Merkel befürwortet Zentrum gegen Vertreibungen

Streit um geplante Gedenkstätte

Merkel will Zentrum gegen Vertreibungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bildquelle: dpa)
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Sprach sich für ein Vertriebenenzentrum aus: Kanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für die Errichtung eines Dokumentationszentrums gegen Vertreibungen in Berlin ausgesprochen. Ein Zeichen gegen "jegliche Vertreibungen und ethnische Säuberungen" sollte an einem "angemessenen Ort" in der Hauptstadt gesetzt werden, sagte die Regierungschefin auf einer Gedenkfeier der Unionsfraktion zum Thema "60 Jahre Vertreibung - 60 Jahre Versöhnung" in Berlin.

"Kein überwundenes Phänomen"

Erfreulich wäre, wenn dies gemeinsam mit dem "Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität" gelänge, betonte Merkel. Die Kanzlerin fügte hinzu, dass die Bundesregierung sich zur "gesellschaftlichen Aufbereitung von Zwangsmigration, Flucht und Vertreibung" bekenne. Mit Blick auf die ethnischen Säuberungen im ehemaligen Jugoslawien und die Situation in der sudanesischen Krisenregion Darfur mahnte die Kanzlerin zugleich, dass Vertreibungen "kein überwundenes Phänomen" seien.

Das Gedenken an die Vertriebenen bezeichnete Merkel als wichtigen Teil der deutschen Identität. Erinnerung zuzulassen, sei "der Boden für Versöhnung und Frieden". Die vor 60 Jahren begonnenen Vertreibungen hätte es jedoch nicht ohne das Nazi-Regime gegeben, betonte sie.

Forderung aus Polen

Der ehemalige polnische Außenminister Bronislaw Geremek (Bildquelle: picture-alliance/ ZB)
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Der ehemalige polnische Außenminister Bronislaw Geremek

Zuvor hatte der ehemalige polnische Außenminister Bronislaw Geremek Merkel zu einem "klaren Bekenntnis" gegen das umstrittene Zentrum aufgefordert. Die vom Bund der Vertriebenen geplante Dokumentationsstätte sorgt seit Jahren für Spannungen im deutsch-polnischen Verhältnis.

Stand: 18.09.2006 19:52 Uhr

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