middelhoff | Bildquelle: dpa

Gläubiger dürfen sich bedienen Middelhoff scheitert vor Gericht

Stand: 12.06.2015 18:54 Uhr

Vor seiner Insolvenz hatte der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff große Teile seines Vermögens an Dritte übertragen. Jetzt hat ein Gericht dem Insolvenzverwalter erlaubt, alle Übertragungen rückgängig zu machen. Das ergeben Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung".

Von Georg Wellmann, WDR

Das Amtsgericht Bielefeld hat mit Beschluss vom 13.April 2015 den Insolvenzverwalter von Thomas Middelhoff ermächtigt, sämtliche Vermögensgegenstände zurück zu fordern, die Middelhoff zuvor auf Firmen seines Rechtsanwalts verlagert hatte. Das ergibt sich aus Dokumenten, die der Westdeutsche Rundfunk und die "Süddeutsche Zeitung" einsehen konnten.

Middelhoff hatte seit 2011 offenbar den Versuch unternommen, sein Vermögen dem Zugriff seiner Gläubiger zu entziehen. In mehreren Schritten wurden Vermögenswerte von mehr als 90 Millionen Euro auf Firmen seines Rechtsanwaltes Franz Hartmut Fromm übertragen. Middelhoff stellte schließlich am 31.03.2015 Insolvenzantrag. Der vorläufige  Insolvenzverwalter, Dr. Thorsten Fuest aus Bielefeld, stellte dann fest, dass beinahe das ganze Vermögen auf Dritte übertragen worden war. Er habe nichts mehr gefunden, "keinen Cent", den er an die Gläubiger Middelhoffs weitergeben könnte, sagte Fuest gegenüber dem Rechercheverbund.

Das Amtsgericht Bielefeld ordnete nun an, dass sämtliche Vermögenswerte wieder auf den Ex-Karstadt-Manager Middelhoff zurück übertragen werden sollen. Die sei "zum Schutz der Masse erforderlich", heißt es im Beschluss. Im Klartext: Rechtlich notwendig, um die Ansprüche der rund 50 Gläubiger von Middelhoff zu bedienen. Neben acht Beteiligungen an Immobilienfonds gehören auch Aktien, ein Festgeldkonto und die weitläufige Privatvilla von Middelhoff in Bielefeld zu den Vermögensgegenständen, die rückübertragen werden sollen.

Mehr als 100 Millionen Euro Schulden

Nach Informationen, die dem Westdeutschen Rundfunk und der Süddeutschen Zeitung vorliegen, soll Middelhoff seinen Gläubigern derzeit mehr als 104 Millionen Euro schulden. Hauptgläubiger sind die Privatbank Sal. Oppenheim, die Sparkasse Köln/Bonn und der Unternehmensberater Roland Berger, mit dem Middelhoff geschäftlich verbunden war. Hinzu kommen Steuerschulden in Millionenhöhe gegenüber dem Land Nordrhein-Westfalen. Bereits seit Ende des Jahres 2013 hatten wiederholt Gläubiger versucht, das Vermögen von Middelhoff zu pfänden.

Ausschluss aus Immobilienfonds

Das vorläufige Insolvenzverfahren hat für den Manager, der sich früher gerne "Big T." nennen ließ, noch weitere Konsequenzen. Denn nun scheinen auch noch andere Geschäftspartner die Geduld zu verlieren. Middelhoff zeichnete in guten Zeiten acht geschlossene Immobilienfonds, welche die Privatbank Sal. Oppenheim und der Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch aufgelegt hatten. Sie waren als Steuersparmodelle für Superreiche konstruiert.

Bei sechs Fonds sollen die anderen Anleger jetzt beschlossen haben, die Middelhoffs aus den jeweiligen Gesellschaften zu werfen. Dabei machten sie von ihrem vertraglichen Recht Gebrauch, einen Gesellschafter auszuschließen, der Privatinsolvenz beantragt. Nun muss jeweils ein neutraler Gutachter klären, wie viel die Anteile wert sind und etwaige Ansprüche an das Paar gegenrechnen. Je nachdem was überwiegt, kommen für Middelhoff neue Schulden oder Masse für die Gläubiger heraus.

Doch dagegen wehrt sich Middelhoff. Seine Anwälte monieren, dass der Ausschluss unwirksam sei und die Verantwortlichen der Oppenheim-Esch-Gruppe bei dem Beschluss der Gesellschafterversammlung zudem befangen waren, weil sich Middelhoff seit 2012 im Rechtsstreit mit der Gruppe befindet. Auf Anfrage teilte Middelhoffs Anwalt Franz Hartmut Fromm mit, alle weiteren Schritte mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter abzustimmen und die erforderlichen Schritte einzuleiten.

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