Merkel in Jena | Bildquelle: dpa

Merkel auf Regionalkonferenz Rauer Wind für die Chefin

Stand: 03.12.2016 09:54 Uhr

Es war der letzte Stimmungstest für die Kanzlerin vor dem CDU-Parteitag: Bei der CDU-Regionalkonferenz in Jena blies Merkel der Wind gewaltig ins Gesicht. Wieder einmal ging es um die Flüchtlingspolitik.

Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Jena

Für Angela Merkel geht es in Jena gleich ans Eingemachte. Weniger draußen vor der Tür. Da stehen zwar Protestierende von der AfD und buhen die Kanzlerin aus. "Merkel for Prison" - "Merkel ins Gefängnis" steht auf ihrem Transparent.

Drinnen, im Jenaer Volkshaus, erwartet die Kanzlerin ebenfalls ein rauer Wind: "Treten Sie zurück als Kanzlerin und CDU-Chefin, verlassen Sie unsere Partei!" - Axel Göhring aus Jena redet sich in Rage. Der Klinik-Mitarbeiter wirft Merkel vor, die CDU auf den Hund gebracht zu haben. Atomausstieg, Eurorettung, grün-linke Politik und noch schlimmer: Schon wieder dürfen Flüchtlinge bei der Regionalkonferenz der Kanzlerin die Hand schütteln: "Wir sind nicht in der SED, sondern in der CDU, und was Sie machen ist Personenkult, und was ich hier gerade gesehen habe war PR!" Dafür erntet Göhring zwar vielfache Buhrufe, aber auch Applaus.

Merkel schüttelt bei der CDU-Regionalkonferenz in Jena einem Flüchtling die Hand. | Bildquelle: dpa
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Ein Bild, das sich wiederholt in diesen Tagen: Merkel schüttelt einem Flüchtling aus Syrien die Hand.

Flüchtlinge, die sich bedanken

Die Stimmung an diesem Abend in Jena ist aufgeheizt. Und gespalten. Denn ebenso viel Beifall bekommt der junge Syrer Basel Chatta aus Aleppo, als er schüchtern am Mikrofon steht und sagt, er möchte der Kanzlerin die Hand geben. Merkel steht auf, kommt vom Podium herunter, umarmt Chatta. Später auch noch drei Flüchtlinge aus Eritrea, die sich das ebenfalls wünschen. Es ist das wiederkehrende Bild aller CDU-Regionalkonferenzen - Flüchtlinge, die sich bedanken, und der Merkel-Handschlag.

Das O-Wort lässt Merkel nicht los

Mehr aber als zuvor spaltet in Jena die Flüchtlingspolitik die CDU-Basis. Da sind die, die erbittert wettern und das O-Wort erwähnen: "Aus meiner Sicht muss dringend eine Obergrenze für Flüchtlinge im Grundgesetz verankert werden. Wenn sie das ignorieren, dann muss man auch in Deutschland einen Zaun bauen, um der Masseneinwanderung Einhalt zu gebieten", sagt ein Redner. Aber dann, nach nur wenig Applaus, steht ein junger Mann auf und sagt: "1989 sind 17 Millionen DDR-Bürger in das Sozialsystem der BRD integriert worden. Und jetzt machen wir uns wegen 890.000 Flüchtlingen in die Hose."

Merkel lächelt kurz. Und wird wieder ernst. Denn sie will den Menschen in Jena erklären, was in ihr vorgeht, wenn sie die Bilder aus Aleppo sieht: "Dort sind 250.00 Menschen, die keinen Arzt haben und keine Medikamente, und wir stehen machtlos davor und schauen, wie die Bomben fallen. Das ist schon bedrückend."

Weit weg von der Basis

Aber manchmal wirkt die CDU-Vorsitzende auch weit weg von den Sorgen der Basis. Wenn sie die internationalen Konflikte erklärt, während sich eine regionale Ortsvorsitzende eher Sorgen um die Finanzen in der Kommune macht: "Oben ist eine Schwarze Null, die Säcke sind voll. Und uns hier unten in den Kommunen und wird der Hahn abgedreht."

Am Ende des Abends haben zwei erboste Parteimitglieder ihren Austritt aus der CDU angekündigt. Drei neue wollen aber eintreten. Gute Bilanz, scherzt Landeschef Mike Mohring. Wenn Angela Merkel aber eine Botschaft mitnimmt aus Jena zum CDU-Parteitag kommende Woche in Essen, dann diese: die Stimmung wird rauer.

Stimmung wird rauer - Merkel bei CDU-Regio-Konferenz in Jena
A. Ulrich, ARD Berlin
03.12.2016 09:11 Uhr

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