Angela Merkel | Bildquelle: dpa

Merkel nach G7-Gipfel Europa - mehr Eigenständigkeit wagen

Stand: 28.05.2017 20:20 Uhr

"Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei." Nach dem frustrierenden G7-Gipfel hat Kanzlerin Merkel Europa zu mehr Eigenständigkeit aufgerufen. SPD-Kanzlerkandidat Schulz betonte, Europa sei die Antwort darauf.

Angesichts der schweren Krise des G7-Bündnisses und tiefgreifender Differenzen mit den USA hat Kanzlerin Angela Merkel den Zusammenhalt Europas beschworen. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei, das habe ich in den letzten Tagen erlebt", sagte die CDU-Chefin bei einem gemeinsamen Bierzelt-Auftritt mit CSU-Chef Horst Seehofer in München.

Ihre Schlussfolgerung: "Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen." Natürlich tue man dies in Freundschaft zu den USA und Großbritannien und in guter Nachbarschaft, "wo immer das geht, auch mit Russland, auch mit anderen Ländern", betonte Merkel. "Aber wir müssen wissen: Wir müssen selber für unsere Zukunft kämpfen, als Europäer, für unser Schicksal."

Merkel äußert Zweifel an der Verlässligkeit Washingtons
tagesschau 20:00 Uhr, 28.05.2017, Sabine Rau, ARD Berlin

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Schulz: Europa ist die Antwort

Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz sieht deshalb Europa als Antwort: "Eine stärkere Kooperation der europäischen Staaten auf allen Ebenen ist die Antwort an Donald Trump", sagte er dem ARD-Hauptstadtstudio. Der "Aufrüstungslogik von Trump" dürfe sich Europa dabei nicht unterwerfen. Deutschland müsse die Bundeswehr zwar mit den nötigen Mitteln ausstatten, um im Rahmen ihres Auftrags Sicherheit in Europa herzustellen. "Aber dass wir zwei Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts, das heißt 20 bis 30 Milliarden Euro mehr, auf Anfrage von Herrn Trump ausgeben sollen, um unsere Armee aufzurüsten - das ist nicht das, was wir in der Mitte Europas für die Stabilität Europas brauchen."

Dahingehend kritisierte Schulz das Auftreten von Kanzlerin Merkel gegenüber Trump: "Ich glaube, man hätte sich auch schon auf dem NATO-Gipfel, aber ganz sicher auf dem G7-Gipfel sehr deutlich positionieren müssen - gegen einen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der ja andere demütigen will, der ja im Stile eines autoritären Herrschers auftritt", kritisierte der SPD-Vorsitzende.

Fast ein Fiasko

US-Präsident Donald Trump hatte die Gruppe der sieben großen Industrienationen (G7) mit seinem Konfrontationskurs auf dem G7-Gipfel in eine schwere Krise gestürzt. Nur in letzter Minute konnte ein Fiasko abgewendet werden. Allein in der Handelspolitik näherten sich die Staats- und Regierungschefs an. Massive Differenzen gab es beim Umgang mit Flüchtlingen und im Klimaschutz. "Sehr unzufriedenstellend" sei die gesamte Diskussion, bilanzierte Merkel.

Die Blockadepolitik Trumps lässt für Merkel in sechs Wochen einen schweren Gipfel der Industrie- und Schwellenländer (G20) in Hamburg erwarten. Am Mittwoch empfängt sie Chinas Regierungschef Li Keqiang in Berlin, der dann zum ersten EU-China-Gipfel in der Ära Trump nach Brüssel weiterreist. Trotz Handelsspannungen mit der zweitgrößten Wirtschaftsmacht sehen Diplomaten derzeit eine "Charmeoffensive" Chinas.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Mai 2017 um 15:00 Uhr.

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