Am 16. Oktober wurde an der Hamburger Alster ein Jugendlicher von einem Unbekannten niedergestochen. | Bildquelle: dpa

Nach Messerangriff in Hamburg Zweifel an IS-Bekenntnis

Stand: 30.10.2016 15:29 Uhr

Trotz einer angeblichen Bekennerbotschaft des IS bleiben die Ermittlungen zu einem tödlichen Messerangriff vor zwei Wochen in Hamburg bei der Mordkommission der Hansestadt. Der Generalbundesanwalt ermittelt bislang nicht. Konkrete Hinweise auf eine IS-Täterschaft liegen nicht vor.

Der Generalbundesanwalt wird sich zunächst nicht in den Fall einer tödlichen Messerattacke vor zwei Wochen in Hamburg einschalten. Trotz einer angeblichen Bekennerbotschaft des IS-Sprachrohrs Amaq bleiben die Ermittlungen zu einem tödlichen Angriff auf einen 16-Jährigen bis auf Weiteres bei der Hamburger Mordkommission.

Unter Beteiligung des Staatsschutzes gehe man aber auch dem Hinweis auf eine vermeintlich IS-motivierte Tat nach, teilte die Polizei nach einer Beratung mit Vertretern der Innenbehörde, des Verfassungsschutzes und des Staatsschutzes mit. Die Bekennermitteilung werfe allerdings eine Reihe von Fragen auf. Es werde weiterhin in alle Richtungen ermittelt. Das Motiv für den Angriff sei völlig unklar.

Vage Mitteilung von Amaq

Das IS-Sprachrohr Amaq hatte in der Nacht mitgeteilt, ein "Soldat des Islamischen Staats" habe zwei Menschen am 16. Oktober in Hamburg angegriffen. An diesem Tag war ein 16-Jähriger an der Hamburger Alster von einem Unbekannten mit mehreren Stichen getötet worden. Seine 15-jährige Begleiterin stieß der Angreifer ins Wasser, sie blieb aber unverletzt.

Keine konkreten Hinweise

Konkrete Hinweise auf eine IS-Täterschaft gibt es nicht. Die von Amaq zunächst auf Arabisch und Englisch verbreitete Mitteilung war so formuliert, dass offen blieb, ob die angeblichen Opfer verletzt oder getötet wurden. Demnach könnten sie sowohl erstochen als auch niedergestochen worden sein. Zudem fügte der Angreifer am 16. Oktober nur einem Opfer Stichverletzungen zu.

Nach Einschätzung des ARD-Terrorismusexperten Michael Stempfle ist der zeitliche Verzug zwischen Mordfall und IS-Bekennung auffallend. Allerdings habe es dies früher schon einmal gegeben. "Auffallend ist auch, dass die Angaben von Amaq über den Fall sehr vage sind. Offenbar haben die Verfasser der IS-Meldung wenige Informationen über den Fall." Stempfle zufolge ist es möglich, dass Amaq Informationen über den Fall via soziale Netzwerke bekommen habe und den Täter nachträglich als Soldaten des IS bezeichne.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2016 um 17:15 Uhr.

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