Wenige Wochen vor der Bundestagswahl stellt sich Kanzlerin Merkel den Fragen von YouTubern. | Bildquelle: dpa

Merkel-Interview bei YouTube "Waren ja Ihre Fragen, ne?"

Stand: 16.08.2017 17:35 Uhr

Im YouTube-Interview spricht die Kanzlerin nicht nur über harte Politik. Auch Wellen-T-Shirts und ihr Lieblings-Emoji stehen auf dem Programm. So will die CDU-Chefin junge Wähler begeistern. Doch die politische Konkurrenz schläft nicht.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Glaubt man dem Livechat am Rande des Interviews, dann kam das entscheidende Thema überhaupt nicht vor. "ES WURDE KEINE WEED-FRAGE GESTELLT", beklagte sich stellvertretend einer von zahlreichen Zuschauern, die während des Gesprächs von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit vier YouTube-Moderatoren grüne Blätter und "Legalize it!" in den Stream gepostet hatten. Auch die ein oder andere Beleidigung schwirrte an der Live-Übertragung vorbei.

Verglichen damit fiel das Interview der Kanzlerin selbst deutlich gesitteter aus. Rund zehn Minuten hatten die Moderatoren Lisa Sophie, Ischtar Isik, Mirko Drotschmann und Alexander Böhm Zeit, ihre Fragen an Merkel loszuwerden - getrennt durch kurze Filme, die auf die nächsten Themen hinführten. Gesprochen wurde über soziale Gerechtigkeit und Schulpolitik, über den Abgasskandal und Breitbandausbau, Feminismus und Jungwähler, das deutsch-türkische Verhältnis und die Krise in Nordkorea.

Bundeskanzlerin Merkel im Interview mit YouTubern
nachtmagazin 00:15 Uhr, 17.08.2017, Anette Rehn, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Immer nur Selbstdarstellung?"

Und ein bisschen internetig wurde es stellenweise auch. So wissen die rund 55.000 Zuschauer jetzt, dass Merkels Lieblings-Emoji der Smiley ist ("Und wenn es gut kommt, noch ein Herzchen dran. Wenn’s mal nicht so gut ist, kann man auch mal die Schnute nehmen") und dass sie ein T-Shirt mit "einer schönen Meereswelle" bedrucken würde. Wegen ihres Wahlkreises. Und zur großen Freude der Netzgemeinde.

Auch sonst hielt sich der Neuigkeitswert des Gesprächs in Grenzen. Doch darum ging es bei Merkels YouTube-Auftritt nicht. Ziel dürfte es gewesen sein, sich einer potenziellen Wählergruppe vorzustellen, die mit Politik sonst eher wenig am Hut hat. Da schaden authentische Momente wie die unbeholfene Suche nach einem T-Shirt-Motiv eher nicht. Auch dass Merkel etwa Moderatorin Isik nach deren Aussage, dies sei ihr erstes Interview, leicht irritiert zurückfragte: "Ihr allererstes Interview im Leben? Sonst machen Sie immer nur Selbstdarstellung?" dürfte vor diesem Hintergrund nicht schlecht angekommen sein.

Mirko Drotschmann, YouTuber, über sein Interview mit Kanzlerin Merkel
tagesschau24 16:15 Uhr, 16.08.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Großkampftag im Internet

Für die Kanzlerin war der Auftritt zudem eine Rückkehr auf bekanntes Territorium. Bereits vor zwei Jahren hatte sie sich von dem YouTuber Florian Mundt, bekannt als LeFloid, interviewen lassen - damals im Bundeskanzleramt. Das Video war ein Erfolg für die Regierungschefin. Mittlerweile wurde es mehr als 5,5 Millionen Mal abgerufen. Auch diesmal dürfte sich die Reichweite noch steigern. Gemeinsam erreichen die vier Moderatoren des aktuellen Gesprächs mehr als drei Millionen Zuschauer. Das lohnt sich - gerade im Wahlkampf.

Da ist es auch kein Wunder, dass die anderen Parteien Merkel das Netz nicht kampflos überlassen wollen. Keine zwei Stunden nach Beendigung des Live-Streams stellte sich Außenminister Sigmar Gabriel auf der Website "Buzzfeed" den Fragen des dortigen Publikums. Und Linkspartei-Chefin Katja Kipping kündigte schnell noch ein Interview mit dem Format "Jung und naiv" an.

Netz statt Plakat

Hinter den Auftritten steckt die Hoffnung, vor allem jüngere Wähler zu erreichen. Denn dass die Generation Smartphone im September mit fesch gestalteten Großflächenplakaten an die Urnen gebracht werden kann, glaubt in den Parteizentralen niemand mehr. Deshalb folgen die Wahlkämpfer ihrem Publikum dorthin, wo es sich sowieso aufhält: ins Internet.

Dass das durchaus funktionieren kann, bewies Ex-US-Präsident Barack Obama. Seine Strategen setzten früh auf das Netz, um für ihre politischen Anliegen zu werben. Für kurze Interviews mit YouTubern nahm er sich bereits vor zweieinhalb Jahren Zeit. Auch tauchte Obama immer wieder in Internet-Comedy-Formaten auf um auf seine Gesundheitsreform aufmerksam zu machen.

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl stellt sich Kanzlerin Merkel den Fragen von Youtubern. | Bildquelle: dpa
galerie

Neuland war gestern: Merkel mit YouTubern

Merkel kantig

Soweit gehen Merkel und Co. noch nicht. Doch sogar die sonst in Interviews oft betont seriöse Bundeskanzlerin ließ im Interview gelegentlich eine Seite aufblitzen, die sie in der Öffentlichkeit sonst selten zeigt. Als Moderator Böhm beim Thema Digitalisierung etwa anmerkt, dass es jetzt doch sehr technisch werde, fährt sie dem jungen Mann über den Mund. "Waren ja Ihre Fragen, ne?"

Ansonsten bemühte sich die Kanzlerin, ihre Zielgruppe anzusprechen. Sie drückte ihr Bedauern über die steigende Zahl von Hasskommentaren im Internet aus. "Ich bin traurig und erschüttert, wie viele Menschen sich gar nicht anders mehr ausdrücken können", so die CDU-Chefin. Sie halte hasserfüllte Sprache jedoch für ein Zeichen der Unfähigkeit, Argumente vorzubringen. "Jemand der nichts weiter kann als vernichtende Bemerkungen zu machen, der hat sich diskreditiert. Davon lasse ich mich nicht beeindrucken."

Die Kanzlerin liegt vorne

Merkel ermutigte zudem junge Wähler, bei der Bundestagswahl ihre Stimme abzugeben. "Sie können den Rest der Zeit meckern oder schimpfen oder klagen, aber da können Sie mit beeinflussen", so die Bundeskanzlerin.

Tatsächlich kann Merkel eine hohe Wahlbeteiligung bei den Erstwählern nur recht sein. In Umfragen liegt sie in dieser Wählergruppe deutlich vor ihrem Herausforderer Martin Schulz. Gut möglich, dass deshalb auch der SPD-Chef bald im Internet auftaucht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. August 2017 um 17:00 Uhr.

Autor

Julian Heißler Logo tagesschau.de

Julian Heißler, tagesschau.de

@pjheissler bei Twitter
Darstellung: