Netanyahu und Merkel | Bildquelle: AFP

Israels Ministerpräsident Netanyahu in Berlin Vereint in der Kritik an Abbas

Stand: 21.10.2015 20:47 Uhr

Israels Ministerpräsident Netanyahu hat Palästinenserpräsident Abbas erneut heftig angegriffen und ihm Hetze vorgeworfen. Auch Kanzlerin Merkel kritisierte Abbas und forderte eine Deeskalation im Nahen Osten. Netanyahu kommentierte auch seine umstrittene Holocaust-Äußerung.

Auch nach der Empörung über seine Holocaust-Äußerungen beharrt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu darauf, dass die palästinensische Führung zur Gewalt gegen Israelis aufstachele. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wiederhole die "Lügen und Hetze", die zur Nazi-Zeit von der damaligen palästinensischen Elite verbreitet worden seien, sagte Netanyahu bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Die internationale Gemeinschaft solle sich dafür einsetzen, "dass die Aufwiegelung von Abbas aufhört". Er wolle dies auch am Donnerstag mit US-Außenminister John Kerry in Berlin besprechen. "Jede Form von Hetze führt zu Terror", sagte Netanyahu und fügte hinzu: "Wenn wir Versöhnung wollen, dann muss diese Hetze aufhören."

Hitler und der Großmufti

Abbas müsse sich fragen lassen, warum er und die palästinensischen Behörden den einstigen Großmufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, wie eine "Ikone" hochhielten. "Er ist ein Kriegsverbrecher", fügte Netanyahu mit Blick auf den einstigen Großmufti hinzu. Netanyahu hatte zuvor mit der Aussage für Empörung gesorgt, Hitler sei durch dem Großmufti zum Massenmord an den Juden angestiftet worden. Er hob nun hervor, niemand solle die Verantwortung Hitlers für den Holocaust leugnen. Es solle aber auch niemand leugnen, dass der Großmufti damals den Massenmord unterstützt habe.

Merkel hob bei dem gemeinsamen Auftritt vor der Presse hervor, die Bundesregierung und sie selbst würden die Verantwortung der Nationalsozialisten für den "Zivilisationsbruch" des Holocaust kennen. "Wir stehen zu der deutschen Verantwortung des Holocausts und der Shoah." Die Holocaust-Äußerungen Netanyahus waren nicht nur bei Palästinensern, sondern auch bei Juden in Israel auf Unverständnis und scharfe Kritik gestoßen.

Merkel fordert Deeskalation und Gespräche

Merkel rief die beiden Konfliktparteien im Nahen Osten erneut auch zur Deeskalation und zu Gesprächen auf. Die Kanzlerin hielt Abbas vor, dass keine aufrichtigen Friedensgespräche geführt werden könnten, wenn er die Gewalt gegen Israelis nicht verurteile. Sie kritisierte auch den israelischen Siedlungsbau, der hinsichtlich der angestrebten Zwei-Staaten-Lösung "kontraproduktiv" sei. Wenn nun die Lage im Nahen Osten beruhigt werden solle, "dann sollten alle Seiten einen Beitrag dazu leisten", fügte sie hinzu.

Rainald Becker, ARD Berlin, zum Treffen von Merkel und Netanyahu
tagesthemen 22:15 Uhr, 21.10.2015

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