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Das Spiel ist aus. Wenn auch erst in der Verlängerung. Immerhin steht nun ein Sieger fest: Christian Wulff ist Bundespräsident. Warum die Siegermannschaft eigentlich verloren hat und die Verlierermannschaft gewonnen, analysiert Michael Spreng für tagesschau.de. Und auch einen Totalausfall hat der Politikberater gesehen.
[Bildunterschrift: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Christian Wulff müssen in der Bundesversammlung drei Wahlgänge lang zittern, ehe eine ausreichende Mehrheit zustande kommt. ]
Strategie: Die Strategie der Union war nicht nur schlecht, sondern auch falsch. Hätte sie den Kandidaten der gegnerischen Seite akzeptiert, statt den eigenen durchzudrücken, hätte sie befreit aufspielen können. Stattdessen haben mehrere Mannschaftsmitglieder über mehrere Wahlgänge hinweg auf’s eigene Tor geschossen.
Taktik: Offenbar war die Ansprache in der Kabine zu schwach, nicht emotional und nicht überzeugend genug, um die eigene Mannschaft komplett hinter sich zu bringen.
Führungsspieler: Für die Mannschaftsführerin gab‘s am gestrigen Tag die zweite gelbe Karte nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Eigentlich müsste sie nun ein Spiel pausieren. Insgesamt machte sie eine recht unglückliche Figur an diesem Tag; muss möglicherweise im nächsten Jahr die Kapitänsbinde als CDU-Chefin abgeben.
Teamleistung: Ein geschlossenes Mannschaftsspiel war nicht zu erkennen. Dafür viele eigensinnige Einzelaktionen und ein ums andere Mal Spielzüge gegen die eigene Mannschaftskapitänin.
Erfolgsbilanz: Am Ende immerhin das entscheidende Tor doch noch erzielt. Aber um welchen Preis? Miese Stimmung in der Mannschaft, viele Verletzte und Angeschlagene. So wird der gesamte Turniererfolg in Frage gestellt.
Spreng-Note: 4 -

Strategie: Die FDP spielte verdeckt. Einige hatten sich ja bereits im Vorfeld gegen die eigene Mannschaft gestellt. So gab es offiziell nur vier "Abweichler". Wer weiß, ob das der Wahrheit entspricht? Dem Spielführer Westerwelle droht schon seit Wochen die Auswechslung. Jungstar Christian Lindner läuft sich daher schon einmal am Spielfeldrand warm.
[Bildunterschrift: Sehen so Sieger aus? Guido Westerwelle und Christian Wulff nach dem dritten Wahlgang. ]
Taktik: Wie immer, so auch gestern, war die Taktik nicht zu erkennen oder war allenfalls diffus: Wenn es ein Versöhnungsspiel werden sollte, frage ich mich: Warum wird dann die Kanzlerin nur einen Tag vor der Wahl noch einmal böse mit der Hotelsteuer gefoult?
Führungsspieler: Auch hier gilt: Ein schneidiges Auftreten alleine kann über mangelnde spielerische Substanz und Finesse nicht hinwegtäuschen.
Teamleistung: Die Mannschaftsleistung war mäßig, aber immerhin besser als jene der schwarzen Spielgemeinschaft.
Erfolgsbilanz: Auch die Liberalen gehen genauso geschwächt wie ihr Partner in die kommenden Wochen. Allerdings sind sie nicht so angeschlagen wie Spielführerin Merkel.
Spreng-Note: 4
[Bildunterschrift: Die Führungsriege der SPD freut sich über die vielen Stimmen für Joachim Gauck. ]
Strategie: Die Strategie der Sozialdemokraten ist voll aufgegangen: Zum einen die Schwächen des Gegners offenzulegen und ihn dabei gleichzeitig vorzuführen. Das war ein cleverer Schachzug. Die guten Spielanlagen sind vorhanden. Gleichwohl gilt: Der Erfolg liegt zum größten Teil an einem außergewöhnlichen Einwechselspieler, der eigens zur Wahl aus dem Hut gezaubert worden ist: Joachim Gauck.
Taktik: Auch taktisch hat sich die SPD gut verhalten: Nur so zwingt man die schwächste Mannschaft, Die Linke, in den Offenbarungseid.
Führungsspieler: Die Leader in der Mannschaft sind momentan in recht guter Verfassung. Allerdings sind sie zu ballverliebt, über die ganze Spielzeit reicht die Kraft noch nicht. Noch Schwächen im Abschluss.
