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Kanzlerin Merkel im Sommerinterview "Bei mir hat niemand um Entlassung gebeten"

Stand: 19.07.2015 17:12 Uhr

Grexit-Debatte? Von gestern. Streit in der Koalition? Ebenfalls von gestern. Wichtig sei, jetzt schnell mit Griechenland über ein neues Hilfspaket zu verhandeln, sagte Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel im Sommerinterview. Einen Disput mit ihrem Finanzminister gebe es nicht. "Bei mir hat niemand um Entlassung gebeten."

Im Sommerinterview des Berichts aus Berlin hat Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel ein Ende des Koalitionsstreits um Meinungsverschiedenheiten in den Griechenland-Verhandlungen gefordert. "Ich glaube, dass das Wichtige jetzt wirklich das Ergebnis ist", sagte sie. "Und das muss jetzt umgesetzt werden."

Es gebe nun ein Verhandlungsmandat für neue Griechenland-Hilfe. Und nun müsse schnell über ein neues Hilfspaket verhandelt werden." Zugleich äußerte sie Kritik an Griechenland: Die dortigen Regierungen hätten Reformen lange verschleppt.

Kein Schuldenschnitt, kein Streit mit Schäuble

Einen Schuldenschnitt für Griechenland lehnte sie erneut strikt ab. "Das geht in der Währungsunion nicht." Schuldenerleichterungen in Form von längeren Laufzeiten für Kredite und niedrigeren Zinsen seien aber verhandelbar.

Einen Disput mit Finanzminister Wolfgang Schäuble über den Kurs in der Griechenland-Krise gebe es nicht, versicherte die Kanzlerin. "Bei mir war niemand und hat um Entlassung gebeten", sagte sie mit Blick auf entsprechende Spekulationen. Sie habe jetzt auch nicht die Absicht, diese Diskussion weiterzuführen. "Der Finanzminister wird jetzt genauso wie ich die Verhandlungen führen."

ARD-Sommerinterview mit Kanzlerin Merkel

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"Wir haben uns gegen Grexit-Option entschieden"

Schäuble hatte wiederholt angedeutet, dass er den Austritt Griechenlands aus der Eurozone für eine gangbare Option hält. Merkel lehnte einen Grexit ab. "Die Grexit-Option lag zwar auch auf dem Tisch, aber wir haben uns für eine andere entschieden."

Am Freitag hatte der Bundestag ein Verhandlungsmandat für neue Griechenland-Hilfen erteilt, allerdings gab es es so viele Gegenstimmen wie nie zuvor. 119 Abgeordnete stimmten dagegen - darunter die Hälfte aus der Unions-Fraktion. Merkel hatte massiv für ihren Kurs geworben. Das kann nicht spurlos an der CDU-Chefin vorbeigehen. Nun sagte sie: "Die Mehrheit ist da. Und nur das zählt."

Streit zwischen Gabriel und Schäuble

Zudem beharken sich mit Wolfgang Schäuble und Sigmar Gabriel zwei Schwergewichte ihres Kabinetts. Auslöser ist der von Finanzminister Schäuble ins Gespräch gebrachte zeitweise Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone ("Grexit auf Zeit"). Wirtschaftsminister und SPD-Chef Gabriel agierte in der Debatte zunächst ungeschickt, teilt aber inzwischen heftig gegen Schäuble aus. Der kontert mit harschen Tönen, das Vertrauensverhältnis dürfte nachhaltig gestört sein.

Im Gespräch mit Hauptstadtstudio-Leiterin Tina Hassel und ihrem Stellvertreter Rainald Becker spielte sie den in der Regierung Streit herunter - und schaute nach vorne. "Wir werden jetzt gemeinsam arbeiten in der Koalition, aber auch in der Union."

Im Ausland war zuletzt viel vom "deutschen Spardiktat" die Rede, die Kanzlerin wurde als "kalt und herzlos" dargestellt. Trifft sie das? "Nein", antwortete Merkel. "Es geht hier auch nicht um Beliebtheit oder Schönheitspreise." Es gehe darum, dass in der Sache das Richtige getan werde.

Weitere Themen im Sommerinterview des Berichts aus Berlin waren die Spionagetätigkeiten der NSA in Deutschland sowie die Flüchtlingspolitik. Ein Video von Merkels Begegnung mit einem Flüchtlingsmädchen in Rostock sorgte zuletzt für Aufregung.

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