Blick ins Ausland Von Sprachschützern und Reformeiferern

Stand: 25.08.2007 08:53 Uhr

Sitz der Académie française in Paris (Foto: Stefano Bianchetti., Copyright Institut de France)
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Sitz der Académie française in Paris (Foto: Stefano Bianchetti., Copyright Institut de France)

Sprachhüter und Reformen gibt es nicht nur in Deutschland. In vielen Ländern kümmern sich Räte oder Institutionen um die korrekte Schreibweise. Hier eine Übersicht über Rechtschreibreformen und Sprachwächter in Norwegen, Frankreich, Großbritannien und den USA sowie Portugal und Brasilien.

Von Jenny Clemens und Sven Trösch für tagesschau.de

Englisch

Im Englischen gibt es keine Regulierungsinstanz für die korrekte Rechtschreibung. Das liegt unter anderem an dem traditionellen Auseinanderklaffen von Rechtschreibung und Aussprache. Schon zu Zeiten Shakespeares, der das Englische im 16. Jahrhundert zu dessen literarischer Hochblüte führte, unterschieden sich Laut- und Schriftsprache stark voneinander. Eine Akademie oder ein Rat zur Regelung der Orthografie wurde nie gegründet. Die einzige "Reform" bestand aus Vorschlägen Noah Websters Anfang des 19. Jahrhunderts, auf die die Unterschiede zwischen britischer und amerikanischer Rechtschreibung zurückgehen.

Siehe auch: English Style Guide der Europäischen Kommission (pdf in engl.)

Norwegisch

In Norwegen gibt es zwei amtliche Schriftsprachen: Bokmål (Buchsprache) und Nynorsk (Neunorwegisch). Ersteres hat ihren Ursprung im Dänischen, das bis Anfang des 20. Jahrhunderts Schriftsprache in Norwegen war. Neunorwegisch dagegen ist eine selbstständige Sprachvariante des Gemeinnordischen. Zahlreiche Reformversuche in den vergangenen hundert Jahren vereinheitlichten die Sprache allerdings nicht. Über die Sprachpflege wacht der Rat für Norwegische Sprache mit 38 Mitgliedern, die zu gleichen Teilen aus den beiden Sprachlagern stammen.

Siehe auch: Norwegisches Außenministerium: Informationen zur norwegischen Sprachgeschichte (dt)

Portugiesisch

An einer Rechtschreibreform für die portugiesische Sprache wird seit den achtziger Jahren gearbeitet – ein ziemlich kompliziertes Unterfangen, denn die Sprache ist in zwei Großvarianten aufgeteilt. Das europäisch-afrikanische und das brasilianische Portugiesisch unterscheiden sich voneinander in Vokabular, Aussprache und Satzbau. Deshalb sind sie nur schwer zu vereinheitlichen. Dazu kommt, dass die Reform erst in Kraft treten kann, wenn sie von allen acht Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder unterzeichnet worden ist.

Siehe auch: Homepage der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (pt)

Französisch

Hüterin der französischen Orthografie ist die Académie française, die schon seit dem 17. Jahrhundert Rechtschreibregeln festlegt und in einem verbindlichen Wörterbuch veröffentlicht. Die 40 Mitglieder der Akademie werden auf Lebenszeit berufen, weshalb die Institution als äußerst konservativ gilt. Entsprechend zaghaft fiel die letzte Rechtschreibreform im Jahr 1991 aus, als lediglich einige überlebte Ausnahmeregeln wegfielen. In Frankreich gilt außerdem ein strenges Sprachschutzgesetz: So drohen etwa Strafen, wenn in der Werbung ein überflüssiger fremdsprachlicher Ausdruck verwendet wird.

Siehe auch: Homepage der Académie française (franz.)

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