Teamleistung: Die Mannschaft hat gestanden. Etwas, was man nicht von allen sagen kann. Das Team war gut in das Konzept der Spielführer eingebunden und hat ihnen so den Rücken freihalten können.
Erfolgsbilanz: Trotz der Niederlage in der Verlängerung hat die SPD zusammen mit den Grünen das Spiel bestimmt.
Spreng-Note: 3, für den einmaligen Einwechselspieler: 1
Strategie: Die Grünen haben eine perfekte Strategie gefahren. Zunächst wurde von ihnen der "Wunderlibero" Gauck vorgeschlagen und verpflichtet, dann wurde auch noch der Gegner entscheidend geschwächt. Das Spiel ist aufgegangen und ein neuer Schulterschluss mit der SPD ist die Folge.
[Bildunterschrift: Grünen-Parteivorsitzende Claudia Roth im Gespräch mit grünen Wahlleuten während der Bundesversammlung. ]
Taktik: Die taktischen Überlegungen der Grünen waren in Ordnung. Durch viele Einzelgespräche der Mannschaftspsychologen und Mentaltrainer mit den Spielern der Linkspartei ist es schließlich sogar gelungen, die schlechteste Mannschaft des Turniers zu entlarven.
Führungsspieler: Die Altvorderen haben alles richtig gemacht und die Mannschaft gut geführt. In ihren Reihen gibt es offenbar ein paar echte Motivationskünstler. Aber auch für die Grünen gilt: Ohne den "Wunderlibero" wäre das Spiel anders verlaufen.
Teamleistung: Hier bleibt nur versöhnlich zu sagen: Gute Mannschaftsleistung.
Erfolgsbilanz: Die Grünen haben ebenfalls in der Verlängerung verloren, aber den Gegner für die kommenden Spiele massiv geschwächt und den Glauben an den eigenen Sieg zurück gewonnen.
Spreng-Note: 2
Strategie: Eine Strategie ist für den neutralen Zuschauer nicht erkennbar gewesen. Die Partei Die Linke hat eine geradezu autistische Vorstellung geboten, fiel durch Fehlpässe auf und beobachtet das weitere Turnier nun alleine am Spielfeldrand. Mit der gestrigen Niederlage hat Die Linke nicht nur ein Spiel verloren - sie ist sie für längere Zeit ausgeschieden.
Taktik: Auch die Taktik kann man nur als chaotisch bezeichnen. Den besseren Mannschaften vorzuschlagen, sie sollten ihren "Wunderlibero" auswechseln, war nicht nur ein taktischer Fehler, sondern ein Eigentor, das mehrfach zählt.
[Bildunterschrift: Die Führungsriege der Linkspartei Lafontaine, Gysi und Ernst mit ihrer Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Luc Jochimsen ]
Führungsspieler: Wie heißt es doch so schön: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz" - im Reichstagsgebäude oder im Wunsch des Volkes. Seit gestern ist eines klar: Die Wahrheit liegt jedenfalls nicht in der Linksfraktion des Bundestages. Die Mannschaftsführer haben das eigene Team ins Aus manövriert. Trainer Gysi hat sich nicht als Taktikfuchs, sondern als schwächster Teamchef des Turniers offenbart. Jetzt sitzt die ganze linke Mannschaft schmollend in der Kabine.
Teamleistung: Diese Mannschaft besteht aus Anti-Spielern, die glauben, man könne auch dann gewinnen, wenn man keine Tore schießt. Für mich grenzt diese Einstellung an Spielverweigerung.
Erfolgsbilanz: Nach diesem Debakel sollte die gesamte Mannschaft vom Platz gestellt werden. Und zwar solange, bis eine neue Strategie, eine neue Taktik und neue Führungsspieler gefunden worden sind.
Spreng-Note: 5
Aufgezeichnet von Jon Mendrala für tagesschau.de

Trotz respektabler Mehrheit konnte die schwarz-gelbe Koalition ihren Kandidaten Wulff erst im dritten Anlauf durchbringen. Der von Rot-Grün vorgeschlagene Gauck war in Umfragen beliebter - und hatte doch keine Chance. Und die Linkspartei enthielt sich im dritten Wahlgang fast geschlossen der Stimme. Welche Parteien profitieren Ihrer Meinung nach politisch am meisten von der Wahl?
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